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Laserzahnmedizin | Therapie zur Übersicht

Therapie 02.01.2012

Herpes labialis einfach, schnell und ­nachhaltig therapieren

Quae medicamenta non sanant, ferrum sanat, quae ferrum non sanat, ignis sanat.

Als Hippokrates um ca. 400 vor Christus diese Worte sprach, dachte er bestimmt auch an die Erkrankungen der Haut. Was kann das Feuer heilen, wenn Eisen oder Medikamente versagt haben? Wie der Leser im Folgenden erfahren wird, kann dieser von ihm beschriebene Weg auch ein Erfolg versprechender Therapieansatz für die Herpes simplex Erkrankung sein. Was genau Hippokrates gemeint hat und wie er uns sogar heute noch – über 2.400 Jahre später – weiterhilft, erfahren Sie, wenn Sie weiterlesen.

Das Wort Herpes kommt aus dem Griechischen und bedeutet Hautgeschwür. Jeder, der schon mal in den Genuss dieser oft an den Lippen auftretenden Viruserkrankung gekommen ist, kann bestätigen, dass dieser Name gut ausgesucht wurde.

 

Verlauf von Herpes-Erkrankungen

Ein Lippenherpes dauert unbehandelt sieben bis zehn Tage und zeigt im Krankheitsverlauf sieben Phasen. Diese unterscheiden sich in der Dauer und im Schweregrad individuell sehr. Die erste Phase ist die Prodomalphase mit Schmerzen, Kribbeln, Brennen und einem unangenehmen  Spannungsgefühl bei noch intakter Haut. Diese tritt nicht bei allen Patienten auf. In der Erythemphase rötet sich die Haut. Dann erscheinen die schmerzhaften Papeln (Papelphase). In der Vesikelphase werden aus den Papeln flüssigkeitsgefüllte Bläschen. Die Flüssigkeit enthält Viren und ist bei Kontakt hochinfektiös. Dann kommt es in der Ulze­rationsphase zum Aufbrechen und Verschmelzen der Bläs­chen und es bilden sich daraus schmerzhafte und nässende Wunden. In der Verkrustungsphase bilden sich stark juckende Krusten und Schorf. In der letzten Phase heilen die Rötungen und Schwellungen in der ­Regel ohne Narbenbildung ab. Wird bis zur Papelphase mit einer virustatischen Creme behandelt, kann manchmal das Schlimmste verhindert werden. Leider kommt die Erkrankung oft ohne erkennbare Vorzeichen, sozusagen über Nacht, zum Ausbruch. Dann kann eine virustatische Creme nur noch lindern und das Infektionsrisiko reduzieren.

Herpes simplex Typ 1

Vielen ist unbekannt, dass davon ausgegangen wird, dass ein Großteil der Bevölkerung das Herpes simplex ­Virus Typ 1 bereits in sich trägt. Oft tritt ein Herpes-Schub in einer Phase der geschwächten Immunabwehr, bei Stress oder bei starker Sonneneinstrahlung auf. Hat sich der Herpes labialis erst einmal manifestiert, können darüber hinaus noch bakterielle Superinfektionen das klinische Bild und die Schmerzen für den Patienten verschlimmern. Das HS-1 Virus ist leicht durch Speichel oder Schmierinfektion übertragbar. Bei meist jungen Erwachsenen treten mehrfache Rezidive auf, die oft am Übergang zwischen Lippenrot und Haut auftreten (Abb. 1). Diese Patienten werden dann meist entweder beim Dermatologen oder beim Zahnarzt vorstellig. Gegen die oft verschriebenen virustatischen Cremes entwickeln sich schnell Resistenzen des Herpesvirus, der dann nicht mehr auf diese Therapie anspricht. Zudem sind bekannte Nebenwirkungen dieser Arzneimittel Allergien, Brennen oder Reizungen der Haut, bei der oralen Therapie auch Kopfschmerzen. Da diese Medikamente potenziell mutagen sind, wird darüber hinaus von einer Anwendung in der Schwangerschaft abgeraten.

Laserunterstütztes Vorgehen

Mithilfe der Lasertherapie kann diesen Patienten jedoch auf einem anderen Weg zu Linderung und schneller Heilung verholfen werden. Der immer wieder für diesen Zweck angepriesene Softlaser allein führt allerdings mitunter zu frustrierenden Erlebnissen. Zwar schreitet der Heilungsprozess schneller voran, dies wird jedoch vom Patienten kaum bemerkt oder honoriert, da er die Praxis mit den gleichen Beschwerden verlässt, wegen denen er sie aufgesucht hat. Deshalb haben wir in unserer Praxis ein modifiziertes Verfahren entwickelt, das sofort zu einer erheblichen Schmerzlinderung und zu einem Aha-Erlebnis beim Patienten führt. Wir verwenden dazu das Programm „Beruhigung der Taschen“ des elexxion claros und das Softlaserhandstück T4 mit 4mm Durchmesser. Aus einer Pulsleistung von 1,5 Watt bei einer Frequenz von 1.500Hz und einer Pulsdauer von 444µS ergibt sich eine durchschnittliche Leistung von 1W (Abb. 2). Da es zu einer leichten Erwärmung des Gewebes kommen kann, wird der Patient gebeten, ein Zeichen zu geben, sollte diese als unangenehm empfunden werden.

Dann nähern wir uns aus ca. 1cm Entfernung unter ständiger Absaugung der Assistenz dem Infektionsherd bis auf 0,2–0,5mm und tasten diesen rasterförmig unter ständiger Bewegung zunächst für 30 Sekunden ab. Danach befragen wir den Patienten und inspizieren das therapierte Gebiet. Die therapierte Haut darf keinerlei Beschädigung durch den Laser zeigen und das Wärmeempfinden muss vom Patienten als unproblematisch eingeschätzt werden. Sollten gegenteilige Symptome auftreten, muss die Pulsleistung auf ein vom Patienten akzeptiertes Niveau reduziert und die Therapiedauer entsprechend verlängert werden. Aus unserer Erfahrung ist dies jedoch bei einer sehr geringen Zahl von Patienten der Fall. Danach bitten Sie den Patienten auf einer Schmerz­skala von eins bis zehn seine noch vorhandenen Beschwerden im Vergleich zu den ursprünglichen Beschwerden einzuordnen. Auf diese Weise wird die Therapie fortgesetzt, bis eine Schmerzreduktion auf null bzw. eins auf der Schmerzskala erreicht wurde. Dieses Vorgehen kann bis zu drei Minuten Therapiezeit bedeuten. Eine Erhöhung der Pulsleistung bis auf 1,95 Watt ist dann angezeigt, wenn der Patient nach einer Minute über noch keinerlei Verbesserung der Symptome berichtet. Im Anschluss erfolgt die Softlaserapplikation mit dem Programm Wundheilung des elexxion claros oder mit 100 mW für mindestens eine Minute. Hierbei sollte eine Energiemenge von 5–7 Joule in das Gewebe abgegeben werden. Am nächsten Tag erfolgt die Kontrolle (Abb. 3) und erneute Softlasertherapie. Ist der Patient noch nicht vollständig schmerzfrei, ist ein ­erneutes Vorgehen wie oben beschrieben indiziert. In der Regel ist der Patient jedoch nach 24 Stunden schmerzfrei.

Quae medicamenta non sanant, ferrum sanat, quae ferrum non sanat, ignis sanat.

Und genau diese Therapieabfolge kann mit Hippokrates so interpretiert werden, dass, wenn Medikamente nicht heilen, dann das Eisen (Skalpell) heilt, wenn das Skalpell nicht heilt, dann heilt das Feuer, also der Laser. Die hier vorgestellte Lasertherapie ist eine nebenwirkungs- und schmerzfreie, schnell wirkende und sehr effiziente Therapie des Herpes labialis. Durch die sofortige, fast vollständige Schmerzreduktion (Spannungsgefühl und Jucken) und das nicht mehr nötige Behandeln mit virustatischen Cremes wird diese Therapie sehr gut akzeptiert und in unserer Praxis häufig nachgefragt. Der optimale Zeitpunkt der oben vorgestellten Behandlung ist die Prodromalphase oder die Ery­themphase. Die meisten Patienten suchen uns jedoch erst in der Vesikelphase auf. Hier klären wir den Patienten auf, dass bei einem ­erneuten Auftreten des Herpes labialis schnelleres ­Handeln und eine Vorstellung in der Praxis möglichst schon im Prodromalstadium oder Erythemstadium von Vorteil ist. Auch die Praxisorganisation muss dementsprechend instruiert werden. Die Rezeptionskräfte sind darüber informiert und vergeben für diese Patienten kurzfristig Termine noch am selben Tag. Nur hier wird man von den beschriebenen nachhaltigen Effekten und einer Rezidivreduzierung in vollem Umfang profitieren.

Fazit

In einer Studie der Universität Wien wurde festgestellt, dass Aphthen und Herpes nach einer Laserbehandlung deutlich signifikant weniger häufig wieder auftreten, als bei einer Therapie mit Medikamenten.1 Diesen Effekt können wir aus unseren klinischen Erfahrungen eindeutig bestätigen. Zusammenfassend lässt sich darüber hinaus festhalten, dass die Lasertherapie in den meisten Fällen sofort bei Herpes hilft. Wird der Laser frühzeitig eingesetzt, erreicht man unmittelbare Schmerzfreiheit. Zudem kann oft das Ausbrechen der Herpesbläschen verhindert oder die Krankheitsdauer deutlich reduziert werden. Diese Therapie ist absolut schmerzfrei, natürlich auch für Kinder oder Schwangere geeignet und zeigt nachhaltige Wirkung.

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