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Wissenschaft und Forschung 08.05.2012

Energy- und Sportdrinks schaden dem Zahnschmelz

Labortest: Zahnschmelz-Erosionen schon nach fünf Tagen sichtbar

Der Boom von Energy- und Sportdrinks ist eine Gefahr für die Zähne: Ihr hoher Säurewert zerstört den Zahnschmelz, der die äußerste, harte Schicht des Zahnes darstellt. Mögliche Auswirkungen des Konsum beschreiben Zahnmediziner der Southern Illinois University in der Fachzeitschrift "General Dentistry". "Junge Erwachsene konsumieren Energy- und Sportdrinks, weil sie dadurch sportlicher oder energiegeladener zu werden glauben. Die meisten sind schockiert, wenn sie erfahren, dass es sich dabei um ein Säurebad für die Zähne handelt", berichtet Studienleiterin Poonam Jain.

Zahnschmelz schmilzt dahin

Die Forscher untersuchten 13 bekannte Sportgetränken und neun Energydrinks. Überprüft wurde einerseits das Säureniveau, das laut den Ergebnissen von Marke zu Marke und auch von Geschmack zu Geschmack derselben Marke sehr unterschiedlich ist. Andererseits testete man jedoch auch, wie sich menschlicher Zahnschmelz in der Flüssigkeit verändert. Dazu wurden Proben viermal täglich abwechselnd je 15 Minuten in den Getränken, dann zwei Stunden in einer künstlichen Speichellösung gebadet.

Schon nach fünf Tagen veränderte sich der Zahnschmelz bei Energy- als auch bei Sportdrinks, wobei Erstere im Schnitt doppelt so viele Schäden verursachten. Für die Behauptung der Forscher, ihre Simulation entspreche den Zahnbedingungen vieler Jugendlicher, ernten sie jedoch auch Kritik. "Drei-Minuten-Versuchsbäder wären sinnvoller, da der Speichel die Säuren relativ rasch neutralisiert", betont Adrian Lussi, Direktor der Klinik für Zahnerhaltung der Universität Bern.

Tipp: Nuckeln vermeiden und Nachspülen

Grundsätzlich bestätigt der Berner Experte allerdings die Ergebnisse. "Viele Getränke - allen voran Energydrinks und viele Sportgetränke, jedoch auch Softdrinks, Champagner, Mineralwasser mit Zitronengeschmack, Orangensaft ohne zugesetztes Calcium, Grapefruitsaft oder Hagebuttentee - sowie Medikamente lassen den Zahnschmelz erodieren." Eigene Studien dazu hat Lussi kürzlich im "British Journal of Nutrition" veröffentlicht. Deutlich wurde dabei, dass nicht der pH-Wert alleine die Zahnschmelz-Zerstörung bestimmt. "Es kommt auch auf die Art der Säure an. Mit der Phosphorsäure von Coca Cola kommt der Mund gut zurecht, mit Red Bull hingegen schlecht."

Da der Zahnschmelz tagelang braucht, um sich von Säureattacken zu erholen, empfiehlt Lussi einen möglichst schonenden Konsum säurehältiger Getränke. "Vermeiden sollte man, ständig an ihnen zu nuckeln, sie schluckweise zu trinken oder sie gar durch die Zähne zu ziehen. Ideal wäre auch, gleich im Anschluss die Zähne zu spülen." Differenziert sieht der Fachmann die landläufige Empfehlung, mit dem Zähneputzen danach abzuwarten. "Zahnproblem Nummer eins ist Karies, nicht Zahnschmelzerosion. Vergisst man zu putzen, sind viele Getränke auch aufgrund ihres Zuckergehaltes gefährlich."

Quelle: pressetext.com