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Hygiene in der Zahnarztpraxis – Was muss der Zahnarzt wissen?

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Praxishygiene 13.09.2010

Hygiene in der Zahnarztpraxis – Was muss der Zahnarzt wissen?

Die Hygiene in Zahnarztpraxen (aber auch in Arztpraxen und Krankenhäusern) steht im öffentlichen Fokus. Forderungen nach einem hohen Schutzniveau für Patienten sind angesichts des Rechtsgutes Gesundheit verständlich und nachvollziehbar. Absolute Sicherheit oder absoluter Schutz vor Infektionen ist aber weder erreichbar, noch bezahlbar. Hier darf das Wünschenswerte nicht mit dem Machbaren verwechselt werden.

Exzellente Hygiene ist eine Basisanforderung. Sie wird vom Patienten erwartet und ist Aushängeschild einer gut geführten Praxis. Es ist also klug, sich als Zahnarzt mit den vielfältigen hygienischen Anforderungen zu befassen und sie in sinnvoller Weise umzusetzen.

Hygienerecht


Es gibt kein einheitliches Hygienerecht in Deutschland. Die einschlägigen und zu beachtenden Rechtsvorschriften verteilen sich auf zahlreiche Gesetze, Verordnungen, Richtlinien, usw. Eine Reihe von Vorschriften unterliegen dem Vollzug (Umsetzung und Aufsicht) der Länder.

Hier finden Sie zahlreiche nützliche Infos:
www.dimdi.de
Gesetze, Verordnungen, usw.
www.rki.de
Gesetze, Verordnungen, usw.
www.aki.de
Instrumentenaufbereitung
www.bzaek.de
z.B. Hygieneplan der BZÄK und des DAHZ

Rechtsgrundlagen für die Überwachung

Zahnarztpraxen können durch die zuständigen Behörden überwacht werden. Zuständig für die Überwachung der allgemeinen Hygiene ist – nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) – die Untere Gesundheitsbehörde (Gesundheitsamt) (siehe Abb. 1).



Überwachung der allgemeinen Hygiene
Die normale Zahnarztpraxis – auch wenn sie invasive Maßnahmen wie Extraktionen, Implantationen oder Operationen durchführt – ist keine „Einrichtung des ambulanten Operierens“ und unterliegt damit nur der Kann-Überwachung nach §36 Abs.2 IfSG durch das Gesundheitsamt. Demgegenüber führen Einrichtungen des ambulanten Operierens sogenannte stationsersetzende Maßnahmen durch und unterliegen der Muss-Überwachung nach §36 Abs.1 IfSG.

Folge:

In normalen Zahnarztpraxen wird das Gesundheitsamt gewöhnlich nur dann Überwachungsmaßnahmen durchführen, wenn etwa eine Anzeige wegen vorgeblich mangelnder Hygiene vorliegt (anlassbezogene Überwachung). Egal ob eine Muss- oder Kann-Überwachung durchgeführt wird, die Grundlage ist immer die RKI-Empfehlung 4/2006.

Inhalte der RKI-Empfehlung 4/2006

– Risikobewertung
– Infektionspräventive Maßnahmen am Patienten
– Infektionspräventive Maßnahmen des Behandlungsteams
– Aufbereitung von Medizinprodukten (Verbindlichkeit fraglich, da für Medizinprodukte das BfArM zuständig ist)
– Wasserführende Systeme
– Reinigung und Desinfektion von Abformungen und zahntechnischen Werkstücken
– Flächendesinfektion und Reinigung
– Waschen von Berufs- und Schutzkleidung
– Entsorgung
– Qualitätssicherung
– Bauliche Anforderungen
– Rechtliche Rahmenbedingungen

Rechtliche Einordnung

Die RKI-Empfehlung 4/2006 „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde – Anforderungen an die Hygiene“ basiert auf §23 Abs. IfSG. Sie hat gesetzesähnlichen Charakter. Wer von ihr abweicht, muss darlegen, dass er mit seinen Maßnahmen ein gleiches Schutzniveau erreicht.



Verstöße gegen Hygienevorschriften

– Zivilrechtlich können sie zur Haftung des Zahnarztes führen (Anspruch des Patienten auf Schadensersatz und Schmerzensgeld wegen Gesundheitsschäden aufgrund mangelnder Hygiene).
– Sie können eine Ordnungswidrigkeit darstellen (Bußgeldzahlung bis max. 25.000E)
– Rechtswidrige und schuldhafte Verstöße gegen bestimmte Vorschriften können zur Strafbarkeit führen (Geldstrafe, ggf. sogar Freiheitsstrafe).

Verantwortlichkeit

Der Zahnarzt, nicht die aufbereitende Mitarbeiterin, ist dem Patienten gegenüber für die Hygiene in der Praxis verantwortlich. Allerdings könnte der Zahnarzt unter bestimmten Voraussetzungen aus dem bestehenden Arbeitsverhältnis Rückgriff nehmen, wenn die Mitarbeiterin die ihr übertragene Aufgabe nicht ordnungsgemäß erledigt hat.

Beweislast im Prozess für Hygieneverstöße

Verklagt ein Patient den Zahnarzt wegen Gesundheitsschäden durch vorgebliche Verstöße gegen Hygienevorschriften auf Zahlung von Schadensersatz/Schmerzensgeld, so trägt er für den Verstoß, den Schaden und die Ursächlichkeit des Hygieneverstoßes die Beweislast im Prozess. Dabei kommen ihm ggf. Beweiserleichterungen zugute, wenn der Zahnarzt z.B. einen Sterilisator benutzt, der nicht dem Stand der Technik entspricht oder wenn das Aufbereitungsverfahren nicht validiert oder ordnungsgemäß dokumentiert ist.

Hygienekosten

Die IDZ-Information 2/08 „Hygienekosten in der Zahnarztpraxis“ zeigt auf, dass sich die Hygienesachkosten zwischen 1996 und 2006 um mehr als die Hälfte und die Hygienepersonalkosten auf mehr als das Doppelte erhöht haben. Die Hygienekosten insgesamt haben sich zwischen 1996 und 2006 von 29.779E für die Einzelpraxis auf durchschnittlich 54.925E und für die Gemeinschaftspraxis auf 39.259 E pro Praxisinhaber erhöht. Der rasante Kostenanstieg belastet die Praxen in ganz erheblicher Weise. Hier muss die Politik handeln und endlich die Einführung von z.B. Hygienepauschalen in die Gebührenordnungen ermöglichen.

Tipp:

Sie wollen wissen, ob Ihre Praxis die Anforderungen an die allgemeine Hygiene erfüllt, dann nutzen Sie – zu Ihrem internen Gebrauch – die Checkliste.

Fazit

Der Stand der Hygiene in Zahnarztpraxen ist anerkanntermaßen hoch. Valide Untersuchungen zu Hygienedefiziten existieren nicht. Dennoch werden die Anforderungen an die Hygiene stetig höhergeschraubt. Zugleich wird die Überwachung durch die zuständigen Behörden intensiviert. Von der Politik ist einzufordern, dass sie die Aufnahme entsprechender Abrechnungspositionen in Gebührenordnungen (z.B. Hygienepauschale) ermöglicht. Exzellente Hygiene wird sonst für die Praxen unbezahlbar!

Dieser Artikel wurde verfasst von:

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