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Wurzelfrakturen sind als komplexe Traumata zu betrachten, da sie sowohl die Zahnhartsubstanz als auch die parodontalen und pulpalen Gewebe betreffen. Sie sind das Resultat hoher Krafteinwirkung mit Kompressionszonen im Wurzelbereich. Die Fraktur hat die Spaltung des Zahnes in ein koronales und ein apikales Fragment zur Folge.

I m Hinblick auf das Frakturniveau unterschiedet man zwischen Frak- turen im apikalen, mittleren und zervikalen Wurzeldrittel. Bekannt ist, dass ein junger Patient, dessen Wurzel- wachstum noch nicht abgeschlossen ist, die besten Heilungsaussichten nach einer Wurzelfraktur hat. Darüber hi- naus wird der Heilungsprozess be- günstigt, wenn ein positiver Sensibili- tätstest zum Unfallzeitpunkt, keine Dislokation und keine erhöhte Mobili- tät des koronalen Fragments vorliegen. Da bei einer fehlenden Dislokation die Gefahr besteht, die Fraktur zu überse- hen, ist für die Diagnostik eine bildliche Darstellung in zwei Ebenen notwendig.1 Die Empfehlung, eine Wurzelfraktur mit mehrmonatiger starrer Schienung zu behandeln, ist längst obsolet. Bei mehr als vierwöchiger Schienung konnte kein positiver Einfluss auf das Hei- lungsmuster im Bereich des Fraktur- spaltes nachgewiesen werden.3 Die Lage der Fraktur, Art und Ausmaß der Dislokation des koronalen Fragments sowie das Stadium des Wurzelwachs- tums bestimmen die Wahl der Thera- pie. Wurzelfrakturen, die vollständig im intraalveolaren Bereich liegen, zeigen oft einen günstigen Verlauf. Bei einer Wurzelfraktur wird grundsatzlich nur das koronale Fragment behandelt, da der apikale Teil in der Regel vital bleibt.2 Der konkrete Fall Im Jahre 1999 kam ein elfjähriger Pa- tient nach einem Fahrradunfall in un- sere Praxis. Bei der intraoralen Unter- suchung haben wir eine stark erhöhte Zahnbeweglichkeit des Zahnes 12 und eine weniger stark ausgesprägte Zahn- beweglichkeit der Zähne 11 und 21 ohne Dislokation festgestellt. Die Zähne wurden mit einer Drahtschiene, die auf die labialen Flächen geklebt wurde, versorgt. Zwei Wochen nach der Erstbehandlung fiel der Perkussions- test des Zahnes 12 negativ aus. Zu- gleich wurde eine Klopfempfindlich- keit festgestellt. Nach der Trepanation und Pulpaexstirpation wurde der Zahn mit Kalziumhydroxid gefüllt (Abb. 1). Zwei Monate nach der Trepanation er- hielt der Zahn 12 die definitive Wurzel- füllung. Eine beginnende Obliteration im Apikalbereich, eine häufige Be- gleiterscheinung von Wurzelfrakturen, verhinderte das Erreichen des Apex (Abb. 2). Negativer Vitalitätstest nach neun Jahren Bei den regelmäßigen Besuchen des Patienten in unserer Praxis wurden bis zum Jahre 2008 bei den klinischen und Röntgenkontrollen keine patho- logischen Veränderungen festgestellt. Neun Jahre nach dem Unfall fiel jedoch der Pulpatest des Zahnes 21 negativ aus. Die Röntgenaufnahme zeigt eine Zahnmedizin Endodontie/Zahnerhaltung Anwenderbericht 64 ZWP 7+8/2012 Die Langzeitbehandlung vonWurzelfrakturen | Dr. Jozef Minˇcík, Dr. Marián Tulenko Wurzelfrakturen sind als komplexe Traumata zu betrachten, da sie sowohl die Zahnhartsubstanz als auch die parodontalen und pulpalen Gewebe betreffen. Sie sind das Resultat hoher Kraftein- wirkung mit Kompressionszonen im Wurzelbereich. Die Fraktur hat die Spaltung des Zahnes in ein koronales und ein apikales Fragment zur Folge. Abb. 1: Die Röntgenaufnahme zeigt die Wurzelfrakturen der Zähne 12 (Wurzelbereich),11 und 21 (Apikalbereich) sowie Zahn 12 nach der Trepanation und der provisorischen Füllung. Der teilweise durchgebrochene Zahn 13 wurde nicht beschädigt. – Abb. 2: Definitive Wurzelfüllung des Zahnes 12. Die Zähne 11 und 21 sind vital. An den Bruchlinien sind keine Resorptionen er- kennbar. – Abb. 3: Eine externe Wurzelresorption des koronalen Fragments des Zahnes 21 in der Bruchlinie. – Abb. 4: Die definitive endodontische Behandlung des Zahnes 21. Diagnostiziert wurde eine externe Resorption in der Bruchlinie, während der apikale Bereich ohne pathologischen Befund blieb. – Abb. 5: Deutliche Heilung der Resorption des Bruchspaltes am Zahn 21 zwei Jahre nach der endodontischen Behandlung. Externe Resorption des Zahnes 11. – Abb. 6: Die Röntgenaufnahme nach der Wurzelfüllung des Zahnes 11. Abb. 1 Abb. 2 Abb. 3 Abb. 4 Abb. 5 Abb. 6