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Das Thema Biofilm-Management gewinnt zunehmend an Bedeutung und stellt den Behandler täglich vor Herausforderungen. Der dentale Biofilm ist in meinen Augen das zentrale Problem beim Management von parodontalen, enossalen und dentalen Strukturen. Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich, neben einer systematischen Therapie dem komplizierten Gefüge des Biofilms auf den Grund zu gehen.

n Als ausschlaggebender Faktor für die Entstehung vonParodontitidengilt,nebeneinergenetischenDispo- sition, das Vorliegen parodontopathogener Keime. Da- bei scheint nicht nur das Vorliegen solcher Keime ent- scheidend zu sein, sondern deren organisierte Struktur im Biofilm. Somit ist die hohe Resistenz gegen lokale Therapiemaßnahmen zu erklären. Was ist ein Biofilm? Unter Biofilmen versteht man die Zusammensetzung vonBakterien,diedurchCo-Aggregationsmechanismen als sogenannte Bakterienfamilien agieren und sich gegenseitig stabilisieren (Simmons 1989; Marsh und Bradshaw 1995; Ligtenberg et al. 2007). Biofilme besie- deln vorzugsweise feuchte Oberflächen (Passerini et al. 1992; Giaouris et al. 2005); nicht nur in der Mundhöhle, auchimtäglichenLebenstellensieunsvorProbleme.Ein Beispiel hierfür ist die Besiedlung von Abwasserrohren. UmdasGefügeBiofilmunddieOrganisationbesserver- stehenzukönnen,kannmansicheinBeispielausderGe- schichte heranziehen:So bildeten die Feldherren im Rö- mischenReichzumbesserenSchutzvorAngreifernsoge- nannte Schildkrötenformationen. Bei dieser Formation marschierten die Legionäre geschlossen und schützten sichmit ihrengroßenSchildenvorPfeilbeschussundge- worfenen Steinen. Auch Mikroorganismen bilden einen gemeinsamenSchutzwallgegengiftigeSubstanzen,die zu ihrer Elimination führen könnten. Zudem dient der ZusammenschlussdemNährstoffaustausch,derWeiter- gabe von Genen und somit einer erhöhten Anpassungs- fähigkeit anVeränderungendesumgebendenMilieus. Bildung des Biofilms Die Biofilmentstehung lässt sich in drei Phasen unter- teilen: – Induktionsphase – Akkumulationsphase – Existenzphase. Zu Beginn der Induktionsphase bildet sich eine organi- scheSchicht;dadurchkönnensichdieMikroorganismen besser an der Oberfläche anheften. Zu Beginn haften meist Actinomyceten mithilfe von Fimbrien und Pili an der Oberfläche der Zähne. Diese organische Schicht wird in der Akkumulations- phase von Keimen besiedelt, wobei zunächst aerobe und später anaerobe Keime vorherrschen. Diese for- mierteorganischeMatrixdientalsNährstoffzufuhr.Die Matrix, deren Hauptbestandteil Polysaccharide sind, schütztvoräußerenEinflüssenundgewährleistetdurch BildungspeziellerWasserkanäledieSubstratzufuhrund den Abtransport von Giftstoffen (Marsh und Bradshaw 1995).EntscheidendfürdieStabilität desBiofilmsist die Bildung von mehreren Kolonien, die unabhängig von- einanderkoexistierenundagierenkönnen.DieExistenz- phase ist erreicht, wenn ein Gleichgewicht zwischen Abbau und Zuwachs des Biofilms entstanden ist. Im Biofilm kommt es zum Austausch genetischer Infor- mationen, dem sogenannten „Quorum sensing“, einem interzellulärenKommunikationssystem(Suntharalingam und Cvitkovitch 2005; Wang und Kuramitsu 2005). Der genaue Mechanismus ist bisher noch nicht vollständig geklärt. Die Bakterien im Biofilm sind in der Lage, Resis- tenzgene gegen Antibiotika zu bilden. Diese hochkom- plex organisierten Biofilmstrukturen zeigen eine 1.000- bis1.500-fachhöhereResistenzgegenüberAntibiotika. Die Struktur der oralen Plaque und die Bakterien im oralen Biofilm Supragingivale Plaque unterscheidet sich zudem gra- vierend von der subgingivalen Plaque.Im supragingiva- len Biofilm leben die Bakterien organisiert und können denBiofilmüberdieMundhöhleverlassen,haftendirekt anderZahnoberflächeanundverlierendurchdierichti- gen Mundhygienemaßnahmen ihre Wirksamkeit. Der subgingivale Biofilm kann leider nicht durch einfache Spezial 6 DENTALHYGIENE JOURNAL 4/2014 Biofilm-Management: Folgen einer unzureichenden Therapie und Prophylaxe Das Thema Biofilm-Management gewinnt zunehmend an Bedeutung und stellt den Behand- ler täglich vor Herausforderungen. Der dentale Biofilm ist in meinen Augen das zentrale Pro- blem beim Management von parodontalen, enossalen und dentalen Strukturen. Aus diesem Grund ist es zwingend erforderlich, neben einer systematischen Therapie dem komplizierten Gefüge des Biofilms auf den Grund zu gehen. Kristina Dzeko Varga Abb.1 und 2 (Intraoralkamera-Aufnahmen):Klinisches Bild des supra- gingivalen Biofilms mit Entzündungszeichen des umliegenden Ge- webes.

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