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Die Mundhöhle wird von unterschiedlichen Gewebsstrukturen gebildet. Auf diesen Grenzflächen lassen sich bis zu 500 verschiedene Bakterienarten finden, die ausschließlich in sogenannten Biofilmen existieren. Die Zusammensetzung der Biofilme bestimmt, ob das umliegende Gewebe Schaden nimmt oder sogar ein Schutz vor Krankheitserregern besteht. Beherbergen die Biofilme pathogene Erreger, können diese über Antibiotika oder alternativ über ätherische Öle bekämpft werden.

14_Wissenschaft & Praxis Nr. 3 | Juni 2009 | www.pn-aktuell.de Diagnostik und alternative Therapien der Parodontitis Die Mundhöhle wird von unterschiedlichen Gewebsstrukturen gebildet.Auf diesen Grenzflächen lassen sich bis zu 500 verschiedene Bakterienarten finden, die ausschließlich in sogenannten Biofilmen existieren. Die Zusammensetzung der Biofilme bestimmt, ob das umliegende Gewebe Schaden nimmt oder sogar ein Schutz vor Krankheitserregern besteht. Beherbergen die Biofilme pathogene Erreger, können diese über Antibiotika oder alternativ über ätherische Öle bekämpft werden. Biofilme entstehen, wenn Mikroorganismen sich an Grenzflächen zwischen Gasund Flüssigphasen (z. B. freier Wasserspiegel), Flüssig- und Festphasen (z. B. Zahnschmelz) oder an Flüssig/Flüssigphasen (z. B. Öltröpfchen im Wasser) ansiedeln. Es bildet sich auf der Grenzfläche eine dünne, meist geschlossene Schleimschicht (Film), in die Mikroorganismen eingebettet sind. Diese Schicht bezeichnet man als Biofilm. Jede Grenzfläche bietet Adhäsionspotenziale für Mikroorganismen. Die Bindung wird in vielen Fällen allerdings begünstigt, wenn die Grenzfläche bereits mit organischen Polymeren (z. B. Polysacchariden) belegt ist. Solche Polymere sind in der Regel biologischen Ursprungs. Die Zusammensetzung dieser Biofilme in der Mundhöhle ist sehr unterschiedlich. So befinden sich auf der glatten Zahnoberfläche vorwiegend Streptococcus sanguinis und Streptococcus mutans Arten, in kariösen Läsionen Lactobacillus spp. und in infizierten Wurzelkanälen und in subgingivalen Taschen, auf der also durchaus um eine Infektionskrankheit. Diese Mikroorganismen wirken als bakterielle Antigene und produzieren Lipopolysaccharide, die die Bildung von proinlen. Inzwischen liegen jedoch erste randomisierte Therapiestudien vor, die die Vorteile einer aktiven Parodontitistherapie nahe legen. Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung einer schnellen und zuverlässigen Diagnostik der an der Parodontitis beteiligten Erreger ersichtlich. Hier bietet sich z. B. der ParoCheck an (www.parocheck. info). Sollten entsprechende Erreger (Aggregatibacter actinomycetemcomitans, Porphyromonas gingivalis, Tannerella forsythensis, Prevotella intermedia, Campylobacter rectus, Treponema denticola) nachgewiesen worden sein, müssten geeignete Therapien, wie z. B. • Antibiotikabehandlung • Behandlung mit ätherischen Ölen • Autovacczinbehandlung durchgeführt werden, die nicht nur die Eradikation dieser Erreger zur Folge haben, sondern welche auch zur Stärkung des Immunsys- „Ursachen der Parodontitis sind nicht nur mangelnde Mundhygiene und Zahnsteinbildung, sondern auch opportunistische Infektionen mit oralen Mikroorganismen wie Aggregatibacter, Porphyromonas und Prevotella.“ Zunge und auch auf den Tonsillen überwiegend obligat anaerobe, gramnegative Bakterien. Ursache und Therapie Ursachen der Parodontitis sind nicht nur mangelnde Mundhygiene und Zahnsteinbildung, sondern auch opportunistische Infektionen mit oralen Mikroorganismen wie Aggregatibacter, Porphyromonas und Prevotella. Hierbei handelt es sich flammatorischen Zytokinen hervorrufen. Hierdurch kommt es zu einer Entzündungsreaktion. Bereits 1996 konnte gezeigt werden,dass parodontale Erkrankungen das Frühgeburtsrisiko um das 7,5-Fache erhöhen. Man geht davon aus, dass in den USA ca. 18 % der untergewichtigen und zu früh geborenen Kinder eine Folge der Parodontitis sind. Für Europa gibt es bislang keine vergleichbaren Zah- ParoCheck hochgradig pathogen* stark pathogen* mäßig pathogen* Begleitkeim *nach Socransky & Haffajee (2006) Periodontology 2000, 38: 135–187 Untersuchungsbefund Probenmaterial: 17, 24, 27, 37, 47 Normbereich Herborn 11.09.2007 erhöhte Keimzahl stark erhöhte Keimzahl sehr stark erhöhte Keimzahl DNS-Nachweis Tanarella forsythia (Bacteroides forsythus) Porphyromonas gingivalis Treponema denticola Prevotella intermedia Peptostreptococcus micros Campylobacter rectus/showae Fusobacterium nucleatum Aggregatibacter actinomycetemcomitans Eikenella corrodens Actinomyces viscosus positiv positiv positiv negativ negativ positiv positiv negativ negativ negativ ✓ ✓ ✓ ✓ ✓ Therapie Therapie Therapie Therapie Therapie Klassische Therapie Antibiotika Clindamycin Parodontopathien Agressive PA Schwere chronische PA, speziell mit Knochenabbau Dosierung 4 x täglich 300 mg 7 Tage oder Metronidazol oder Ciprofloxacin Agressive PA Schwere chronische PA 2 x täglich 250 mg über 10 Tage Agressive PA Schwere chronische PA 3 x täglich 400 mg über 7–8 Tage Individuelle Grundmischung für den vorliegenden Befund Substanz Lemongrass Palmarosa Thymian Propolistinktur Abb. 1: Mikrobieller Befund und die dazugehörigen Therapieempfehlungen. Dosierung 5 Tropfen 10 Tropfen 10 Tropfen 5 ml tems geeignet sind (Autovacczine). Die Antibiotikabehandlung der Parodontitis ist eine der am häufigsten eingesetzten Therapien in der Zahnheilkunde. Alternative Therapien werden von den Patienten jedoch immer häufiger nachgefragt. Eine dieserTherapieformen ist die Behandlung mit ätherischen Ölen. Das bekannteste Produkt, dessen keimabtötende Wirkung auf dem Zusatz ätherischer Öle basiert, ist das Mundwasser Listerine®. Dieses enthält neben Alkohol die ätherischen Öle Menthol, Eukalyptol und Thymol. Bei der in Listerine® verwendeten Alkoholkonzentration hat dieser keine keimabtötende Wirkung. Er dient lediglich als Lösungsmittel für die ätherischen Öle. Alle drei verwendeten Öle wirken jedoch nicht ausreichend abtötend auf Parodontitiserreger. Hier bietet sich eine individuelle Lösung für den Patienten, wie sie in Form des ParoCheck angeboten wird, an. Neben dem Nachweis der Parodontitiserreger und einer Antibiotikaempfehlung erfolgt auch eine Empfehlung hinsichtlich der wirksamsten Kombination ätherischer Öle. Dieses daraus herzustellende Mundwasser kann in jeder Apotheke in Auftrag gegeben werden. Ein Beispielbefund ist in Abb. 1 dargestellt. Eine weitere Alternativmethode sind die Parovacczine. Diese fördern die Eigenregulation des Patienten. Die immunologische Barrierefunktion der Schleimhaut soll gestärkt und die Translokation von mikrobiellen Antigenen verringert werden und somit auch die Möglichkeit der Adhäsion pathogener Keime. Die Zusammensetzung der pathogenen bakteriellen Flora soll sich zur physiologischen Flora hin verschieben. Diese Therapie ist patientenspezifisch, d. h. die Parovacczine sind eine therapeutische Immunisierung aus den patienteneigenen parodontitis-assoziierten Bakterien und werden für jeden Patienten individuell angefertigt. Sie sind erregerspezifisch, d. h. es werden nur bestimmte aggressive Bakterien unter Laborbedingungen ange- züchtet und anschließend abgetötet. Sie dienen zur Therapie einer Krankheit und nicht zur Vorbeugung. Sie entfalten eine positive Wirkung auf das Immunsystem und bieten damit einen gewissen Schutz vor Reinfektion.Am besten kann man sie mit der Hyposensibilisierung wie bei der Behandlung von Allergikern vergleichen. Obwohl diese Therapieform schon über 100 Jahre alt ist, geriet sie lange in Vergessenheit und erlebt erst seit Neuestem ein verstärktes Interesse. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der teilweise sehr unbefriedigenden und nicht immer lang anhaltenden Therapie mit Antibiotika zu sehen. Der Patient wünscht sehr häufig eine alternative Methode bei der Parodontitisbehandlung. Obwohl die Datenlage sich derzeit ausschließlich auf Erfahrungsberichte und kleine Anwendungsbeobachtungen stützt, sind die Ergebnisse als sehr positiv zu werten. So konnte im Rahmen einer Masterarbeit am Interuniversitären Kolleg für Gesundheit und Entwicklung gezeigt werden, dass durch die Gabe von sogenannten Parovacczine die Rezidivneigung der Patienten vermindert war. Die Parodontitis ist eine schleichende, häufig unbemerkt verlaufende Krankheit. Erst in einem fortgeschrittenen Stadium treten Beschwerden auf. Sie hat jedoch nicht nur Auswirkungen auf die Zähne, sondern durch die Streuung der Bakterien und ihrer Toxine in den Körper kann der Ausbruch von Allgemeinerkrankungen begünstigt werden. Eine ausschließliche Antibiotikagabe ist nicht in jedem Fall hilfreich und Erfolg versprechend. Hier bieten sich die dargestellten Therapien als Alternative an. Adresse Auf den Lüppen 8 35745 Herborn Tel.: 0 27 72/98 12 47 Fax: 0 27 72/98 11 51 E-Mail: paro@mikrooek.de www.parocheck.info

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