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Ästhetik interdisziplinär 02.04.2014

Neue und alte Parameter ästhetischer Gesichtskorrekturen

Neue und alte Parameter ästhetischer Gesichtskorrekturen

Die Verfeinerung in den Facelift-Techniken hat zu einer deutlichen Weiterentwicklung in vielen Details der Operationstechnik geführt. Das natürliche Bestreben jedes Plastischen Chirurgen ist, möglichst keine sichtbaren Narben zu hinterlassen, oder diese zumindest kurz, unsichtbar oder versteckt anzulegen, trotzdem aber stets den gewünschten Effekt zu erreichen.

Dieser Wunsch, einerseits den Aufwand zu reduzieren, andererseits aber die Effekte zu erzielen, hat zu einer Reihe von Differenzierungen der Operationstechniken geführt – bis hin zu endoskopischen Verfahren, die sich vor allem beim Glätten der Stirn und Anheben der Augenbrauen bewährt haben. Auch zum Mittelgesichts-Lifting gibt es minimalinvasive Zugänge, die es ermöglichen, mit einer endoskopischen Kamera das Weichteilgewebe im Gesicht zu modellieren und an seine ursprüngliche, jugendliche Position zurückzuverlagern. Die Zeiten, in denen Facelift-Schnitte über die halbe Schläfe, rund um die Ohren, weit hinein in den behaarten Kopf oder gar von Ohr zu Ohr geführt wurden, sind glücklicherweise vorbei. Auch die Anpassung der Schnitttechniken an die individuellen Erfordernisse des einzelnen Patienten verbessert die Kostenutzen-Relation ästhetischer Korrekturen im Gesicht. In der Erfüllung der individuellen Wünsche können wir heute nicht nur die Narben weniger auffällig, sondern auch die einzelnen Operationsschritte und -manöver so voneinander trennen, dass sie an Ansprüche und Erwartungen angepasst werden können. Der frühere Versuch Wangen, Krähenfüße und den Hals von einem einzigen Schnitt aus zu korrigieren, hat entsprechende Narben und Verschiebungen des Haaransatzes vor dem Ohr mit sich gebracht. Besonders Letzteres gilt heute als auffälliges Stigma eines Facelifts und muss vermieden werden. Gleiches gilt für Narben am Haaransatz hinter den Ohren, auch wenn hochgesteckte Frisuren gerade nicht so modern sind. Die Narben bleiben ein Leben lang und Moden können sich ändern.

 

 

Alternativ ist man dazu übergegangen, die Schnitte vor den Ohren rund um den Haaransatz zu führen und dabei Techniken anzuwenden, bei denen die Narben so gelegt werden, dass Haarwurzeln nicht geschädigt werden und die Haare durch die Narben an der Oberfläche hindurchwachsen, um diese nahezu unsichtbar zu machen. Auch hat man erkannt, dass gerade Schnitte, vor allem im Gesicht, auffällig und künstlich wirken, während Schnittlinien, die entweder in Hautfalten versteckt sind oder in einer angedeuteten Zick-Zack-Linie geführt werden, wesentlich weniger auffällig sind. Diese wellenförmigen Linien passen sich dem natürlichen Verlauf der Haut optimal an und können der natürlichen Bewegung des Gesichtes bei allen Bewegungen der Mimik und besonders beim Lachen folgen.

Für die Augenbrauen, das Stirnlift und die Glättung der Krähenfüße können ohnehin auch kleinere Schnitte, vergleichbar mit einem endoskopischen Lifting, zum Erfolg führen. Auch hier ist darauf zu achten, die Schnitte dicht am Haaransatz zu setzen und dafür zu sorgen, dass die Haare durch die Narben durchwachsen können. Es ist so möglich, die behaarte und die nicht behaarte Haut gegeneinander zu verschränken, um die Linienführung der Narben zu „verwischen“. Der größte Gewinn in der Modellierung des Gesichtes zur Wiederherstellung von Jugendlichkeit und Dynamik ist aber heute mit Sicherheit dem Lipofilling zu verdanken. Dabei werden altersbedingte Weichteildefekte im Gesicht und am Unterkiefer mit körpereigenem Fett aufgefüllt, das entsprechend aufbereitet durch sehr dünne Nadeln eingespritzt werden kann. Diese Techniken sind heute aus der Plastischen Chirurgie als ästhetische Maßnahme im Gesicht nicht mehr wegzudenken. Dieses Lipofilling ist sicherlich das interessanteste Accessoire der letzten Jahre geworden, weil es sich wie kaum eine andere Maßnahme individualisiert einsetzen lässt. Auch wenn der notwendige Aufwand dabei größer als mit Hyaluronsäure ist, können damit größere Volumina gezielt und dauerhaft in und unter die Haut eingebracht werden.

Die Angst, dass Lipofilling keinen dauerhaften Effekt hat, ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen (evidenzbasiert) unbegründet. Das fertige Ergebnis eines Lipofillings im Gesicht ist etwa zwei Monate nach dem Eingriff dauerhaft. Schwierig und geradezu künstlerisch anspruchsvoll ist allerdings die richtige Dosierung. Während sich das Volumen der Hyaluronsäure nach der Einspritzung kaum verändert, muss beim Lipofilling ein von Patient zu Patient und auch der zu unterfütternden Region abhängiger Volumenverlust einkalkuliert werden. Dazu kommt eine physiologische Schwellung der Haut beim Lipofilling, die die notwendige Überkorrektur noch verstärkt und von den Patienten beim Abschwellen ebenfalls als Volumenverlust erlebt werden kann. Sollten doch kleine Asymmetrien im Gesicht verbleiben, können diese durch „Retuschen“ problemlos ambulant und unter örtlicher Betäubung ausgeglichen werden. Die Kombination aus Dissoziation der Schnittführungen und individualisierter Modellage mit körpereigenem Fett hat Möglichkeiten aufgezeigt, an die vor zehn Jahren noch gar nicht zu denken war.

Als nächsten Schritt, Narben vielleicht doch noch unsichtbar machen zu können, konzentrieren sich neuere wissenschaftlichen Untersuchungen, Studien und Forschungen darauf, das Narbenbild mit dem Einsatz „ungerichteter“ elastischer und kollagener Fasern dem der normalen, unvernarbten Haut anzupassen, wie es bei der Wundheilung nach chirurgischen Eingriffen an Embryonen in der Gebärmutter beobachtet wurde. Das Wesen einer Narbe besteht nämlich darin, dass die kollagenen Fasern einer Narbe alle in die gleiche Richtung verlaufen, wodurch die Narbe deutlich glatter und heller als die Haut der Umgebung wirkt. Das Ziel ist es nun, diese kollagenen Fasern dazu zu bringen, sich wie ein Filz zu verschränken, statt sich in eine Richtung auszurichten. Die Vermeidung sichtbarer Narben wird also noch eine Weile ein großes Thema in der Plastischen Chirurgie bleiben. Denn die Länge einer Narbe kann eine technische Notwendigkeit sein, um der Haut wieder mehr Eigenspannung oder auch „Turgor“ zu geben, um sie frischer, dynamischer und jugendlicher wirken zu lassen. Allerdings ist die Länge nicht gleichzusetzen mit Auffälligkeit. Eine gut versteckte, lange Narbe kann deutlich weniger auffällig sein als eine kurze, schlecht versteckte, wuchernde oder unnatürlich gerade Narbe und auch noch zum besseren Gesamtergebnis beitragen.

Die VDÄPC lädt ihre Mitglieder regelmäßig zu Kursen und Operationsdemonstrationen ein, um die Differenzierungen dieser Techniken kennenzulernen. Das „gute“ Ergebnis ist aber immer der Intuition des Arztes und dem intensiven Gespräch mit dem Patienten vorbehalten, um Erwartungen an das Ergebnis und Möglichkeiten, dieses zu erreichen, aneinanderzukoppeln. 

Foto: © carol.anne - Shutterstock.com
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