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Prophylaxe 21.06.2013

Lachgassedierung in der Kinderzahnheilkunde

Bei Kindern, die einer Zahnbehandlung sehr ängstlich gegenüberstehen, hat sich die inhalative Sedierung mit Lachgas auch in meiner Praxis bewährt. Die Tiefe der Sedierung ist sehr gut steuerbar, das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen gering, und der Behandlungsablauf gestaltet sich für Patient und Zahnarzt weitgehend stressfrei.

Soweit die Theorie. Doch wie erlebt man die Lachgassedierung in der Praxis? Seit gut einem Jahr wende ich nun in meinen beiden Praxen für Erwachsene und Kinder die Lachgassedierung an. Das Verfahren eignet sich bei Kindern mit leicht bis mäßig ausgeprägter Zahnbehandlungsangst ab einem Alter von vier bis sechs Jahren. Nicht geeignet ist die Lachgassedierung bei kooperationsunwilligen Kindern oder bei ausgeprägten Phobien, da eine gewisse Mitarbeit der kleinen Patienten erforderlich ist. Diese Kooperationsfähigkeit ist bei phobischen Kindern unter vier Jahren oftmals nicht vorhanden, eine Lachgassedierung sollte daher als Behandlungsmethode ausgeschlossen werden. Ziel einer Lachgassedierung ist es, primär eine Angstkontrolle zu erreichen und die Kinder zu beruhigen. Hierin unterscheidet sich die Methode wesentlich von der Vollnarkose, die eine Schmerzkontrolle und Angstausschaltung bei extrem panischen und enorm ängstlichen Patienten durch Ausschaltung des Bewusstseins erreicht, aber nur in Extremsituationen und unter Aufsicht eines erfahrenen Anästhesisten angebracht ist. In der Vergangenheit wurde jedoch die Vollnarkose auch bei geringer Ausprägung des Angststadiums (vgl. ASA-Stufen 1+2) angewendet, obwohl die eindeutige Indikation für diese Methode nicht gegeben war. Genau diese Versorgungslücke schließt die Lachgassedierung ganz eindeutig. Die Anwendung ist durch die modernen Geräte sehr simpel, absolut und sicher. Millionenfache Anwendungen pro Jahr ohne Zwischenfälle in den USA und Großbritannien sprechen eine deutliche Sprache. Bei der Sedierung mit Lachgas handelt es sich um die minimalste aller Sedierungsformen. Atemwege und Bewusstsein werden nicht beeinträchtigt, durch einen direkte Gabe von 100 Prozent Sauerstoff kann bei einer Nebenwirkung wie leichter Schwindel oder Übelkeit ganz einfach und schnell entgegengewirkt werden. Da Lachgas nicht metabolisiert wird, entstehen keinerlei lang anhaltende Nachwirkungen.

Für Kinder gibt es kleine, duftende und bunte Nasenmasken


Grundsätzlich gestaltet sich die Applikation von Lachgas bei Kindern genauso wie bei Erwachsenen. Zunächst wird dem Patienten 100 Prozent Sauerstoff verabreicht. Nach ein bis zwei Minuten wird die Lachgaskonzentration in 10-Prozent-Schritten hochtitriert. Damit sich das Kind während der Dauer des Eingriffs wohlfühlt, muss die Maske gut sitzen und die Flussrate des Gases optimal eingestellt sein. Es gibt kleine Nasenmasken mit bunten Farben und verschiedenen Duftrichtungen, die das Kind zusätzlich motivieren, bei der Behandlung mitzumachen. Die Lachgassedierung lässt sich hervorragend mit hypnotischen und suggestiven Techniken kombinieren, z.B. mit Geschichten über Taucher oder Astronauten. Diesen Effekt sollte man nicht unterschätzen, die Einführung in die suggestive Vorbereitung kann auch gut an talentierte Teammitglieder delegiert werden. Bei Kindern sind meist Lachgaskonzentrationen zwischen 30 bis 50 Prozent ausreichend. Allgemein anerkannt ist die Verwendung der sogenannten „Blitzeinleitung“ bei besonders ungeduldigen oder quengeligen Kindern. Hier wird nicht mit 100 Prozent Sauerstoff begonnen, sondern bereits zur Einleitung eine Lachgaskonzentration von 30 bis 50 Prozent verabreicht. Ist die gewünschte Sedierungstiefe durch das Titrieren erreicht, wird in der Regel ein Lokalanästhetikum gespritzt, da Lachgas als Sedativum alleine keine adäquate Schmerzreduktion gewährleistet. Unter der Sedierung wird die Injektion aber erfahrungsgemäß kaum wahrgenommen, insbesondere wenn das Kind durch den entspannenden Effekt des Lachgases sowie im Idealfall durch die suggestive Technik verstärkt abgelenkt ist. Während der Behandlung werden die Vitalparameter intermittierend überprüft. Das gesamte Team sollte stets mit ruhigen Stimmen für eine entspannte Atmosphäre sorgen, denn lautes Sprechen und hastige Bewegungen übertragen sich trotz Sedierung automatisch auf die Gemütslage des Kindes. Nach der Behandlung wird abschließend drei Minuten lang 100 Prozent Sauerstoff verabreicht. Die Erholungsphase ist extrem kurz, meist können kleine Patienten die Praxis nach circa 30 Minuten mit ihren Eltern verlassen.

Fazit


Die Sedierung mit Lachgas bietet auch in der Behandlung schwer zu führender Kinder eine sichere und schonende Möglichkeit, eine potente Anxiolyse anzuwenden und dabei auf risikoreichere, tiefere Sedierungsformen oder gar Vollnarkosen zu verzichten. Der Bundesverband für Kinderzahnärzte gab im April 2013 nicht überraschend eine offizielle Empfehlung für den Einsatz der Lachgassedierung heraus und bestätigt damit die immer weiter steigende Akzeptanz und Nachfrage der Methode, insbesondere in der modernen Kinderzahnheilkunde, in Deutschland. Mit einer Zertifizierung des anerkannten Instituts für dentale Sedierung, Köln, unter Leitung von Anästhesist, Notfallmediziner und Fachbuchautor Dr. Mathers, erhält man innerhalb von zwei Tagen die Befähigung, Lachgas in der eigenen Praxis einzusetzen, und bekommt einen hochinteressanten Einblick in die Möglichkeiten moderner und sicherer Sedierungsformen in der Zahnheilkunde.

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