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Prophylaxe 20.12.2019

Back to Basic – Neuheiten in die Prophylaxesitzung integrieren

Anne Bastek
Anne Bastek
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Back to Basic – Neuheiten in die Prophylaxesitzung integrieren

Fast täglich begegnen uns im Praxisalltag neue Produkte, Hilfs­mittel und Dienstleister aus der Dentalbranche. Immer mehr Artikel kommen auf den Markt. Schnell kann man in diesem Produkt­dschungel den Überblick verlieren. Trotz dieser großen Auswahl sollten die Grundprinzipien und Patientenbehandlung stets im Vordergrund stehen. Für uns als Prophylaxeprofis bleibt es nicht aus, Neuheiten zu testen und zum Teil im Arbeitsablauf zu integrieren. Dieser Artikel soll an die Strukturen des Praxisalltags anknüpfen und daran erinnern, dass eine gute Basis unabdingbar ist.

Patienten achten inzwischen immer stärker auf ihre eigene Mundhygiene und nehmen mindestens einmal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung (PZR) und Prophylaxesitzung wahr. Für das Prophylaxepersonal ist es deshalb wichtig, ihre Patienten gut zu beraten und aufklären zu können. Dafür stehen ihm mittlerweile eine fast unbegrenzte Auswahl an Prophylaxeartikeln zur Verfügung. Dabei sollten allerdings Grundprinzipien und Bedürfnisse der Patienten als Kriterien herangezogen werden.

Grundlegender Ablauf einer Prophylaxesitzung

Die Patienten werden immer ins Behandlungszimmer begleitet. Nach dem Erstellen der Anamnese ist diese noch einmal zu prüfen und auch mit dem Patienten sowie dem behandelnden Zahnarzt zu besprechen. Die eigentliche Prophylaxesitzung beginnt dann mit der Desinfektion der Mundhöhle (0,2%ige Chlorhexidinspüllösung) sowie der oralen Kontrolle des Hart- und Weichgewebes. Danach wird der Mundhy­gienestatus des Patienten erstellt (z. B. Blutungs-/Plaque-Index). Die Indizes werden ausgewertet und mit dem Pa­tienten besprochen. Dabei ist es wichtig, auf eine verständliche und adressatengerechte Kommunikation zu achten. Im Anschluss erfolgt die PZR. Hier können bereits Instruktionen und Motivation erfolgen. Bei der Auswahl ist auf bedarfsgerechte Mundhygiene­hilfsmittel zu achten. Danach kann der Parodontale Screening Index (PSI) erstellt, ausgewertet und mit dem Patienten besprochen werden. Auch hier ist wieder auf eine verständliche ­Kommunikation zu achten. Abschließend wird Fluorid appliziert, alternierend kann hier mit Chlorhexidinprodukten gearbeitet werden. Vor dem Verabschieden des Patienten werden die entsprechenden Recall-Inter­valle festgelegt.

Strukturiertes Arbeiten

Basisabläufe können auch für Kolleginnen, die neu in die Prophylaxewelt eintauchen, eine Unterstützung bieten. Ein Leitfaden im Praxishandbuch schafft hier Abhilfe. Ist ein routiniertes Vorgehen gewährleistet, können gerne neue Produkte oder Geräte im Behandlungsablauf eingebaut werden. Hierbei sollten immer der Hygieneaspekt und der Patientenkomfort im Mittelpunkt stehen. Ein sehr wichtiger Teil bei einer optimalen Prophylaxesitzung ist die Motivation und Instruktion für die häusliche Zahnpflege. Die Patienten verlassen sich auf das Fachwissen des Fachpersonals und eine kompetente Beratung. Nur so ist es ihnen möglich, eine Verbesserung ihrer aktuellen Mundhygienesituation zu erhalten. Eine bedarfsgerechte Auswahl, aber vorrangig eine perfekte Handhabung der ausgewählten Produkte, sodass es auch häuslich gut umzusetzen ist, haben in einer prophylaxeorientierten Zahnarztpraxis einen hohen Stellenwert. Eine beliebte Praktik stellt hier die Tell–Show–Do-Methode dar. So kann Vertrauen geschafft sowie Professionalität und den Patienten damit ein gutes Gefühl vermittelt werden.

Praxistipp

  • Aufnahme von neuen Produkten, Hilfsmitteln oder Geräten erst im ­gesamten Team besprechen 
  • regelmäßige Team- und Prophylaxesitzungen
  • Schmerzempfindlichkeit, Geräuschempfinden, Geschmack, Wirksamkeit usw. an sich selbst testen
  • dafür nötiges Zeitmanagement prüfen

Unterschiedliche Blickwinkel 

Für die Patienten stehen genau diese Punkte im Vordergrund. Die Prophy­laxesitzung darf aus ihrer Sicht am besten nicht zu zeitintensiv oder schmerzhaft sein. Außerdem sollten die angewendeten Produkte gut schmecken/riechen und die Therapie letztendlich auch nicht zu teuer ausfallen. Für Behandler stehen allerdings ganz andere Auswahlkriterien im Vordergrund. Neuheiten sollten im Praxisalltag unterstützen und nach Möglichkeit einen „Vorteil“ sowohl für die Patienten als auch die Prophylaxeprofis sowie das vorhandene Konzept der Zahnarzt­praxis mit sich bringen. Das bedeutet, neue Prophylaxemedien müssen praktisch in der Umsetzung und Handhabung sein und wenig Zeitaufwand in der Pflege sowie Aufarbeitung nach sich ziehen. Zusätzlich muss die Integration der neuen Medien für alle im Team einfach umsetzbar sein und nach Möglichkeit zu einer Erleich­terung der Arbeitsabläufe führen.

Praxistipp

  • Bei der Auswahl neuer Hilfsmittel für die Praxis und ihr Prophylaxekonzept sind folgende Fragen zu klären:
  • Was ist zu beachten, bevor ­Neuheiten implementiert werden?
  • Was erhoffe ich mir davon und was sind die Ziele?
  • Wie hoch sind die Kosten für die Anschaffung?
  • Muss dadurch der Behandlungs­ablauf umstrukturiert werden?
  • Ist es im aktuellen Zeitmanagement gut umsetzbar?
  • Kann die Handhabung von allen Teammitgliedern gewährleistet werden?
  • Ist etwas in der Pflege oder Aufarbei­tung zu beachten?
  • Entstehen für den Patienten ­dadurch Mehrkosten?
  • Immer „up to date“ bleiben
  • Es gibt ganz einfache Wege, um sich in Sachen Prophylaxe und Mundhygiene als Praxismitarbeiterin immer auf dem neuesten Stand zu halten. Ein sehr bewährtes Mittel ist es, sich ein Netzwerk zu Kolleginnen aufzubauen, um eigene Erfahrungen auszutauschen oder Fragen zu klären (z. B. bei Stammtischen). Weiterhin können Fachzeitschriften gelesen, verschiedene soziale Medien genutzt und natürlich Dentalmessen oder Fortbildungen besucht werden (am besten als Team).

Fazit

Neue Produkte, Hilfsmittel und Geräte sollten sehr genau und mit Bedacht ausgewählt werden. So können sie im Praxisalltag unterstützen und die Therapie angenehm gestalten. Im Fokus stehen dabei immer die Behandlung und Bedürfnisse der Patienten. Am Ende muss gewährleistet sein, dass sie die bestmögliche Versorgung erhalten haben, denn nur so können sie mit einem guten Gefühl und strahlendem Lächeln verabschiedet werden.

Dieser Artikel ist im Prophylaxe Journal erschienen.

Foto Teaserbild: Drobot Dean – stock.adobe.com

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