Prophylaxe 30.07.2026
Der Zungenreiniger als Allrounder in der Prophylaxe
share
Die Zunge als Wohlfühlort für Bakterien
Häufig suchen Patienten mit Halitosis die zahnärztliche Praxis auf und fragen nach Ursachen und Therapie des unangenehmen Geruchs ihrer Ausatemluft. 85 Prozent der Ursachen von Mundgeruch haben ihren Ursprung in der Mundhöhle, 50 Prozent davon gehen von der Zunge aus.1 Bedingt durch Furchen und Papillen hat die Zunge eine irreguläre Oberfläche, an der sich abgestorbene Leukozyten, abgeschilferte Epithelzellen und Bestandteile der Nahrung ablagern.2, 3 Mit diesem idealen Nährboden ist es nicht verwunderlich, dass sich pro Epithelzelle der Zunge viermal so viele Bakterien ansammeln wie in allen anderen Bereichen der Mundhöhle.3 Einige dieser Bakterien spalten Eiweiße, wodurch Schwefelwasserstoff und Methanthiol entstehen.4 Diese sogenannten flüchtigen Schwefelverbindungen sorgen für den als unangenehm faulig wahrgenommenen Mundgeruch.2
Ein weiteres Bakterium, das vor allem auf dem Zungenrücken zu finden ist, ist Streptococcus mutans (S. mutans).5 Diese grampositiven und fakultativ anaeroben Kokken gelten als Hauptbakterien, die zur Kariesentstehung führen.3, 5
Funktionsweise und Vorteile des Zungenreinigers
Ein Zungenreiniger kann gegen diese Bakterien und ihre negativen Auswirkungen Abhilfe schaffen. Mit moderatem Druck des Reinigers auf den Zungenrücken und Zug von dorsal nach ventral lassen sich Zungenbelag entfernen und Bakterien reduzieren. In klinischen Studien konnte mithilfe eines solchen Zungenreinigers der Anteil an flüchtigen Schwefelwasserstoffen in der Atemluft um 75 Prozent reduziert werden.1 Im direkten Vergleich konnte die linguale Reinigung mithilfe einer konventionellen Zahnbürste nicht überzeugen. Bei Bürstenanwendung konnte lediglich ein Rückgang der Schwefelwasserstoffe um 45 Prozent verzeichnet werden.1, 6
In weiteren Studien konnte bei zweimal täglicher Anwendung über einen Zeitraum von einer Woche eine Reduktion der S. mutans-Kolonien im Speichel um 50 Prozent festgestellt werden.5, 7 Da bei geringerer S. mutans-Besiedlung das Kariesrisiko sinkt, könnte bei langfristiger Anwendung ein Rückgang neuer Kariesläsionen zu verzeichnen sein. Langzeitstudien zur genaueren Erforschung sind hierzu noch erforderlich.
In einer ergänzenden Studie wurden zusätzlich zu Schwefelverbindungen und Bakterien auch Entzündungswerte der Gingiva untersucht.8 Zungenreinigen konnte nachweislich die Botenstoffe IL-1β und IL-8 in der gingivalen Sulkusflüssigkeit reduzieren.8 Eine Senkung dieser Interleukine zeugt von einer verbesserten proinflammatorischen Cytokin-Antwort und einer Reduktion von Gingivitis bei den untersuchten Probanden.8
Den Zungenreiniger in der Zahnarztpraxis richtig einführen
Zusammengefasst führt die tägliche Zungenreinigung zu mehreren Benefits wie weniger Mundgeruch, wahrscheinlich niedrigerem Kariesrisiko und zu reduzierter Gingivitis.
Diese Vorteile sollten im klinischen Alltag auch den Patienten vermittelt werden, um zur Anwendung eines Zungenreinigers zu motivieren. Die Aufklärung kann beispielweise im Rahmen der professionellen Zahnreinigung oder auch bei der Mundhygieneunterweisung von Parodontitispatienten erfolgen. Auch im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen sollte bei auffälligem Zungenbelag, Gingivitis und geäußertem Halitosis-Problem eine Empfehlung für die linguale Reinigung ausgesprochen werden. Insbesondere die korrekte Anwendung des Zungenreinigers sollte den Patienten gezeigt und gemeinsam geübt werden, um den Würgereiz zu minimieren und die Akzeptanz des zusätzlichen Pflegeprodukts zu fördern.