Branchenmeldungen 23.11.2021

Wer haftet bei einer Legionelleninfektion?

Wer haftet bei einer Legionelleninfektion?

Foto: BLUE SAFETY

Worst-Case-Szenario: Ein*e Patient*in infiziert sich in der Praxis mit Legionellen oder Pseudomonaden. Und plötzlich drohen rechtliche Konsequenzen. Um dem effektiv vorzubeugen, gilt es, sich des eigenen Haftungsumfangs vollumfänglich bewusst zu sein. Hannes Heidorn, Syndikusrechtsanwalt von BLUE SAFETY, klärt auf.

Stillstände oder zu wenig Durchfluss in den Trinkwasserleitungen bringen verheerende Probleme mit sich: Wasser muss fließen, andernfalls bilden sich Biofilme und damit Brutstätten für Wasserkeime wie Legionellen und Pseudomonas aeruginosa. Eine Gefahr für die Gesundheit der Patient:innen, des Teams und Inhaber:innen. Hannes Heidorn, Experte für Trinkwasserrecht und Syndikusrechtsanwalt von BLUE SAFETY, zeigt auf, welche Konsequenzen aus mangelhafter Trinkwasserhygiene resultieren können.

Unabhängig von der Herkunft der Keime sind die Konsequenzen einer Kontamination mitunter fatal. „Infiziert sich ein:e Patient:in oder Mitarbeiter:in beispielsweise mit Legionellen, haftet je nach Situation der:die Betreiber:in der Trinkwasseranlage. Das kann Mieter:in, Vermieter:in oder Eigentümer:in der Räumlichkeiten und somit der zahnmedizinischen Einrichtung sein“, erklärt Hannes Heidorn. „Dann besteht das Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung wegen fahrlässiger Körperverletzung bzw. Tötung nach §§229, 222 StGB.“

Sowohl Geschädigte als auch ggf. Erben können dann Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld geltend machen. Darüber hinaus droht seitens der Behörde die vorübergehende Stilllegung der Behandlungseinheiten, bis das Trinkwasserproblem gelöst ist. Damit sind massive Umsatzeinbußen vorprogrammiert. Allein die aussagekräftige Laboranalyse dauert bis zu zehn Tage.

Was bleibt als Praxisbetreiber:in also zu tun, um frühzeitig vorzubeugen? Nur die penible Einhaltung von Hygienevorschriften und deren transparente Dokumentation führen zu Rechtssicherheit. Regelmäßige Wasserprobenahmen und -analysen helfen dabei, die hygienisch einwandfreie Trinkwasserqualität zu belegen oder im Zweifel eine Kontamination frühzeitig zu entdecken. Die Untersuchung auf Legionellen und andere Keime ist übrigens laut den Vorgaben der Trinkwasserverordnung Pflicht des Betreibers.

Ein weiterer wertvoller Tipp: Im Falle einer Legionellenkontamination für die Beweissicherung immer den Typ der Legionellen bestimmen lassen. Sollten Sie dann in Haftung genommen werden, kann dadurch unter Umständen ein Schadensersatzanspruch ausgeschlossen werden.

Das Thema Trinkwasserhygiene ist durch die Vielschichtigkeit in rechtlicher, wie mikrobiologischer und technischer Hinsicht äußerst komplex. Auf unserem YouTube-Kanal https://www.youtube.com/user/bluesafetydotcom finden Sie weitere spannende Themen rund um die Trinkwasserhygiene.

Hinweis: Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformation lesen.

Quelle: BLUE SAFETY

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