Businessnews 14.09.2017

„Das Bewusstsein für Wasserhygiene zu stärken, ist uns wichtig“

Antje Isbaner
Antje Isbaner
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„Das Bewusstsein für Wasserhygiene zu stärken, ist uns wichtig“

Foto: OEMUS MEDIA AG

Die Wasserhygiene in einer Zahnarztpraxis ist ein zentrales Glied einer geschlossenen Hygienekette. Die Wahrscheinlichkeit der Besiedlung von Mikroorganismen an den wasserführenden Systemen ist groß. Gerade deshalb darf laut Gesetz bei allen Anwendungen nur Wasser in Trinkwasserqualität in der Praxis verwendet werden. Genau dieser Problematik und den damit einhergehenden Risiken widmet sich das Medizintechnologieunternehmen BLUE SAFETY aus Münster in Westfalen. Seit 2010 bietet es rechtssichere Wasserhygiene für zahnmedizinische Einrichtungen an. Die Redaktion sprach mit den beiden Gründern und CEOs, Jan Papenbrock und Chris Mönninghoff, über ihr Wasserhygienekonzept, neue innovative Entwicklungen und die bisherige und zukünftige Unternehmensgeschichte.

BLUE SAFETY feierte in diesem Jahr sein siebenjähriges Bestehen. Lassen Sie uns noch einmal kurz auf die Unternehmensgeschichte zurückblicken – von der Idee bis zum Produkt.

Chris Mönninghoff: Wir, Herr Papenbrock und ich, sind beide sehr sportbegeistert und haben uns tatsächlich bei einem intensiven Fußballspiel kennengelernt. Herr Papenbrock hat als erfolgreicher Nationalschwimmer sich schon früh mit dem Thema Wasserqualität befasst. Ich selbst komme aus dem Kampfsport. Damals hätten wir nicht gedacht, dass wir gemeinsame Sache machen würden – und schon gar nicht, dass wir einmal eines der leistungsfähigsten Wasserhygienesysteme auf den Markt bringen würden.

In einer zahnmedizinischen Dissertation an der Universität Münster kam schon 2008 heraus, dass in den Wasserleitungen der ausgewählten und teilweise ISO-zertizierten Praxen im Mittelwert über 40.000 Bakterien pro Milliliter lebten. Neben der bereits existierenden Literatur zu den Themen Wasserstoffperoxid und Filter wurde uns damit einmal mehr klar, dass hier ein bisher ungelöstes Problem in der Wasserhygiene liegen musste. Die Zahnarztpraxen widmen sich im Rahmen ihrer Praxishygiene intensiv der Oberflächenhygiene und der Sterilisation der Instrumente, vernachlässigen jedoch die zu Verkeimung neigenden Wasserleitungen.

Jan Papenbrock: So entstand unsere Idee. Wir haben geschaut, wo es bei den gängigen Konzepten Entwicklungspotenzial gab. Es gelang uns, eine Technologie zu entwickeln und zur Anwendung zu bringen, die den Abbau und die dauerhafte Beseitigung von mikrobiologischem Biofilm (Bakterien) leistet. Sogar antibiotika- und desinfektionsmittelresistente Organismen werden sicher entfernt. Das ist unser SAFEWATER-Konzept. In den sieben Jahren haben wir unser Produkt mehrfach weiterentwickelt und auch zusätzliche Produkte in diesem Bereich auf den Markt gebracht. Am Anfang starteten wir beide mit dieser verrückten Idee und können heute schon eine Teamstärke von 24 Wasserexperten verzeichnen. Alles ist bei uns auf Wachstum ausgerichtet.

Was treibt Sie an?

Chris Mönninghoff: Ganz klar treibt uns der Anspruch auf hygienisch sauberes Wasser an. Unsere Mission ist es, Spezialisten im Bereich der Medizin, der Lebensmitteltechnologie und der Trinkwasserhygiene zu helfen, die Entstehung von Infektionen zu verhindern und die weitere Verbreitung von resistenten Bakterien zu stoppen. Auch in der Zahnmedizin wollen wir das Bewusstsein für Wasserhygiene vor allem in den geschlossenen Kreisläufen wie in den Dentaleinheiten schärfen. Es kann nämlich durchaus teuer werden, wenn man in diesem Bereich die Hygieneanforderungen vernachlässigt – von ernsthafteren gesundheitlichen Konsequenzen für die Patienten mal ganz abgesehen.

Jan Papenbrock: Die Grundintention unseres Unternehmens ist es, den Zahnärzten ein rechtssicheres System zur Infektionsprävention im Bereich der Wasserhygiene an die Hand zu geben. Hierfür haben wir bisher enorm investiert. Wir setzen mit unseren Produkten die durch MPG, RKI-Empfehlung, DIN- und ISO-Normen oder durch die Trinkwasserverordnung gemachten Vorgaben konsequent um.

Was ist die Grundlage des Systems?

Jan Papenbrock: Es handelt sich dabei um eine automatisierte Anlagentechnologie, mit welcher Biofilme und Bakterien mit minimalem Aufwand für das Praxispersonal und durch das tägliche Spülen aller Leitungen vor Praxisbeginn nachhaltig entsorgt und deren Neubildung verhindert werden können. Die komplette Hygienekette der Praxis oder Klinik wird damit vervollständigt.

Der Kundennutzen ist dabei offensichtlich. Durch den entstehenden Biofilmabbau haben die Praxen eine enorme Kostenersparnis. Mit unserer Wassertechnologie vermindern die Praxen den Verschleiß ihrer Behandlungseinheiten, indem sie chemisch induzierte Korrosionsprozesse verhindern. Verstopfte Hand- und Winkelstücke, teure Reparaturkosten und Ausfallzeiten bleiben dem Zahnarzt somit erspart.

Neben der Kostenreduktion können wir unseren Kunden auch die Erfolgsgarantie eines funktionierenden Systems geben und somit auch die Sicherheit für ihre Patienten.

Unsere gesamte Produktpalette haben wir für jede Praxisgröße und deren individuelle Bedürfnisse angepasst und bieten diese mit einem umfangreichen Dienstleistungspaket zum Festpreis an.

Unter dem Motto „Jeder Tropfen zählt“ haben Sie die Stiftung Water.Foundation gegründet. Was verbirgt sich hinter diesem Projekt und mit welcher Intention haben Sie es ins Leben gerufen?

Chris Mönninghoff: Ja, wir haben Ende letzten Jahres eine gemeinnützige Technologiestiftung, die Water.Foundation, gegründet. Unsere Wasserhygieneprodukte funktionieren eben nicht nur im Dentalbereich, sondern können auch anderweitig genutzt werden.

Die Aufgabe der Stiftung ist es nun, die Entwicklung und den Einsatz von Technologien für den Umwelt- und Trinkwasserschutz zu fördern, aber auch Wissenschaftlern und innovativen Unternehmen Mittel für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. In Mwanza, am Victoriasee in Tansania, werden wir ab Januar 2018 ein Projekt für 2.200 Menschen auf einer Insel umsetzen, um diesen sicheres und nicht mit dem Schistosomiasis-Erreger kontaminiertes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen. Im Grunde handelt es sich auch hierbei um ein modifiziertes Verfahren der SAFEWATER-Technologie.

Jan Papenbrock: Ein besonders wichtiges Projekt, das uns besonders am Herzen liegt, ist dabei das neueCharity-Wasser FRIEDENSWASSER, da es die Aktivitäten unserer Stiftung mitfinanzieren soll. Wir haben aufgrund unserer Erfahrungen in der Prozesshygiene und Lebensmitteltechnik, insbesondere der hygienischen Abfülltechnik von Getränken, unter anderem eine Wasserabfüllanlage gekauft. Mit einer weiteren technologischen Variante unserer SAFEWATER-Technologie werden wir in Münster für diesen gemeinnützigen Zweck das Wasser abfüllen.

Wie sieht die zukünftige strategische Ausrichtung Ihres Unternehmens aus? Welche Entwicklungen sind geplant?

Jan Papenbrock: Wir haben uns mit der Entwicklung der letzten Produktideen ganz klar der Medizintechnik zugewandt. Aber immer mit dem Fokus Hygiene und maximalem Kundennutzen. Ab Herbst 2017 starten wir mit unserem neuesten Medizinprodukt SAFEBOTTLE. Dieses System kommt bei bestehenden und bewährten Dentaleinheiten zum Einsatz, die bei ihrem jetzigen Betrieb gegen die Trinkwasserverordnung verstoßen würden und damit wieder rechtskonform betrieben werden können.

SAFEBOTTLE ist ein neuartiges Druckflaschensystem der neuesten Generation. Es ist sogar in der Lage, steriles Wasser zur Verfügung zu stellen. Einmal befüllt, reicht das Wasservolumen bequem für mehrere umfangreiche Präparationen oder Patientensitzungen. SAFEBOTTLE ist leicht zu bedienen und extrem robust. Besonders viel wert haben wir auf das BOTTLE-Design und die damit einhergehende Funktionalität gelegt. Die große Öffnung ermöglicht eine validierte Wiederaufbereitung der Wasserversorgungseinheit.

Ein weiteres Produkt wird SAFESOFT sein, eine neue und innovative Enthärtungsanlage speziell für die Zahnarztpraxis und Zahnklinik. Hierzu möchten wir aber noch nicht zu viel verraten.

Chris Mönninghoff: Unsere kurzfristige Strategie liegt ganz klar in der Präsenz und Aufklärung auch auf den kommenden Herbst-Dentalmessen. Auf der Fachdental in Leipzig am 22. und 23. September und auf den Herbstmessen in München, Stuttgart und Frankfurt am Main stehen wir für alle Wasserhygienefragen für unsere Interessenten bereit. Wer vorher eine Strategieberatung Wasserhygiene benötigt, weil das Gesundheitsamt Druck macht oder die Wasserproben schlecht waren, kann sich ohnehin jederzeit über unsere kostenfreie Servicehotline einen Termin mit einem Wasserhygienespezialisten vereinbaren.

Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

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