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Psychologie 18.01.2019

Labordschungel: Kommunikation als „Überlebensstrategie“

Stefan Häseli
E-Mail:
Labordschungel: Kommunikation als „Überlebensstrategie“

Vom machtvollen Führungs-Tiger bis zum überheblichen Vorgesetzten-Affen, vom stillen Faultier bis zum lautstarken Papagei, vom hochnäsigen Giraffen-Kollegen bis zur falschen Schlange – das zahntechnische Labor ist so etwas wie ein Mikro-Human-Biotop mit einer prähistorischen Dschungelatmosphäre im 21. Jahrhundert.

So unterschiedlich die Charaktere auch sind und die Rollen, in die wir schlüpfen – die Menschen im Labordschungel sind eine Schicksalsgemeinschaft. Anders als im grünen Original sind es keine Bäume und Sträucher, die um- und ineinander emporwachsen, sondern unzählige Persönlichkeiten, die sich manchmal auf engstem Raum aneinander reiben. Jeder Einzelne will einfach nur „überleben“, aber natürlich gibt es auch zahlreiche gemeinsame Ziele.

Vom aalglatten Kollegen bis zum Fledermaus-Chef

Da wurde schon häufig über den aalglatten Kollegen geredet, der immer sooo unglaublich nett ist, dass man kaum weiß, ob er auch eine andere Gesichtseinstellung als die einer analogen Uhr im Katalog (die grundsätzlich alle in 10-vor-10-Stellung liegen) hat. Von dem man keine Ahnung hat, was oder wie er gerade denkt. Oder der Chamäleon-Teamleiter, der immer genau das erzählt, was seinem Chef so passt. Und der Zahntechniker-Affe, der sich am Arbeitsplatz kommunikativ ständig auf seine Brust trommelt. Dazu kommen aber auch noch zeitgenössische Managementmodelle. Beispielsweise der Fledermaus-Laborchef: Ständig nachtaktiv zu später Stunde noch per E-Mail am Kostenvoranschlag schreiben, aber tagsüber mehr oder weniger rumhängen. Oder der Krokodil-Typ: Bis zum Hals im Dreck stecken, aber das Maul ganz groß aufreißen.

Paarung, Nahrung oder Warnung

Spaß beiseite – was wir kommunikativ wirklich von Tieren lernen können, ist folgendes Faktum: Kommunikation bei Tieren, sei es akustisch, über Körpersprache oder Düfte, hat immer ein Ziel – Paarung, Nahrung oder Warnung. Und am Schluss geht es stets nur um eines: Überleben. Tiere kommunizieren, um zu überleben. Sie tun es mit diesem klaren Fokus!

… oder warum im Dschungel Schweigen manchmal Sinn macht

Was tun wir Menschen so? Natürlich ebenfalls kommunizieren: im Labor, in der Kaffeeküche und auf dem Weg zur Mittagspause … akustisch, körpersprachlich und durchaus über Düfte. Aber mit welchem Ziel? Es muss ja nicht immer ums nackte Überleben gehen, es kann auch einfach angenehm sein. Aber der Gedanke, mit einem Ziel zu kommunizieren, hat aus meiner Sicht etwas. Es könnte helfen, sich klarer auszudrücken, sich zu überlegen, was man auf welche Art und Weise sagt ... oder vielleicht auch nicht sagt. Oder man kommt zum Schluss: Wenn es einmal kein Ziel gibt, kann ich durchaus auch schweigen ...

Für eine bessere Kommunikation im Labordschungel

Dschungel ist Biodiversität, wo sich Fauna und Flora auf vielseitigste Weise entwickeln und ergänzen. Und um uns in hiesige Lebensumstände anno 2019 zu beamen: Biodiversität und archaisches Leben finden durchaus auch in den Räumlichkeiten eines Dentallabors statt. Zum Glück sind die Zeiten, in denen wir einander physisch aufgefressen haben, vorbei. Im modernen Labordschungel heißt die „Überlebensstrategie“ schlichtweg Kommunikation. Einfacher gehts mit folgenden Eigenschaften:

1. Offenheit

Alles, was wir bisher gesehen und erlebt haben, prägt uns. Und unsere Vorurteile schränken uns ein. Dabei ist das Leben – im richtigen Dschungel wie im Labor – doch so unendlich vielfältig. Das ist gut so und ein hervorragender Grund, auf Unterschiede nicht nur zu achten, sondern ganz gezielt danach zu suchen und dadurch Neues, Spannendes und Interessantes zu entdecken. Unser Gegenüber hat eine Chance verdient, genau nicht so sein zu müssen, wie wir es erwarten! 

2. Präsenz

In Zeiten der digitalen Informationsflut und der medialen Ablenkungen laufen wir schnell Gefahr, alles nur noch „nebenbei“ zu erledigen. Die wenigen persönlichen Gespräche beschränken sich meist auf den wichtigsten Inhalt. Dabei gestaltet unsere Präsenz die Intensität und damit den Erfolg unserer Alltagskommunikation. Unterhalten wir uns tatsächlich wieder einmal von Angesicht zu Angesicht, sollten wir voll und ganz – sprich mit allen Sinnen – „da“ sein. Augen und Ohren, ja der ganze Körper sollte dem Gegenüber zugewandt sein, von den Gedanken ganz zu schweigen.

3. Interesse

Wir alle kennen das: Kaum hat einer etwas gesagt, erzählt bei der erstbesten Gesprächspause bereits ein anderer seine eigene Geschichte. Oft geht es uns selbst so, dass wir einen Gesprächsfetzen aufschnappen und schon loslegen. Klingt vielleicht komisch, ist aber so: Zuhören (und nicht sprechen!) ist die Königsdisziplin in der Kommunikation – vor allem im oft stressigen Laboralltag. Zeigen wir also ruhig öfter einmal ehrliches Interesse an unserem Gegenüber. Wir werden uns wundern, welch positive Auswirkungen das auf das Miteinander hat.

Apropos positiv … mit einem positiven Wort oder Satz sollte jedes Gespräch beginnen. Wer schon einmal im richtigen Dschungel war, weiß um die faszinierende Vielfalt der Laute und Geräusche. Aber der Ton macht eben auch im Labordschungel die Musik. Ein „Ich bin gerne bis 17 Uhr persönlich für Sie da“ ist inhaltlich gleich, aber doch ganz anders als „Ich bin dann ab 17 Uhr weg“.

Wer im Mikro-Human-Biotop genau hinhört, weiß, was Menschen bewegt. Und wer im täglichen Labordschungel mitschwimmt und -schwingt, ist Teil der Gemeinschaft. Hier wird sich nicht nur über Zahntechnisches, hier wird sich über das Leben unterhalten. Es ist die Entscheidung jedes Einzelnen, ob er nur überleben oder dazugehören will.

Dieser Beitrag ist in der ZT Zahntechnik Zeitung erschienen.

Foto: Robert Kneschke - Shutterstock.com
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