Branchenmeldungen 02.10.2026

Zahntechnik als Weg, nicht als Ziel

Perfektion, Leistungsdruck, Rückschläge und die Frage, wohin der eigene Weg führen soll: Für Kamil Adamik ist Zahntechnik weit mehr als präzises Handwerk. Zwischen analogen Grundlagen und digitalen Möglichkeiten hat der angehende Zahntechnikermeister eine klare Haltung zu seinem Beruf entwickelt. Was ihn antreibt, welche Erfahrungen ihn geprägt haben und warum auch Umwege wertvoll sein können, erzählt er in einem ganz persönlichen Erfahrungsbericht.

Zahntechnik als Weg, nicht als Ziel

Foto: OEMUS MEDIA AG

Vom Zahnarztwunsch zum­ ­Gysi-Sieger

Als ich im August 2021 meine Ausbildung bei Büker Zahntechnik in Dresden begann, war mein ursprünglicher Berufswunsch eigentlich ein anderer: Ich wollte Zahnarzt werden. Dennoch führte mich mein Weg zunächst in die Zahntechnik. Rückblickend war diese Entscheidung der Beginn einer Entwicklung, die mir gezeigt hat, wie vielseitig und persönlich prägend dieser Beruf sein kann.

Meine Ausbildung habe ich als mitunter sehr anstrengend erlebt. Gleichzeitig hatte ich das Glück, in einem Betrieb zu lernen, der Leistung forderte und belohnte. Besonders lagen mir das analoge Modellieren sowie der digitale Bereich. Im CAD/CAM-Umfeld inte­ressierte ich mich vor allem für die geführte Implantologie und die Verbindung von traditionellem Handwerk mit modernen digitalen Verfahren.

Eine der größten Herausforderungen war für mich der Konflikt zwischen meinem eigenen Perfektionismus und den Anforderungen des Arbeitsalltags. Im Labor zählen neben Präzision auch Zeit und Wirtschaftlichkeit. Diesen Ausgleich zu finden, fiel mir nicht immer leicht. Ich lernte jedoch, mit Rückschlägen umzugehen und aus Fehlern zu lernen.

Einen der prägendsten Momente erlebte ich kurz vor meiner Abschlussprüfung im 4. Ausbildungsjahr. Mein Chef Torsten Büker fragte mich, ob ich am Gysi-Wettbewerb 2025 des Verbands Deutscher Zahntechniker-Innungen teilnehmen möchte. Für die Vorbereitung arbeitete ich zwei Wochen lang täglich mehr als zehn Stunden. Tatsächlich den ersten Platz zu belegen, zeigte mir, dass sich Ausdauer und harte Arbeit auszahlen können. Gleichzeitig war der Erfolg eine Bestätigung dafür, dass die Zahntechnik zu mir passt.

Bild von einem Quotenzeichen

Eine der größten Herausforderungen war für mich der Konflikt zwischen meinem eigenen Perfektionismus und den Anforderungen des Arbeitsalltags.

Blick über den Tellerrand hinaus

Im Februar 2025 schloss ich schließlich meine Ausbildung ab. Danach stellte sich für mich die Frage, wie es weitergehen sollte. Mein fachliches Interesse lag weiterhin klar im digitalen Bereich, doch der Gesellen­abschluss sollte für mich nicht der Endpunkt sein. Orientierung gaben mir dabei vor allem mein Chef und Freunde, die mir halfen, Rückschläge nicht sofort als Zeichen für einen falschen Weg zu betrachten.

Im Februar 2026 erhielt ich über das europäische Förderprogramm Erasmus+ die Möglichkeit, einige Wochen im digitalen Dentallabor BananaCAD im österreichischen Kumberg nahe Graz zu arbeiten. Ich wollte neue Arbeitsweisen kennenlernen und erleben, wie Zahntechnik außerhalb meines gewohnten Umfelds funktioniert. Obwohl der Arbeitsalltag ähnlicher war als erwartet, lernte ich andere Abläufe und Herangehensweisen kennen. Fachlich konnte ich meine Fähigkeiten im digitalen Arbeiten erweitern. Vor allem nahm ich jedoch die Erkenntnis mit, dass Zahntechnik nicht überall gleich gedacht wird. Verschiedene Labore können dasselbe Ziel verfolgen und trotzdem ganz unterschiedliche Wege dorthin wählen.

Doing it my way

Mein eigenes Interesse liegt heute vor allem bei CAD/CAM und der geführten Implantologie. Trotzdem halte ich eine breite zahntechnische Grundlage für wichtig. Wer digital arbeitet, sollte auch die analogen Grundlagen verstehen. Ein Allrounder versteht die Zusammenhänge verschiedener Arbeitsschritte, während eine Spezialisierung besonders tiefes Wissen ermöglicht. Für mich liegt der sinnvollste Weg deshalb darin, zunächst eine breite Grundlage zu schaffen und darauf aufbauend eigene Schwerpunkte zu setzen.

Heute arbeite ich weiterhin in meinem Ausbildungsbetrieb und befinde mich auf dem Weg zum Meister. Ich möchte mich fachlich weiterentwickeln, Führungsaufgaben übernehmen und auch persönlich wachsen. Langfristig möchte ich innerhalb des Betriebs mehr Verantwortung übernehmen. Mein vielleicht wichtigstes Karriereziel lautet dabei mit einem Augenzwinkern: irgendwann im Büro auf der Fenster- statt auf der Türseite zu sitzen.

Rückblickend habe ich den Wert meiner eigenen Entwicklung manchmal unterschätzt. Auszubildenden und jungen Gesellen würde ich deshalb vor allem raten, dranzubleiben und sich von Rückschlägen nicht zu schnell entmutigen zu lassen. Mein beruflicher Weg war nie vollständig durchgeplant. Gerade dadurch konnte ich Erfahrungen sammeln und meine Ziele klarer entwickeln. „Der Weg ist das Ziel“ klingt vielleicht etwas abgedroschen, beschreibt meine bisherige Laufbahn aber ziemlich gut. Ausbildung, Gysi-Preis, Berufsalltag und Erasmus+ waren keine einzelnen Stationen, sondern Teile einer Entwicklung, die noch lange nicht abgeschlossen ist.

Meilenstein Gysi-Preis 2025

Der renommierte Nachwuchswettbewerb des Verbandes Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) wurde im vergangenen Jahr bereits zum 20. Mal verliehen. Wie immer bewertete eine unabhängige Jury anonym die eingereichten Arbeiten der Teilnehmer aus den drei Gruppen des 2., 3. und 4. Ausbildungsjahres. Mit seiner Einreichung zum Gysi-Preis 2025 (Foto links) sicherte sich ZT Kamil Adamik den Sieg in der Wettbewerbsklasse 4. Ausbildungsjahr. Das Foto rechts zeigt die Bestplatzierten des Gysi-Preises 2025 im 4. Ausbildungsjahr (v.l.n.r.): Ludger Wagner, Mitglied des VDZI-Vorstands und verantwortlich für den Bereich Bildung, Bronzesieger Paulo Epalanga, Zahntechnik Reil GmbH in Nabburg, Silberplatzierte Lea Schauerte aus der Dental Ästhetik Blumenstein in Arnsberg, Goldgewinner Kamil Adamik aus der Büker Zahntechnik Dresden GmbH sowie VDZI-Präsident Dominik Kruchen.

Autor: ZT Kamil Adamik

ZT Zahntechnik Zeitung 10/26

ZT Zahntechnik Zeitung


Dieser Beitrag ist in der ZT Zahntechnik Zeitung erschienen.

Die ZT Zahntechnik Zeitung ist das einzige unabhängige Zeitungsformat für Zahntechniker mit den Schwerpunkten Berufspolitik und Laborführung. Die branchenerfahrene Redaktion der ZT Zahntechnik Zeitung dokumentiert und interpretiert in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Technik und Service die Entwicklung des Dentalmarkts und gibt den Zahntechnikern wichtige Impulse für den Laboralltag, insbesondere für die strategische Positionierung im Wettbewerbsumfeld.

 

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