Wissenschaft und Forschung 04.11.2026

Kieferosteonekrosen: Berufserfahrung steigert die Sicherheit, nicht unbedingt das Wissen



Wie gut kennen sich Zahnärzte und Studierende mit medikamentenassoziierten Kieferosteonekrosen (MRONJ) aus? Eine Befragung der MedUni Innsbruck im DACH-Raum zeigt Unterschiede zwischen der eigenen Einschätzung und dem überprüften Wissen. Die bislang unveröffentlichten Ergebnisse liegen ZWP online exklusiv vorab vor.

Kieferosteonekrosen: Berufserfahrung steigert die Sicherheit, nicht unbedingt das Wissen

Foto: Viacheslav Yakobchuk – stock.adobe.com

Im Oktober vergangenen Jahres hatte ZWP online zur Teilnahme an einer Studie der Medizinischen Universität Innsbruck aufgerufen. Das Forschungsteam wollte herausfinden, wie gut Zahnärzte und Studierende über medikamentenassoziierte Kieferosteonekrosen (MRONJ) informiert sind, welche Erfahrungen sie damit haben und wie sicher sie sich im Umgang mit der Erkrankung fühlen. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Gruppen.

Im objektiven Wissenstest erreichten die Befragten durchschnittlich 45 Prozent der möglichen Punkte. Zahnärzte, die an einer Klinik tätig waren, schnitten dabei signifikant besser ab als niedergelassene Kollegen und Studierende im letzten Studienjahr. Zwischen Niedergelassenen und Studierenden im letzten Studienjahr zeigte sich hingegen kein signifikanter Unterschied.

Bei den Studierenden nahm das Wissen mit fortschreitendem Studium deutlich zu. Im Berufsalltag entwickelte sich dagegen vor allem die Selbsteinschätzung weiter. Mit zunehmender Berufserfahrung stiegen sowohl das subjektiv eingeschätzte Wissen als auch die Sicherheit im Umgang mit MRONJ signifikant an. Besonders ausgeprägt war dieser Zusammenhang bei niedergelassenen Zahnärzten. Ein entsprechender Zuwachs beim objektiv überprüften Wissen ließ sich mit steigender Zahl der Berufsjahre allerdings nicht nachweisen.

Anders sah es bei der Fortbildung aus. Wer regelmäßig an MRONJ-Fortbildungen teilnahm, erzielte bessere Ergebnisse im Wissenstest. Gleichzeitig offenbarte die Befragung konkrete Wissenslücken. Rund 60 Prozent der Teilnehmer kannten die Stadieneinteilung der American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons (AAOMS) nicht. Dieser Befund zeigte sich in allen untersuchten Gruppen gleichermaßen.

Auch bei den Medikamenten, die eine MRONJ auslösen können, gab es deutliche Unterschiede. Während Bisphosphonate und Denosumab von 95 beziehungsweise 92 Prozent der Befragten als mögliche Auslöser erkannt wurden, waren es bei Antiangiogenetika lediglich 43 Prozent. mTOR-Inhibitoren ordneten sogar weniger als sieben Prozent entsprechend ein. Eine gezielte Medikamentenanamnese gaben dagegen 90 Prozent der Teilnehmer an.

Das Forschungsteam empfiehlt deshalb, mit gezielten Fortbildungsangeboten insbesondere niedergelassene Zahnärzte zu erreichen. Dabei sollte neben der Vermittlung von Fachwissen auch die realistische Einschätzung der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten eine Rolle spielen.

Die wissenschaftliche Veröffentlichung der Studie ist nach Angaben des Initiators demnächst vorgesehen.

Quelle: Bislang unveröffentlichte Studienergebnisse, bereitgestellt von DDr. Philipp Ehrmann, Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Medizinische Universität Innsbruck.

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