Branchenmeldungen 28.10.2026
98. Jahrestagung der DGKFO: Wissenschaftliche Evidenz als Grundlage gesundheitspolitischer Entscheidungen
Neue gesetzliche Vorgaben
Das seit Ende Juli 2026 geltende GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht weitreichende Änderungen für die kieferorthopädische Versorgung vor. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) muss bis Ende 2027 die KFO-Richtlinien überprüfen und eine evidenzbasierte Indikations- und Kontraindikationsliste für Panorama- und Fernröntgenaufnahmen erstellen. Bis Mitte 2028 sollen die KFO-Leistungen außerdem zu vier Leistungskomplexen zusammengefasst werden. Für diese Entscheidungen ist wissenschaftliche Evidenz unverzichtbar. Grundlage sollte dabei stets die in den kieferorthopädischen Leitlinien zusammengestellte Evidenz sein1,2. Die Leitlinien geben wissenschaftlich basierte Empfehlungen für den Umfang und die Zeitpunkte diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen sowie zur Behandlungsnotwendigkeit.
„Die Kieferorthopädie hat eine erhebliche präventive Dimension, begleitet Kinder und Jugendliche während des Wachstums und kann dabei Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen. Dennoch ist die Kieferorthopädie von den Sparmaßnahmen im Zuge des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes betroffen“, sagte Prof. Dr. Dr. Peter Proff, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), in seinem Grußwort. „Diese Entwicklung könnte Auswirkungen auf die gesamte Zahnmedizin haben.“
Wissenschaftliches Programm: „Aesthetics Follows Function“
Wie wichtig eine solide wissenschaftliche Grundlage ist, zeigte sich nicht nur mit Blick auf die aktuellen gesundheitspolitischen Herausforderungen, sondern auch im wissenschaftlichen Programm der 98. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO). Unter dem Motto „Aesthetics Follows Function“ kamen vom 30. September bis 3. Oktober 2026 mehr als 2.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Jahrestagung der Gesellschaft in Baden-Baden zusammen, um aktuelle Forschungsergebnisse und Entwicklungen des Fachgebiets zu diskutieren. Die Tagungspräsidentin, Frau Prof. Dr. Angelika Stellzig-Eisenhauer, Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie in Würzburg, setzte mit den Schwerpunkten „Mythos Schönheit – messbar, beeinflussbar?“ und „Future Now – KI / 3D / Biotechnologie“ inhaltliche Akzente. In ihrem Grußwort unterstrich sie die Bedeutung des Zusammenspiels von Ästhetik und Funktion. Das wissenschaftliche Programm bot zudem Einblicke in neue Technologien und klinische Studien. Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der Kieferorthopädie präsentierten Ergebnisse aus der experimentellen und klinischen Forschung. Rund 700 Aussteller aus der Dentalindustrie begleiteten die 98. DGKFO-Jahrestagung.
Ehrenmedaille für Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke
Für ihre langjährigen Verdienste um den kieferorthopädischen Berufsstand wurde Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke im Rahmen der DGKFO-Jahrestagung mit der Rolf-Fränkel-Ehrenmedaille ausgezeichnet. Die vom Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden e. V. gestiftete Medaille würdigt das langjährige Engagement der Direktorin der Hamburger Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Eppendorf. Frau Prof. Dr. Kahl-Nieke war zudem die erste und bisher einzige Frau im Präsidentenamt der DGZMK.
Literatur
1 DGKFO, DGZMK: „Ideale Zeitpunkte und Maßnahmen der kieferorthopädischen Diagnostik“, Langfassung, Version 1.1, 2025, AWMF-Registriernummer: 083-050, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-050
2 DGKFO, DGZMK: „Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien“, Langversion 1.0, 2021, AWMF-Registriernummer: 083-038, https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/083-038.html