Branchenmeldungen 05.10.2026
Ärzte-Stimmung stürzt auf historischen Tiefstand
Treiber des Absturzes ist vor allem der massive Einbruch bei den wirtschaftlichen Erwartungen: Die Einschätzung der Entwicklung in den kommenden sechs Monaten verschlechterte sich gegenüber der vorherigen Erhebung um fast 35 Punkte.
Ein Alarmsignal, das die Politik nicht überhören sollte
„Wir erleben hier keine normale Schwankung mehr. Die Stimmung in den Praxen ist auf einem historischen Tiefpunkt angekommen“, sagt Prof. Dr. med. Dr. rer. pol. Konrad Obermann, Forschungsleiter der Stiftung Gesundheit. „Wenn ein seit mehr als 20 Jahren erhobener Indikator derart abstürzt, ist das ein Alarmsignal, das die Politik nicht überhören sollte.“
Die Unzufriedenheit wird vor allem beim Blick auf die Ursachen ersichtlich: 92,0 Prozent der Ärzte geben an, dass sich politische Entscheidungen, gesetzliche Regelungen und Vorgaben der Selbstverwaltung in den vergangenen drei Monaten negativ auf ihre Gesamtarbeitssituation ausgewirkt haben. Damit liegen Politik und Regulierung inzwischen mehr als 40 Prozentpunkte vor allen anderen abgefragten Belastungsfaktoren.
„Die Zahlen zeigen sehr deutlich, dass der Frust weit über einzelne Vergütungsfragen hinausgeht“, so Obermann. „Die angekündigten Reformen kommen nicht voran, gleichzeitig erleben die Ärzte immer neue Einzelmaßnahmen und regulatorische Eingriffe. Solange ein gemeinsames Ziel für die grundlegende Weiterentwicklung des Gesundheitswesens fehlt, wird es schwer sein, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.“
Negativrekorde in fast allen Fachgruppen
Der Stimmungseinbruch zieht sich durch nahezu alle betrachteten Fachgruppen. Am stärksten verschlechterte sich die Stimmung bei den Psychologischen Psychotherapeuten: Ihr Wert sank um 33,6 Punkte auf -48,3.
Bei den Fachärzten ging der Stimmungswert um 25,7 Punkte auf -51,5 zurück. Ähnlich drastisch ist die Entwicklung bei den Hausärzten: Mit einem Minus von 25,2 Punkten erreichen sie einen Wert von -55,6 und bilden damit das Schlusslicht unter den betrachteten Fachgruppen.
Vergleichsweise moderat fiel der Rückgang bei den Zahnärzten aus. Ihre Stimmung sank um 8,9 Punkte auf -36,4. Damit sind sie derzeit die am wenigsten pessimistische der vier betrachteten Gruppen.