Branchenmeldungen 09.09.2026
FVDZ Bayern kritisiert die neue S2k-Leitlinie zur Wasserqualität in Dentaleinheiten
Die Leitlinie folgt in weiten Teilen der alten Fassung und reagiert lediglich auf gesetzliche Änderungen wie die novellierte Trinkwasserverordnung 2023 und die EU‑Medizinprodukteverordnung. Eigene neue Standards oder innovative Hygienekonzepte fehlen. Damit bleibt die Leitlinie reaktiv statt zukunftsorientiert.
Besonders kritisch sieht der FVDZ Bayern die Empfehlung, neben den klassischen Trinkwasserparametern künftig auch Pseudomonaden und vergrünende Streptokokken zu untersuchen. Diese zusätzlichen Indikatorkeime mögen hygienisch sinnvoll sein, führen aber zu deutlich höheren Kosten für die Betreiber:
- zusätzliche Laboranalysen
- umfangreichere Probenentnahmen
- mehr Dokumentationsaufwand
- mögliche Sanierungsmaßnahmen bei Auffälligkeiten
Für viele Praxen bedeutet das eine spürbare finanzielle Mehrbelastung, insbesondere, weil die Leitlinie keine klaren Konsequenzen oder Maßnahmenkataloge für den Nachweis dieser Keime formuliert.
Zwar betonen die Autoren der Leitlinie selbst, dass sie rechtlich nicht bindend sei. In der Praxis wird sie jedoch von Gesundheitsämtern, Aufsichtsbehörden und Hygienekontrolleuren als Maßstab herangezogen. Damit entsteht eine faktische Verbindlichkeit, die Zahnarztpraxen kaum ignorieren können. Die Folge: Empfehlungen werden zu Anforderungen und Anforderungen werden zu Kostenfaktoren.
Gerade kleinere Praxen trifft dies besonders hart, da die Leitlinie umfangreiche Spül‑, Prüf‑ und Dokumentationsprozesse vorsieht, die personell und finanziell kaum zu stemmen sind. Fazit: Mehr Belastung, wenig Nutzen.
Die neue S2k‑Leitlinie schafft keine echte Weiterentwicklung der Wasserhygiene in Dentaleinheiten. Stattdessen erhöht sie den bürokratischen Druck, steigert die Kosten für mikrobiologische Prüfungen und bleibt inhaltlich konservativ.
An der Leitlinie war u.a. die Bayerische Landeszahnärztekammer, vertreten durch den Referenten für Praxisführung, Dr. Frank Hummel, beteiligt.