Branchenmeldungen 20.08.2026

Internationale Fachwelt diskutiert beim mectron Spring Meeting 2026

MECTRON – Wie lassen sich die biologischen und chirurgischen Voraussetzungen für langfristig stabile Implantatversorgungen weiter verbessern? Dieser Frage widmete sich das mectron Spring Meeting 2026 am 19. Juni in der eindrucksvollen Kulisse des Palazzo Franchetti in Venedig.

Internationale Fachwelt diskutiert beim mectron Spring Meeting 2026

Foto: mectron

Unter dem Leitmotiv „Extraktion, Regeneration, Periimplantitis: Die Reise des Chirurgen?“ diskutierten international anerkannte Experten aktuelle Konzepte rund um atraumatische Zahnentfernung, Alveolarknochenerhalt, regenerative Verfahren und das Management periimplantärer Erkrankungen. Eine zentrale Rolle spielte dabei die von mectron entwickelte PIEZOSURGERY®-Technologie.

Mehr als 120 internationale Teilnehmer erlebten ein wissenschaftlich dichtes Programm, das klinische Erfahrungen, aktuelle Studienergebnisse und zukunftsweisende chirurgische Ansätze miteinander verband. Das alle drei Jahre stattfindende Spring Meeting wurde von Prof. Dr. Mauro Labanca als Chairman moderiert. Nach der Eröffnung durch Dr. Tomaso Vercellotti, den Erfinder der Piezochirurgie, nahmen die Referenten das Publikum mit auf eine fachliche Reise durch die entscheidenden Etappen der Implantattherapie: von der Beurteilung der individuellen Ausgangssituation über Extraktion und Regeneration bis zur Prävention und Therapie der Periimplantitis.

Atraumatische Extraktion als Grundlage stabiler Ergebnisse

Dr. Tomaso Vercellotti stellte die Bedeutung einer möglichst schonenden Zahnentfernung für den Erhalt der knöchernen Strukturen heraus. Seine zentrale Botschaft: Die Bewahrung der krestalen Breite ist ein wesentlicher Faktor für ein stabiles implantologisches Ergebnis. Der kombinierte Einsatz piezochirurgischer und manueller Instrumente könne zahlreiche Extraktionen im Praxisalltag vereinfachen. Bei anatomisch anspruchsvollen Situationen, beispielsweise bei ektopisch gelegenen Zähnen oder dritten Molaren, könne dagegen eine vollständig piezochirurgische Vorgehensweise den entscheidenden klinischen Unterschied ausmachen.

Darüber hinaus gab Vercellotti einen Ausblick auf neue PIEZOSURGERY®-Instrumente für die Syndesmotomie. Ihr schmaleres und längeres Design ermöglicht einen tieferen Zugang entlang der Zahnwurzel und unterstützt damit eine noch gewebeschonendere Mobilisation. Die vorgestellten Instrumente verdeutlichten, dass eine kontrollierte Extraktion nicht nur den unmittelbaren Eingriff betrifft, sondern bereits wichtige Voraussetzungen für die nachfolgenden regenerativen und implantologischen Schritte schafft.

Dr. Jason Motta-Jones vertiefte dieses Thema anhand einer vollständig piezoelektrischen Technik zur Wurzel- und Weisheitszahnentfernung. Nach den präsentierten Erfahrungen kann das Vorgehen insbesondere die Entfernung dritter Molaren beschleunigen. Zugleich ordnete Motta-Jones die Datenlage differenziert ein: Da bisherige Ergebnisse unter anderem auf Untersuchungen mit erfahrenen Operateuren und jungen Patientengruppen beruhen, seien weitere randomisierte und möglichst multizentrische Studien sinnvoll.

Osteoimmunologie und Regeneration zusammendenken

Dr. Joseph Choukroun spannte in seinem Vortrag zur Osteoimmunologie einen weiten Bogen von der individuellen Patientensituation bis zu biologisch orientierten Regenerationskonzepten. Er erläuterte, dass die Osseointegration mit einer Immunreaktion und damit auch mit entzündlichen Prozessen beginnt. Für die Vorhersagbarkeit des Behandlungserfolgs seien deshalb nicht allein die chirurgische Technik, sondern ebenso systemische Erkrankungen, individuelle Risikofaktoren und die immunologische Ausgangssituation von Bedeutung.

Zu den diskutierten Themen gehörten unter anderem Diabetes, Rauchen, Vitamin D, Azithromycin, entzündungsarme Biomaterialien, Open Wound Healing und das PRF Ocean Protocol. Die Ausführungen machten deutlich, dass moderne Regenerationskonzepte zunehmend über eine rein mechanische Betrachtung hinausgehen. Chirurgische Verfahren, Biomaterialien und patientenbezogene biologische Faktoren müssen vielmehr als Bestandteile eines abgestimmten Gesamtkonzepts verstanden werden.

Prof. Dr. Dr. Dr. Shahram Ghanaati griff diesen interdisziplinären Ansatz bei der Betrachtung des Covered Socket Residuums nach Zahnextraktionen auf. Dieses neue klinische Konzept beschreibt das Phänomen einer unvollständigen Knochenheilung im Alveoleninneren. Unter einer dünnen mineralisierten Knochenschicht besteht dabei ein oft unverkalkter und weichgewebshaltiger Hohlraum, der meist die Spätfolge eines Kollabierens der Alveole darstellt. Mit dem Arena-Protokoll stellte er einen Ansatz zu dessen Vermeidung vor, der eine sorgfältige Diagnostik, ein konsequentes chirurgisches Débridement und – bei entsprechender Indikation – eine medikamentöse Begleitung umfasst.

Auch PRF könne im Rahmen einer geeigneten Guided-Open-Wound-Healing-Strategie eine Rolle übernehmen. Ghanaati verwies jedoch zugleich auf bestehende Limitationen dieses Ansatzes zur gesteuerten offenen Wundheilung und den Bedarf an weiterführenden wissenschaftlichen Daten. Damit unterstrich er einen Aspekt, der sich durch das gesamte Meeting zog: Neue klinische Konzepte eröffnen vielversprechende Möglichkeiten, erfordern jedoch eine differenzierte Bewertung und kontinuierliche wissenschaftliche Überprüfung.

Periimplantitis: Prävention, Dekontamination und realistische Prognosen

Prof. Dr. Mauricio Araújo widmete sich den Voraussetzungen für Sofort- und Spätimplantationen sowie aktuellen Strategien bei der Diagnose und Behandlung der Periimplantitis. Anhand wissenschaftlicher Daten zeigte er, dass frühe Implantatmisserfolge und ein reduziertes marginales Knochenniveau als relevante Risikofaktoren für ein späteres Therapieversagen betrachtet werden müssen.

Araújo betonte zudem, dass das Erreichen vorhersagbarer und erfolgreicher Ergebnisse weiterhin eine Herausforderung darstellt, was vor allem an der Schwierigkeit der Dekontamination der Implantatoberfläche liegt. Anschließend stellte er einen neuen therapeutischen Ansatz vor, basierend auf seiner jüngsten Studie zu diesem Thema: das PSP-Protokoll, das auf großes Interesse stieß. Dieses strukturierte Protokoll kombiniert eine Sequenz von Instrumenten – darunter Ultraschallspitzen und Glycin-Pulverstrahlgeräte, die über ein multifunktionales Ultraschallgerät zum Einsatz kommen – zur Dekontamination der Implantatoberfläche. Die Ergebnisse der klinischen Studie zeigten, dass mit diesem Protokoll eine nahezu vollständige Dekontamination der Implantatoberfläche von über 90 % erreicht werden kann.

Eine gemeinsame Round-Table-Diskussion führte die zentralen Erkenntnisse des Tages zusammen und bot den Teilnehmern Gelegenheit, offene Fragen mit den Referenten zu erörtern. Die Beiträge des mectron Spring Meetings 2026 machten deutlich, wie eng atraumatische Extraktion, biologische Regeneration und ein differenziertes Management periimplantärer Erkrankungen miteinander verknüpft sind. Für Zahnärzte und chirurgisch tätiges Fachpersonal ergibt sich daraus ein klarer Impuls: Eine möglichst vorhersagbare Implantattherapie beginnt bereits vor der Extraktion und erfordert über sämtliche Behandlungsschritte hinweg die konsequente Einbeziehung chirurgischer, biologischer und patientenbezogener Faktoren.

Weitere Informationen zu mectron und PIEZOSURGERY® finden Interessierte unter www.mectron.de. Aktuelle Fortbildungen und Veranstaltungen sind unter https://discover.mectron.com/de/veranstaltungen/ zu finden.

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