Branchenmeldungen 31.08.2026
Vom Architekturbüro zum Innovationszentrum
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Die Dentalbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Digitale Datenerfassung wie IOS und Facescan, CAD/CAM-Technologien, Implantatplanung, Digital Smile Design und KI-basierte Anwendungen verändern die Zusammenarbeit zwischen Zahnarztpraxis und Dentallabor. Für Kimmel Zahntechnik und com4Dent war diese Entwicklung Anlass, einen Ort zu schaffen, an dem prothetische Produkte nicht nur produziert, sondern auch neue digitale Workflows entwickelt, erprobt, geschult und in die tägliche Praxis überführt werden können. Im Gewerbegebiet von Bad Kreuznach ist so ein neues Innovationszentrum entstanden, das Produktion, Planung, Prozessentwicklung und Weiterbildung miteinander verbindet.
Zwei Unternehmen, ein gemeinsamer Standort
Das Innovationszentrum wird von zwei eigenständigen Unternehmen geprägt. Die Kimmel Zahntechnik GmbH aus Koblenz feierte im vergangenen Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum und ist heute mit rund 130 Mitarbeitern an sechs Standorten vertreten. Der Schwerpunkt des neuen Standorts liegt auf Planung, Konstruktion und der Weiterentwicklung digitaler zahntechnischer Fertigungsprozesse.
Die com4Dent GmbH nutzt am gleichen Standort eigene, separat angemietete Räumlichkeiten. Das Unternehmen arbeitet unabhängig von Dentallaboren und der Dentalindustrie und konzentriert sich auf die Beratung und Umsetzung digitaler Prozesse. Dazu gehören unter anderem die herstellerunabhängige Beratung rund um Intraoralscanner, die Einführung digitaler Workflows in den Praxisalltag, Einweisungen und individuelle Schulungen in Zahnarztpraxen, Workshops und Seminare rund um das Thema Intraoralscan und Digitaler Workflow. Zunehmend gehören auch Dentallabore zum Kundenstamm von com4Dent, die ihre Zahnarztkunden zum Thema Intraoralscan aufklären und sie bei der Entwicklung und Implementierung digitaler Workflows unterstützen möchten.
Die räumliche Nähe beider Unternehmen ist dabei bewusst gewählt: Sie ermöglicht einen direkten fachlichen Austausch, ohne die unternehmerische Eigenständigkeit aufzugeben.
Vom Büro zum digitalen Dentallabor
Bei der Suche nach den neuen Räumlichkeiten ging Kimmel Zahntechnik bewusst einen ungewöhnlichen Weg. Gesucht wurden nicht die klassischen Gewerbeflächen, die bereits für ein Dentallabor vorgesehen waren. Stattdessen fiel die Entscheidung gezielt auf Büroräume. Gefunden wurde ein ehemaliges Architektenbüro im Gewerbegebiet von Bad Kreuznach.
Die Räume boten damit keine fertige Lösung, sondern die Möglichkeit, das Labor von Grund auf neu zu denken. In einem intensiven viertägigen Workshop wurde gemeinsam mit einem Lean- und Prozessmanager analysiert, wie ein moderner zahntechnischer Betrieb zukünftig funktionieren kann. Arbeitsabläufe, Wege, Schnittstellen, prothetische Produkte und Produktionsprozesse wurden hinterfragt und neu definiert.
Dabei ging es nicht darum, bestehende Abläufe lediglich in neue Räume zu übertragen. Vielmehr sollte der gesamte Prozess möglichst effizient gestaltet werden. Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Arbeitsabläufe standardisiert, Wege reduziert und Mitarbeiter gezielt eingesetzt werden können.
Aus dieser Planung entstand innerhalb von rund vier Monaten Umbauzeit ein modernes Zentrum für digitale Zahnmedizin und Zahntechnik.
Effizienz als Bestandteil der Qualität
Ein wesentlicher Bestandteil des neuen Konzepts ist die bewusste Auswahl der Produkte und Prozesse. Nicht alles, was technisch möglich ist, wird automatisch in Bad Kreuznach umgesetzt. Stattdessen wurden Produkte und Abläufe ausgewählt, die sich sinnvoll digitalisieren und effizient in den Laboralltag integrieren lassen.
Das Labor soll zukünftig insbesondere über Intraoralscans bedient werden. Aus den digitalen Datensätzen werden die weiteren Workflows abgeleitet – von der Planung und Konstruktion über Fertigung und Individualisierung. Damit verändert sich auch die klassische Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor.
Das Ziel ist dabei ausdrücklich nicht, Zahntechnik lediglich schneller zu machen. Effizienz darf nicht zulasten der Qualität gehen. Die digitalen Prozesse müssen vielmehr Ergebnisse liefern, die dem Qualitätsanspruch des deutschen Zahntechniker-Handwerks entsprechen und mit etablierten analogen Verfahren vergleichbar sind.
Die Schnittstelle zwischen Praxis und Labor
Genau an dieser Schnittstelle setzt com4Dent an. Die digitalen Prozesse sollen nicht isoliert im Labor funktionieren, sondern gemeinsam mit den Zahnarztpraxen entwickelt und umgesetzt werden.
In den eigenen Räumlichkeiten am Standort wird com4Dent künftig Workshops und Scan-Seminare durchführen. Zahnärzte und ihre Praxisteams erhalten dabei die Möglichkeit, nicht nur verschiedene Intraoralscanner und digitale Technologien kennenzulernen, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen eines Dentallabors zu werfen.
Denn eine gute digitale Zusammenarbeit beginnt bereits bei der Datenerfassung. Praxisteams sollen verstehen, welche Informationen Zahntechniker für ihre Arbeit benötigen, welche Arbeitsunterlagen sinnvoll sind, welche Systeme und Materialien zum Einsatz kommen und wie sich die Qualität der Scan-Daten auf den gesamten weiteren Workflow auswirkt.
com4Dent begleitet diese Prozesse von der Beratung und Einweisung über die praktische Schulung bis zur Implementierung in der Zahnarztpraxis. Die entwickelten Workflows werden definiert, dokumentiert und gemeinsam mit den Teams trainiert.
Neue Technologien, neue Workflows
Im Innovationszentrum sollen künftig unterschiedliche digitale Technologien miteinander verbunden werden. Dazu gehören unter anderem Intraoralscan, Face Scan, Digital Smile Design, Aligner, Implantatplanung, digitale Funktionsanalyse, und andere KI-gestützte Anwendungen. Entscheidend ist dabei nicht die einzelne Technologie, sondern ihr Zusammenspiel innerhalb eines durchgängigen Workflows. Thema: Daten-Matching/„virtueller Patient“.
Ein Beispiel dafür ist der bereits etablierte voll digitale Workflow für Totalprothesen. Dabei wird die Funktionsabformung mit dem Intraoralscanner erfasst. Nach der digitalen Planung erfolgt eine Monoblock-Anprobe in der Praxis, bei der die Konstruktion überprüft und gegebenenfalls eingeschliffen werden kann. Anschließend werden Prothesenbasis und Zahnkranz gefräst und miteinander verbunden.
Durch die digitale Prozesskette lassen sich Praxistermine reduzieren und zahntechnische Arbeitsschritte effizienter gestalten. Gleichzeitig bleibt der Anspruch bestehen, die Qualität und Funktion des fertigen Produkts auf dem Niveau bewährter analoger Verfahren zu halten.
Vom Innovationszentrum zum Entwicklungszentrum
Das neue Zentrum soll jedoch nicht bei der Anwendung bestehender Technologien stehen bleiben. Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist die Entwicklung neuer Prozesse und Fertigungstechnologien.
Insbesondere additive Fertigungsverfahren sollen dabei eine zentrale Rolle spielen. Ziel ist es, neue prothetische Produkte zu entwickeln, deren Fertigung durch additive Technologien wirtschaftlich und qualitativ sinnvoll umgesetzt werden kann.
Dafür braucht es Zeit: Neue Produkte und digitale Workflows entstehen nicht auf Knopfdruck. Sie müssen entwickelt, getestet, angepasst und im praktischen Alltag validiert werden. Genau dafür bietet das Innovationszentrum die notwendigen räumlichen und technischen Voraussetzungen.
Tag der offenen Tür: großes Interesse aus der Region
Am 28. August 2026 öffneten com4Dent und Kimmel Zahntechnik erstmals offiziell die Türen des neuen Innovationszentrums. Zum Tag der offenen Tür waren Kooperationspartner, Kunden, Freunde und zahlreiche weitere Gäste aus der regionalen Wirtschaft und Politik eingeladen.
Das Interesse war groß und das neue Konzept wurde sehr positiv aufgenommen. Die Besucher konnten verschiedene Stationen durchlaufen, sich über digitale Technologien, zahntechnische Prozesse und moderne Materialien informieren und mit den Verantwortlichen und Mitarbeitern ins Gespräch kommen.
Auch Vertreter der regionalen Politik machten sich vor Ort ein Bild. Dr. Claudia Eider, Mitglied des Landtags, der Oberbürgermeister der Stadt Bad Kreuznach, Emanuel Letz, und der Abgeordnete Christoph Anheuser besuchten das Innovationszentrum und informierten sich über das Konzept, die Entwicklung des Standorts sowie die Bedeutung von Digitalisierung und Fachkräftesicherung für die regionale Wirtschaft.
„Solche Betriebe sind wichtig für unseren Wirtschaftsstandort: Sie verbinden Handwerk, Digitalisierung und Innovation, bieten qualifizierte Arbeitsplätze und zeigen, wie modern Mittelstand in Bad Kreuznach sein kann“, sagte OB Letz.
Ein Blick in die Zukunft
Mit dem neuen Innovationszentrum wollen Kimmel Zahntechnik und com4Dent einen Ort schaffen, an dem die digitale Entwicklung der Zahntechnik praktisch vorangetrieben wird. Neue Workflows sollen hier entstehen, bestehende Prozesse weiterentwickelt und Zahnarztpraxen auf dem Weg in die digitale Arbeitswelt begleitet werden.
Dabei steht ein Gedanke im Mittelpunkt: Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss Prozesse verbessern, die Zusammenarbeit zwischen Praxis und Labor erleichtern und gleichzeitig eine gleichbleibend hohe zahntechnische Qualität gewährleisten.
Bad Kreuznach soll damit zu einem Ort werden, an dem digitale Zahntechnik nicht nur gezeigt, sondern tatsächlich entwickelt, getestet, gelehrt und in den Praxisalltag gebracht wird. Die Eröffnung war dafür lediglich der erste Schritt. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.
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