Branchenmeldungen 03.11.2008

Medizinstudium: Der Bologna-Prozess rückt näher

Medizinstudium: Der Bologna-Prozess rückt näher

Foto: © Shutterstock.com

Der so genannte Bologna-Prozess erfasst in den EU-Ländern zunehmend auch das medizinische und zahnmedizinische Studium. Vorreiter mit einem zweigestuften System sind Belgien, Dänemark, die Niederlande und Portugal. Noch ist das deutsche System ausgenommen.

Das deutsche Medizin- beziehungsweise Zahnmedizinstudium wurde von den Reformbemühungen bislang ausgenommen aus Sorge, das Stufenmodell könne zu einer Schmalspurausbildung führen.

Peter Zervakis, Leiter des Bologna-Zentrums der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), hält die Befürchtung für unberechtigt: "Niemand will den Bachelor-Arzt. Wünschenswert ist hingegen, dass nach einem Bachelor Alternativen zum klassischen Arztberuf eröffnet werden, die effektiv auf eine Tätigkeit im Gesundheitswesen vorbereiten."

Der Bachelor sei als erster berufsqualifizierender Abschluss zum Medizinstudium gedacht und befähige entweder zum Weiterstudium in der Medizin oder anderer verwandter Fächer. "Denn es ist unbestreitbar, dass viele Absolventen nach ihrem langen und teuren Studium nicht ärztlich tätig werden", sagt Zervakis.

Vorbild für eine Reform des Medizinstudiums in Deutschland könnte nach Meinung von Fachleuten das Schweizer Modell sein. Dies wurde auf einer von der HRK veranstalteten internationalen Tagung Mitte Oktober in Berlin deutlich. Die Berliner Charité und die Ruhr-Universität Bochum hätten bereits Pläne für ein praxistaugliches Bachelor- beziehungsweise Mastermodell mit nachgelagertem Staatsexamen in der Schublade, so Zervakis.

In Belgien, Dänemark, die Niederlande und Portugal können sich Mediziner bereits zum Bachelor (Portugal: Licentiate in Health Science; französischsprachige Gemeinschaft Belgiens: Candidat en Science Naturelles et Médicales) oder zum Master ausbilden lassen. Auch die Schweiz setzt auf ein flexibles Curriculum. Das Staatsexamen ist hier aber weiterhin Voraussetzung für die Ausübung des Arztberufs.

Ziel des Bologna-Prozesses ist es, einen europäischen Hochschulraum mit vergleichbaren Abschlüssen auf unterschiedlichen Niveaustufen (Bachelor, Master, Doktorat) zu schaffen, um die Mobilität der Studierenden innerhalb Europas zu fördern. Zu diesem Ziel hatten sich im Juni 1999 29 europäische Staaten verpflichtet.

Quelle: zm-online, 3.11.2008


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