Wissenschaft und Forschung 13.04.2011
Mediziner folgen selten eigenen Ratschlägen
Viele Mediziner empfehlen ihren Patienten Behandlungen, die sie bei sich selbst nicht anwenden würden.
Wissenschaftler der Duke University ersuchten fast 1.000 amerikanische Ärzte, sich über
ein medizinisches Szenario Gedanken zu machen und eine entsprechende
Form der Behandlung auszuwählen. Als die Mediziner sich vorstellten
sollten, sie selbst seien die Patienten unterschieden sich ihre
Antworten deutlich von den vorhergehenden.
Sie wählten viel eher einen Behandlungsansatz aus, bei dem das
Sterberisiko zwar höher aber auch die Chancen auf ein Überleben ohne
Nebenwirkungen größer waren. Für ihre Patienten bevorzugten die Ärzte
eher eine Behandlung, bei der die Überlebenschancen größer waren. Die
Lebensqualität spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Standen zum
Beispiel zwei Operationen zur Behandlung von Darmkrebs zur Auswahl,
entschieden sich zwei Fünftel der 242 Ärzte für den chirurgischen
Eingriff mit der höheren Wahrscheinlichkeit eines Todes aber einer
geringeren Wahrscheinlichkeit von negativen Nebenwirkungen. Bei den
Patienten entschied sich nur ein Viertel für diese Möglichkeit.
Komplikationen zu vermeiden
Bei einem anderen Szenario wurde angenommen, dass entweder die Ärzte
selbst oder ein Patient mit Vogelgrippe angesteckt worden war. Ihnen
wurde gesagt, es gebe ein Medikament und ohne Behandlung liege die
Wahrscheinlichkeit des Todes bei zehn Prozent und der Einlieferung in
ein Krankenhaus bei 30 Prozent. Die Behandlung würde die Anzahl der
unerwünschten Zwischenfälle zwar halbieren, jedoch sei bei einem Prozent
mit dem Tod der Patienten und bei vier Prozent mit einer permanenten
Lähmung im neurologischen Bereich zu rechnen. Von fast 700 Ärzten
entschieden sich, wenn sie selbst betroffen waren, zwei Drittel gegen
die Behandlung, um Komplikationen zu vermeiden. Bei den Patienten
empfahlen sie nur in der Hälfte der Fälle, auf eine Behandlung zu
verzichten.
Das Team um Peter Ubel betonte, dass Ärzte für sich andere
Entscheidungen treffen als für die Patienten. Unklar bleibt, wie eine
Entscheidung für einen Behandlungsansatz am besten getroffen werden
kann. Soll sich der Arzt in die Lage des anderen versetzen oder nicht?
Ärzte werden laut BBC heute eher nicht dazu motiviert, ihre persönliche
Meinung zu sagen. Erwünschter ist, dass sie die relevanten Informationen
weitergeben und der Patient selbst entscheidet. Die Wissenschaftler
betonen allerdings, dass die Ergebnisse dieser Studie nicht bedeuteten,
dass die Ärzte für andere immer die besseren Entscheidungen als für sich
selbst träfen. Es sei bestenfalls davon auszugehen, dass unter
bestimmten Umständen, eine Empfehlung das Treffen einer Entscheidung
erleichtern könne.
Details der Studie wurden in den Archives of Internal Medicine http://archinte.ama-assn.org veröffentlicht.