Labormanagement 17.08.2026
Meisterstücke mit Tradition und Herz
„Meisterstücke“ prangt auf den Tüten, in denen die Produkte von Böger Zahntechnik den Firmensitz am Waterloohain in Hamburg-Altona verlassen. Die edlen weißen Tüten wirken bewusst hochwertig, denn schließlich enthalten sie ein wertvolles Produkt: Ein schöner Zahnersatz stellt nicht nur die Gesundheit und Funktion wieder her, sondern verbessert auch das Selbstbewusstsein und die Lebensqualität eines Menschen grundlegend. Kronen, Brücken, Implantate, Prothesen und Veneers vereinen höchstes handwerkliches Fertigungskönnen mit medizinischer Präzision und schenken den Trägerinnen und Trägern die Freiheit, unbeschwert zu lachen, zu sprechen und am Leben teilzunehmen.
Eine Erfolgsgeschichte seit 1920
1920 von den Großvätern in Hamburg gegründet, ist Böger Zahntechnik eines der ältesten zahntechnischen gewerblichen Dentallabore Deutschlands. Dort und an den weiteren Niederlassungen in Schwerin und Neumünster schreiben 120 Mitarbeiter/-innen die Böger-Erfolgsgeschichte fort. Bereits die Firmengründer Oscar und Friedrich Böger wussten um die gesellschaftliche Relevanz ihres Handwerks: Sie setzten sich damals dafür ein, dass Zahntechniker/-in als Handwerksberuf anerkannt wurde, und waren Mitbegründer der Zahntechniker-Innung Hamburg. Als Erste im deutschen Sprachraum legten Friedrich und Oscar Böger neben vier weiteren Zahntechnikern die Meisterprüfung ab. Friedrich Böger nahm als Vorsitzender der Meisterprüfungskommission die ersten Prüfungen zum Zahntechnikermeister von Hamburg bis Österreich ab. Neue Wege gehen, moderne Materialien ausprobieren, auch früh die Welt darüber informieren, was sich bei Böger tut: Was heute die Firmenleitung auszeichnet, haben bereits die Gründungsväter betrieben.
Dieser Devise folgte auch die zweite Generation. Die Brüder Claus und Fritz Böger stiegen im Jahr 1966 als Teilhaber ein. Claus Böger führte im Jahr 1972 als erster Unternehmer in der Zahntechnik einen Computer ein, heuerte einen Programmierer an und ließ ein digitales Dispositionsprogramm entwickeln – Vorreiter zu sein, liegt in der Familien-DNA.
Die dritte Generation: Verantwortung für die Zukunft
Seine Tochter Petra Schmitt-Böger ist zunächst aus der Familientradition ausgeschert. Sie ist weder Zahnärztin noch Zahntechnikermeisterin, Berufe, die die anderen beiden aktuellen Geschäftsführer von Böger Zahntechnik, ihr Bruder Bert und Cousin Dirk, ausüben. Sie hat Betriebswirtschaft studiert und in der Kommunikationsbranche gearbeitet. 1996 konnte sie den Wunsch ihres Vaters und Onkels nicht abschlagen und stieg in die Betriebsleitung ein.
Hier bringt sie ihre kaufmännischen Kenntnisse und ihr Marketing-Know-how ein. Und wie gelingt die Zusammenarbeit im Führungstrio? „Wir ergänzen uns, jeder hat seinen Aufgabenbereich. Da reden wir uns untereinander nicht rein, aber wir scheuen uns auch nicht, Konflikte anzusprechen“, so Petra Schmitt-Böger. Verantwortung ist ein zentrales Stichwort, das im Gespräch mit der sympathischen Hamburgerin oft fällt. „Natürlich spürt man eine Verantwortung, wenn ein Unternehmen so lange von einer Familie geführt wird“, ergänzt sie. Pflichtbewusstsein spürt sie nicht nur gegenüber der Familie, sondern auch gegenüber den Mitarbeiter/-innen und den 18 Auszubildenden. Bereits im Jahr 2014 wurde der Betrieb mit dem Familiensiegel der Stadt Hamburg als familienfreundlicher Arbeitgeber ausgezeichnet.
Caritas x Böger Zahntechnik: Wenn Zusammenarbeit Würde zurückgeben kann
Das soziale Engagement von Böger Zahntechnik erstreckt sich weit über die Familie und den Betrieb hinaus: „Wir wollen uns engagieren, aber mir ist es wichtig, dass es zum Betrieb passt“, schildert sie. Seit vielen Jahren unterstützt Böger Zahntechnik daher bereits das Zahnmobil der Caritas Hamburg. Als Ergänzung zum Zahnmobil eröffnete die Caritas im November 2016 auf St. Pauli eine Zahnarztpraxis für bedürftige und obdachlose Menschen. Hier können Personen ohne Krankenversicherung und wohnungslose Menschen versorgt werden, deren Behandlung auf dem Zahnmobil nicht möglich ist, weil diese zu zeitintensiv ist oder weil eine Röntgenaufnahme benötigt wird. Zusätzlich können Patienten nach festen Kriterien auch Zahnersatz erhalten, der kostenlos von Böger Zahntechnik produziert wird.
„Es war Zufall, dass das Projekt zu meinem 50. Geburtstag gestartet ist. Es fühlte sich wie ein Geschenk an. Ich erinnere mich besonders an eine 30-Jährige, die weder ein Zuhause noch einen Job hatte. Sie erhielt damals Komplettprothesen, weil sie keine Zähne mehr hatte. Sie fand zwei Wochen später einen Job und eine Wohnung“, berichtet Petra Schmitt-Böger.
Zahngesundheit ist für sie weit mehr als Funktion, sie bedeutet Würde: „Unser Know-how und unsere Erfahrung in der Herstellung von Zahnersatz setzen wir gerne ein, um Wohnungs- und Obdachlosen etwas Gutes zu tun. Denn endlich unbeschwert und schmerzfrei lächeln zu können, bedeutet gerade für bedürftige Menschen eine enorme Steigerung ihrer Lebensqualität und erhöht die persönlichen Chancen. Verlängerte Lieferzeiten und das besondere Engagement unseres Teams für die Sache machen die kostenlose Herstellung möglich“, erklärt Petra Schmitt- Böger.
Die Zahnambulanz im Gesundheitszentrum St. Pauli hat montags und dienstags geöffnet und verfügt neben einem Behandlungsstuhl auch über ein Röntgengerät und einen Hygieneraum. Der Bedarf ist groß und das Angebot wird von den Menschen gut angenommen. Daher verfolgt Böger Zahntechnik zusammen mit der Caritas das Ziel, die Öffnungszeiten zu erweitern, und freut sich über jede Unterstützung.
Durch die Digitalisierung hat sich der Beruf verändert
„Der Beruf des Zahntechnikers hat sich immens gewandelt“, so Petra Schmitt-Böger. Fast 70 Prozent des Berufs sind inzwischen digitale Aufgaben, „aber es bleiben immer auch die analogen Anteile.“ Im Jahr 2018 wurde das Labor in Hamburg aufs Modernste renoviert. Die Außenmauern des damals errichteten Gebäudes blieben stehen, innen wurde komplett umgebaut. Es entstanden helle, freundliche Großraumlaborarbeitsplätze. Die Techniker/-innen arbeiten an ergonomischen Tischen, die alle digital ausgestattet sind. Service-Roboter „Wallyi“ saust augenkullernd zwischen Arbeitsplätzen umher und versorgt die Teams mit Nachschub an Prothesen, Kronen und Brücken.
Wer bei Böger Zahntechnik eine Ausbildung absolviert, braucht handwerkliches Geschick, das in einem intern entwickelten Aufnahmetest geprüft wird: Interessierte müssen einen Draht in Zahnform biegen können – für viele eine Hürde. Wer Geschick beweist, erlernt in der Ausbildung traditionelle Handwerkstechniken: „Es braucht nicht nur geschickte Hände, sondern auch ein gutes Auge, denn wenn die Keramik später verblendet wird, muss ja auch der individuelle Farbton der eigenen Zähne getroffen werden“, beschreibt Petra Schmitt-Böger.
Gleichzeitig nutzen die Zahntechniker/-innen digitale Technologien: CAD/CAM-Fräsmaschinen zum präzisen Ausfräsen von Kronen, Brücken und Inlays aus Keramik- oder Zirkonblöcken. Sie nutzen 3D-Drucker für Modelle und arbeiten mit digitalen Scans, wenn Zahnärzt/-innen mit Intraoralscannern Abdrücke nehmen.
Weiterbildung in der Böger-Akademie
Im ersten Stock des Firmensitzes befindet sich die Böger-Akademie. Zahnärzt/-innen und medizinische Fachkräfte finden hier die Gelegenheit, sich weiterzubilden. Petra Schmitt-Böger kümmert sich mit viel Herzblut um interessante Workshops und Seminare und sorgt für eine ausgewogene Mischung aus fachlichen und betriebswirtschaftlichen Angeboten zur Personalentwicklung und zum Praxismanagement. „Gleichzeitig bieten wir eine persönliche Plattform zum Erfahrungsaustausch“, schildert Petra Schmitt-Böger, die beständig das Netzwerk von Geschäftspartner/-innen ausbaut. Der achtsame, freundliche Umgang mit der Kundschaft und den Patient/-innen ist Ehrensache für das Team Böger aus Hamburg. Bald kann sich die vierte Generation einbringen: Ihre Nichte Carlotta ist bereits Zahntechnikermeisterin.
Dieser Beitrag ist erstmals im ZDH-Jahrbuch 2026 veröffentlicht worden.
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