Branchenmeldungen 19.06.2026
„Ich will jeden Tag die Natur noch besser kopieren“
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Viele junge Zahntechniker/-innen träumen davon, sich fachlich einen Namen zu machen. Mit Ihrem Sieg bei den ADT young talents 2026 haben Sie ein klares Zeichen gesetzt. Was waren die wichtigsten Schritte und Erfahrungen auf Ihrem Weg dorthin?
Die Wahrheit ist, dass wir in diesem Beruf mit unseren eigenen Händen Werte schaffen und der natürliche Wunsch dahintersteht, dass unsere Arbeiten herausstechen. Auf dem Weg eines jeden von uns gibt es Momente, die die Richtung ändern und zu Meilensteinen in der Entwicklung als Zahntechniker, als Fachmann und als Mensch werden.
Auf meinem persönlichen Weg waren die entscheidendsten Schritte diejenigen außerhalb meiner Komfortzone: Mein Praktikum in Deutschland direkt nach dem Studium sowie meine anschließende Weiterbildung am Osaka Ceramic Training Center in Japan. All diese Schritte wurden jedoch erst dadurch möglich, weil ich Menschen an meiner Seite hatte, die mir vorgelebt haben, dass man Ziele, die man sich fest vornimmt, durch Hingabe und Ehrgeiz auch tatsächlich erreichen kann.
Was hat Sie ursprünglich dazu bewogen, Zahntechniker zu werden?
Um ehrlich zu sein, war mir während meines Studiums der Zahntechnik noch gar nicht bewusst, dass dies mein Lebensweg werden würde. Ich dachte eher darüber nach, nach dem Abschluss eine andere Richtung einzuschlagen oder ein alternatives Programm zu absolvieren.
Das änderte sich schlagartig, als ich einen Vortrag von August Bruguera in Athen besuchte. An diesem Tag wurde ich mit einer Welt der Zahntechnik konfrontiert, von deren Existenz ich bis dahin nichts geahnt hatte. Es war ein absolutes Schlüsselerlebnis: In diesem Moment verstand ich, was dieser Beruf wirklich bedeutet, und spürte den tiefen Wunsch, Zahntechniker zu werden und die dentale Morphologie so tiefgehend wie nur möglich zu verstehen und zu beherrschen.
Ihr mitreißender Vortrag „WaxUp: Analog 14/Digital 38“ über das Zusammenspiel aus traditionellem Handwerk und digitalem Workflow hat die Jury der ADT überzeugt. Wie gelingt es Ihnen persönlich, beide Welten sinnvoll miteinander zu verbinden und welche zentrale Botschaft wollten Sie Kolleg/-innen mitgeben?
Wir leben in einer Zeit, in der uns der technologische Fortschritt durch neue Softwarelösungen und innovative Materialien ständig neue Möglichkeiten bietet. Ich verfolge diese Entwicklungen mit großer Begeisterung und nutze jede digitale Option, die meinen Workflow präziser und effizienter machen kann. Für mich persönlich liegt das Geheimnis einer sinnvollen Verbindung darin, die Technologie als Werkzeug zu nutzen, während die eigentliche Essenz – die Ästhetik und die „Seele“ der Restauration – nach wie vor durch meine Hände und das analoge Verständnis geprägt werden.
Was meine Botschaft an die Kollegen betrifft: Ich stehe selbst noch am Anfang meiner beruflichen Reise. Aber eine fundamentale Erkenntnis habe ich bereits gewonnen: Kreativität, Formgefühl und das tiefere Fachwissen entstehen nicht am Bildschirm oder durch das Drücken einer Tastatur. Sie liegen in unseren Händen, unseren analogen Werkzeugen und vor allem in unseren Augen.
Der Schritt zur Wettbewerbsteilnahme und schließlich auf die Nachwuchs-Bühne der Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologie e.V. erfordert Mut. Was hat Sie letztlich motiviert, sich der Herausforderung zu stellen, und welche Erfahrungen nehmen Sie aus dieser Teilnahme mit?
Es stimmt absolut: Auf einer großen Bühne vor einem Fachpublikum zu sprechen, erfordert Mut. Aber für mich stand fest: Es ergibt keinen Sinn, ein Ziel zu haben, wenn man nicht bereit ist, die Extrameile zu gehen, um es auch zu erreichen. Um meinen eigenen Zweifeln und der Angst vor der Bühne keine Chance zu geben, habe ich mich ganz bewusst sehr früh angemeldet. Ab diesem Moment gab es kein Zurück mehr und ich habe mich voll und ganz auf die Ausarbeitung meines Vortrags fokussiert.
Die Erfahrung, die ich dort machen durfte, war überwältigend. Die ADT young talents sind eine fantastische Initiative. Sie öffnet jungen Zahntechnikern eine Tür, die ihnen sonst oft verschlossen bleibt. Es ist die perfekte Plattform, um sich selbst herauszufordern, wertvolle Erfahrungen zu sammeln, die man sein ganzes Leben nicht vergisst, und aktiv die eigenen beruflichen Träume zu verfolgen. Ich nehme aus dieser Teilnahme nicht nur den Award mit, sondern vor allem ein riesiges Plus an Selbstvertrauen und unbezahlbare Kontakte.
Kreativität, Formgefühl und das tiefere Fachwissen entstehen nicht am Bildschirm oder durch das Drücken einer Tastatur. Sie liegen in unseren Händen, unseren analogen Werkzeugen und vor allem in unseren Augen. – ZT Georgios Ravanis
Welche fachlichen Fähigkeiten sowie persönlichen Einstellungen halten Sie heutzutage für entscheidend, um sich in der Zahntechnik erfolgreich weiterzuentwickeln?
Was die fachlichen Fähigkeiten angeht, egal ob als Allrounder oder als Spezialist: Niemand bringt diese von Anfang an perfekt mit. Es sind Kompetenzen, die sich erst durch jahrelange Praxis, kontinuierliche Weiterbildung und Erfahrung entwickeln. Fachliche Exzellenz ist ein Prozess, der mit jedem Schritt und jedem gelösten Fall wächst.
Betrachtet man die persönliche Einstellung und beobachtet die international erfolgreichen und bekannten Meister unseres Fachs, wird man feststellen, dass es kein universelles Muster oder den „einen“ Persönlichkeitstyp für Erfolg gibt. Sie sind charakterlich oft völlig verschieden. Doch sie alle teilen eine gemeinsame Kerneigenschaft: eine tiefe, innere Flamme und echte Leidenschaft für diesen Beruf. Es ist die Faszination für die Kreation, der Ehrgeiz, die Natur perfekt zu kopieren, und das Bewusstsein, dass diese Arbeit am Ende die Lebensqualität und Psychologie eines Patienten positiv verändert. Ohne dieses innere Feuer wird man in unserem Beruf nicht langfristig erfolgreich sein.
Viele Labore suchen händeringend nach qualifiziertem Nachwuchs. Was müsste sich aus Ihrer Sicht in Ausbildung, Laboralltag oder Außendarstellung des Berufs ändern, damit sich mehr junge Menschen für die Zahntechnik begeistern?
Wie wir auf dem ADT-Kongress gehört haben, verlassen rund 24 Prozent der jungen Zahntechniker den Beruf direkt nach ihrer Ausbildung. Das ist eine alarmierende Zahl. Es ist unbestreitbar, dass die Zahntechnik ein anspruchsvoller und harter Beruf ist, in dem die finanzielle Vergütung zu Beginn oft nicht im Verhältnis zu dem enormen Aufwand steht, den ein junger Techniker erbringen muss.
Meiner Meinung nach liegt die Lösung jedoch nicht primär in einer strukturellen Veränderung der Ausbildung oder im Laboralltag an sich, sondern in einem Umdenken der älteren Generation. Die erfahrenen Laborinhaber und Meister müssen zu echten Mentoren und Lehrern werden. Sie müssen der Jugend eine Perspektive und eine Vision bieten. Es geht darum, jungen Menschen einen klaren Weg aufzuzeigen, der sie inspiriert und eine anfängliche Motivation entfacht, die sich mit der Zeit zu einer echten, gesunden Leidenschaft für das Handwerk entwickeln kann.
Für mich persönlich liegt das Geheimnis einer sinnvollen Verbindung darin, die Technologie als Werkzeug zu nutzen, während die eigentliche Essenz – die Ästhetik und die „Seele“ der Restauration – nach wie vor durch meine Hände und das analoge Verständnis geprägt werden. – ZT Georgios Ravanis
Mit dem Gewinn des ADT young talent award eröffnen sich für Sie neue Möglichkeiten – woran möchten Sie persönlich in den kommenden Jahren arbeiten, und wie sehen Sie die Zukunft der Zahntechnik aus Sicht Ihrer Generation?
Man weiß nie, was die Zukunft bringt. Aber mein Ziel ist klar: Ich will einfach jeden Tag versuchen, die Natur noch besser zu kopieren und mich fachlich weiterzuentwickeln. Ein großer Wunsch von mir ist es, später genau so ein Mentor zu sein, wie ich sie selbst auf meinem Weg hatte – um anderen zu helfen, ihren Weg zu gehen.
Für meine Generation sehe ich ein Zukunftsbild, in dem uns die digitale Technik die tägliche Arbeit im Labor viel leichter und bequemer macht. Aber gerade deshalb werden die echten, handwerklichen Fähigkeiten mit der Zeit immer seltener. Und genau das wird sie am Ende noch wertvoller machen.
Vielen Dank für das interessante Interview!
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