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Kieferorthopädie 02.10.2013

Weichteilbasierte Diagnostik und Behandlungsplanung

Weichteilbasierte Diagnostik und Behandlungsplanung

Eine KFO-Behandlung sollte sowohl die Okklusion als auch das Erscheinungsbild berücksichtigen. Dr. David Sarver erläutert in einem Auszug aus seinem Fachartikel, wie Zahnärzte die funktionellen und ästhetischen Ziele der Patienten erreichen. Den vollständigen Beitrag gibt es jetzt zum Download.

Dr. David Sarver ist Diplomat des American Board of Orthodontics, Mitglied der Angle Society of Orthodontists und lehrt derzeit als Adjunct Professor an der University of North Carolina. Neben seiner Praxis und seiner internationalen Vortragstätigkeit ist Dr. Sarver aktiv an Feldforschungsprojekten zu neuen Technologien beteiligt und gilt als Pionier für den Einsatz von Lasern in der Kieferorthopädie. Bleibenden Verdienst hat er mit vielfältigen Arbeiten errungen, wie der Monografie „Esthetic Orthodontics and Orthognathic Surgery“ oder als Mitautor von „Contemporary Treatment of Dentofacial Deformity“. In den USA wurde kürzlich im TV-Sender NBC ein Beitrag über die Arbeit von Dr. Sarver in dem Nachrichtenprogramm The Today Show mit Dr. Christine Dumas und Katie Couric gesendet.

Weichteilbasierte Diagnostik und Behandlungsplanung

Wenn Kieferorthopäden mit ihren Patienten über Behandlungsbedarf sprechen, konzentrieren sie sich zwangsläufig auf okklusale Diskrepanzen,die zur Erhaltung der Zähne behandelt warden müssen. Im vergangenen Jahrhundert wurde das okklusionsbezogene Behandlungsziel entsprechend dem von Angle geschaffenen Paradigma als Klasse-I-Okklusion definiert. Wenn unser einziges Ziel eine Klasse-I-Okklusion ist, kann die Behandlung effizient und auch sehr einfach sein. Eltern und Patienten neigen allerdings dazu, vor allem die Verbesserung des Aussehens in den Mittelpunkt zu rücken. Wenn unser Ziel darin besteht, die „social six“, d.h. die im sozialen Umgang relevanten 6 Frontzähne schön auszurichten, kann die Behandlung ebenfalls sehr effizient und auch einfach sein. Eine zeitgemäße kieferorthopädische Therapie sollte aber ein breiteres Ziel verfolgen – Okklusion und Aussehen. Eine exzellente Okklusion und Ästhetik zu erzielen kann allerdings schwierig werden. Das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt, sollte aber genau dieses das Ziel sein, nach dem wir alle streben sollten.

Nur die Okklusion zu behandeln ist wie den halben Patienten zu behandeln. Das gleiche gilt, wenn man nur auf Ästhetik bedacht ist. Für mich lautet die Streitfrage: Wenn wir in die Verbesserung des Aussehens genau so viel Mühe und Überlegung einfließen lassen, wie wir es jahrzehntelang fast ausschließlich für die Verbesserung der Okklusion gemacht haben, müssten wir dann nicht allmählich in der Lage sein, unseren kieferorthopädischen Patienten eine Behandlung anzubieten, die deren Wohlbefinden auf mehreren Ebenen fördert, sowohl auf funktioneller als auch ästhetischer Ebene.

Klassifikation des Erscheinungsbildes und ästhetische Analyse

Um sowohl die Funktion als auch die Ästhetik abdecken zu können haben meine Kollegen und ich ein Modell entwickelt, das wir als „Klassifikation des Erscheinungsbildes und ästhetische Analyse“ bezeichnen. 1 Diese Klassifikation besteht aus drei Komponenten: die Makro-, Mini- und Mikroästhetik. Unsere Ziele für die funktionelle Okklusion (Klasse I, Overbite, Overjet etc.) bleiben erhalten, werden aber im Kontext einer erweiterten dentofazialen Analyse bewertet. Dieses Modell bietet einen Rahmen für die systematische Bewertung des ästhetischen Bedarfs im Einzelfall (Abb. 1). Es verlässt den bisherigen Ansatz der kieferorthopädischen Diagnostik und Behandlungsplanung, der fast ausschließlich auf Modellen und kephalometrischen Werten beruht. Stattdessen rückt die klinische Untersuchung des Patienten in allen drei Dimensionen bei entspannter Muskulatur ebenso wie in der Dynamik des Lächelns in den Mittelpunkt. Das Hauptaugenmerk liegt dabei weniger auf linearen und angularen Normen, sondern auf der richtigen Proportionalität der fazialen Strukturen.

Abbildung 1. Rahmen für die systematische Bewertung des ästhetischen Bedarfs im Einzelfall

 

Die Komponenten der Klassifikation des Erscheinungsbildes und ästhetischen Analyse

  • 1. Die makroästhetische Analyse umfasst das Gesicht in allen 3 Raumebenen. Beispiele für die Makroästhetik sind ein langes oder kurzes Gesicht, fehlende Kinnprominenz und andere faziale Merkmale. 
  • 2. Die miniästhetische Analyse beschäftigt sich primär mit dem Rahmen des Lächelns und erfasst z.B. die beim Lächeln sichtbare Gingiva, unharmonische Gingivahöhen oder bukkale Korridore. 
  • 3. Bei der mikroästhetischen Analyse geht es um die Proportionen von Zahnhöhe und –breite, die Gingivaform und -kontur, interdentale „schwarze Dreiecke“ und ähnliche zahnbezogene Attribute.

Die erweiterte problemorientierte Behandlungsplanung: Behandlungsoptimierung

Wenn wir das Klassifikationssystem in seine einzelnen Komponenten zerlegen, erhalten wir einen systematischen, verbesserten Ansatz zu einer problemorientierten Behandlungsplanung. 2 Bei der herkömmlichen problemorientierten Behandlungsplanung werden die funktionellen und ästhetischen Probleme des Patienten identifiziert und eine entsprechende Lösungsliste wird erarbeitet. Wenn man sich allerdings lediglich auf die Behebung von Problemen konzentriert, werden die vorhandenen positiven Attribute leicht übersehen. So läuft man Gefahr,die faziale Ästhetik negativ zu beeinflussen.

Das klassische Beispiel ist der Patient mit einer Klasse II bei normalem Mittelgesicht und mandibulärem Defizit:

Wenn man diesen Fall ausschließlich über die Okklusionsbeziehung definiert, gilt eine Behandlung mit Prämolarenextraktion sowie Frontzahnretraktion im Oberkiefer als gute Lösung, obwohl die faziale Ästhetik darunter insgesamt leidet. Eine solche Behandlung führt nämlich zu einer Abflachung der Oberlippe sowie zu einer ungünstigen Beeinflussung des Nasolabialwinkels und somit zu dem wenig schmeichelhaften „orthodontic look“. Das hat nicht nur für das Profilbild Folgen, sondern wirkt sich, wie hinreichend belegt ist, auch im Sinne einer geringeren Sichtbarkeit der Schneidezähne und einer abgeflachten Lachlinie aus.2,3


Abbildung 2. Bei der Behandlungsoptimierung werden sowohl positive als auch negative Attribute des Patienten identifiziert, um zu vermeiden, dass Erstere bei der Korrektur der Letzteren ungünstig
beeinflusst werden.

 

Den vollständigen Artikel „Weichteilbasierte Diagnostik und Behandlungsplanung“ von Dr. David Sarver können Sie hier herunterladen.

Autor: Dr. David Sarver

Foto: © Ormco
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