Anzeige
Laserzahnmedizin 28.02.2011

Er:YAG-Laser und desensibilisierende Effekte

Er:YAG-Laser und desensibilisierende Effekte

Ursachen für freiliegendes Dentin sind gingivale Rezessionen als Folge parodontaler Erkrankungen oder parodontaler Therapie und Traumata durch Zahnreinigung (Schwarz 2002). Eine erfolgreiche Reduzierung der Hypersensitivitäten über einen langen Zeitraum ist in der Literatur nicht veröffentlicht. Dentinhypersensitivität ist ein allgemein bekannter schmerzhafter Zustand, über dessen Ursachen und Wirkungsweisen relativ wenig bekannt ist. Eine Literaturübersicht zeigte, dass die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen die klinische Einschätzung und Bewertung therapeutischer Mittel betrafen (Addy 1992). Über die Ätiologie von Dentinhypersensitivität ist nur wenig bekannt (Addy 1990). Die am häufigsten angewandte Therapie hypersensiblen Dentins ist die Anwendung von Fluoridlösungen (Gedalia et al.1978) oder Iontophorese mit Fluoridpasten (Jensen 1965, Johnson et al. 1982). Seit Beginn der 90er-Jahre zeigt die Anwendung von Lasersystemen gute Resultate. In der Literatur sind zwei unterschiedliche Methoden der Nutzung von Lasern in der Therapie von Hypersensibilitäten beschrieben: die indirekte Applikation als eine Kombination von Laseranwendung mit Zinnfluoridapplikation und die direkte Applikation von Laserlicht (Bach 2007, Moritz 2006). In der Vergangenheit gab es verschiedene Studien mit der Nutzung von Nd:YAG-Lasern (Gutknecht et al. 1997, Gelskey et al. 1993), CO2-Lasern (Moritz et al. 1996), GaAlAs- Lasern (Matsumoto et al. 1985,  Gerschmann et al. 1994) und Er:YAG-Lasern (Schwarz et al. 2002) über dieses Problem. Alle Studien konnten keine langzeitpositiven Ergebnisse zeigen.

 

Methode

25 Patienten (11 weibliche  und 14 männliche, im Alter zwischen 18 und 46 Jahren, Durchschnittsalter 32 Jahre), welche zusammen 172 kontralaterale Paare von hypersensiblen und kariesfreien Zähnen aufwiesen. Es gab keine kariösen Läsionen an Nachbarzähnen oder an den ausgewählten Zähnen, es gab keine desensibilisierende Therapie während der letzten neun Monate und keine zervikale Füllungen.
 

Studien Design – Split mouth design

Die Zähne im ersten Quadranten wurden mit Dentin Protector (Ivoclar Vivadent, Liechtenstein), im zweiten Quadranten mit Er:YAG-Laser (KEY 3, KaVo, Biberach, 80mJ/3 Hz, Handstück 2060 mit Wasserspray, defokussiert, 2 Minuten je Zahn), im dritten Quadranten mit Duraphat behandelt und der vierte Quadrant diente als unbehandelte Kontrollgruppe. Alle Patienten waren im Oralhygiene-Programm eingebunden und erhielten ihre letzte professionelle Zahnreinigung bei einer Dentalhygienikerin vier Wochen vor der Therapie. Die Bewertung der Hypersensibilität wurde auf einer Schmerzskala in vier Stufen aufgezeichnet (Tabelle 1). Die Nachbarzähne wurden dabei mit Abformmaterial (Panasil) bedeckt.

 

Tabelle 1    

 
Eine drei Sekunden dauernde Bestrahlung mit kalter Luft (18–20 °C) in einem Abstand von  2 mm war die qualitative Stimulation auf der Testseite. Die anderen Testseiten erhielten Applikationen von Dentin Protector oder Duraphat, den Bedienungsanleitungen der Hersteller entsprechend. Vor der Behandlung wurden die Zähne mit Floss und Politur gereinigt.
Aufzeichnungen wurden vor Therapie, direkt nach Therapie, 1 Woche nach Therapie, 1 Monat nach Therapie, 2 Monate nach Therapie und 6 Monate nach Therapie durch einen geblindeten Prüfer  protokolliert.
 

Resultate

Es wurden keine Komplikationen beobachtet. Alle Therapieformen führten sofort bis zu einer Woche dauernder Verbesserung des Unwohlseins nach Reizapplikation. Nach einem Monat nahm  das Unwohlsein nach Schmerzskala (Tabelle 1) in der Dentinprotektor-Gruppe bis zu 56% und in der Duraphat-Gruppe bis zu 57% und in der Laser-Gruppe bis zu 42 % im Vergleich zur Baseline zu. Nach zwei Monaten  nahm das Unwohlsein im Vergleich zur Baseline in der  DP-Gruppe bis zu 64%, in der Duraphat-Gruppe bis zu 68% zu, während die Laser-Gruppe mit 42% unverändert blieb. Nach sechs Monaten nahm das Unwohlsein im Vergleich zu Baseline in der  DP-Gruppe bis zu 102% und in der Duraphat-Gruppe bis 103% zu. In der Laser-Gruppe konnte ein leichtes Ansteigen des Unwohlseins auf 55% im Vergleich zu Baseline festgestellt werden. Die Kontrollgruppe zeigte über sechs Monate  keinerlei Veränderung zu Baseline.

 

Tabelle 2

 
Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten alle drei Therapiemethoden eine Reduktion des Unwohlseins über sechs Monate auf. Ein Abnehmen des positiven Effektes wurde in der Laser-Gruppe nach sechs Monaten festgestellt. Das Abnehmen der positiven Effekte von  Dentin Protector und Duraphat zeigte sich nach zwei Monaten. Die Desensibilisierung mit einem Er:YAG-Laser (KEY Laser 3, KaVo, Biberach) war über die Studiendauer effektiv. Im Vergleich zur Anwendung von Duraphat und Dentin Protector war die Stabilität des Effektes länger. Nach sechs Monaten nahm auch in der Er:YAG-Laser-Gruppe das Unwohlsein nach Reizapplikation geringfügig zu. Nach den vorliegenden Ergebnissen dieser Studie scheint die Anwendung des Er:YAG-Lasers in der Therapie von Hypersensibilitäten von Dentin und an Zahnhälsen eine geeignete Methode zu sein. Weitere Studien wurden über einen längeren Zeitraum benötigt, um Langzeitergebnisse evaluieren zu können.

Mehr Fachartikel aus Laserzahnmedizin

ePaper

Anzeige