Prophylaxe 31.08.2026
Von der Prophylaxe zur Parodontaltherapie: Strukturierte Diagnostik im Praxisalltag
Erste Sitzung
Bereits bei der klinischen Inspektion zeigt sich eine unzureichende Mundhygiene mit sichtbaren Biofilmablagerungen und entzündlich veränderter Gingiva. Im Rahmen der Sitzung erfolgt eine orientierende Untersuchung mittels Parodontalem Screening Index, bei der erhöhte Werte auffallen und den Verdacht auf eine parodontale Erkrankung begründen. Im Anschluss erfolgt eine initiale Prophylaxebehandlung mit Mundhygieneinstruktion und professioneller mechanischer Reinigung.
Kontrolltermin
Etwa zwei Wochen später wird der Patient erneut einbestellt. Trotz verbesserter häuslicher Mundhygiene zeigen sich weiterhin erhöhte Sondierungstiefen im Bereich von vier bis fünf Millimetern sowie persistierende Blutungen nach Sondierung. Eine vollständige Entzündungsrückbildung bleibt aus, sodass der Verdacht auf eine behandlungsbedürftige Parodontitis bestätigt wird.
Parodontalstatus und Klassifikation
Im Anschluss wird zeitnah ein vollständiger Parodontalstatus erhoben. Die Sondierung zeigt generalisiert erhöhte Werte mit multiplen Taschen im Bereich von vier bis fünf Millimetern. Zusätzlich werden Blutung auf Sondieren, gingivale Rezessionen sowie der klinische Attachmentverlust dokumentiert. Die radiologische Diagnostik zeigt einen horizontalen Knochenabbau von etwa 15 bis 33 Prozent. In Relation zum Alter des Patienten ergibt sich ein Knochenabbau-Index im Bereich von etwa 0,62, was einer moderaten Progressionsrate entspricht.
Auf Basis dieser Befunde wird die Erkrankung als generalisierte Parodontitis Stadium II, Grad B eingeordnet.
Vorbehandlungsphase – MHU und ATG
Nach Genehmigung der Therapie durch die Krankenkasse erfolgt die Vorbehandlungsphase. In diesem Termin wird die Mundhygiene erneut kontrolliert und gezielt optimiert. Parallel erfolgt das aufklärende Therapiegespräch, in dem der Patient über Diagnose, Therapieablauf und die Bedeutung seiner eigenen Mitarbeit aufgeklärt wird.
Initiale Parodontaltherapie
Die antiinfektiöse Therapie erfolgt zeitnah im Anschluss. Unter lokaler Anästhesie werden die Wurzeloberflächen systematisch instrumentiert, um subgingivale Konkremente und Biofilm vollständig zu entfernen.
Befundevaluation (BEVA)
Etwa acht bis zwölf Wochen nach der subgingivalen Instrumentierung erfolgt die Befundevaluation. Klinisch zeigen sich weiterhin persistierende Taschen mit Sondierungstiefen bis fünf Millimeter.
Aufgrund dieser Befunde wird eine mikrobiologische Diagnostik durchgeführt. Die Analyse zeigt einen behandlungsbedürftigen Keimbefund mit Bakterien des roten Komplexes, insbesondere Porphyromonas gingivalis und Tannerella forsythia, sowie Keimen des orangen Komplexes wie Prevotella intermedia und Fusobacterium nucleatum.
Diese Keimkonstellation ist mit einer erhöhten Krankheitsprogression assoziiert und stellt eine klare Indikation für eine adjuvante antibiotische Therapie dar.
Adjuvante Therapie und Reevaluation
Auf Grundlage des mikrobiologischen Befundes wird eine systemische antibiotische Therapie eingeleitet und mit einer erneuten mechanischen Instrumentierung kombiniert.
Etwa zwei bis vier Wochen nach Abschluss der antibiotischen Therapie erfolgt eine erneute Reevaluation. Dabei zeigt sich eine deutliche Verbesserung der klinischen Situation. Die zuvor gemessenen Sondierungstiefen von vier bis fünf Millimetern reduzieren sich in vielen Bereichen auf drei bis vier Millimeter. Gleichzeitig nimmt die Blutungsneigung signifikant ab, und die parodontalen Verhältnisse präsentieren sich stabilisiert.
Unterstützende Parodontaltherapie
Der Patient wird in die unterstützende Parodontaltherapie überführt. Aufgrund des generalisierten Befalls, des vorangegangenen Knochenabbaus sowie der moderaten Progressionsrate wird ein Recallintervall von drei bis vier Monaten festgelegt. In den Nachsorgeterminen erfolgt die regelmäßige Kontrolle der Sondierungstiefen, der Entzündungsparameter sowie eine professionelle Reinigung und erneute Motivation zur Mundhygiene.
Fazit
Autorin: Aliza Sakhra