Branchenmeldungen 17.09.2026
Allianz Gesundheitsbarometer 2026: Zahngesundheit in Österreich – Kosten als größte Hürde
Hohes Bewusstsein, aber finanzielle Hürden
Zahngesundheit ist für die österreichische Bevölkerung längst mehr als Hygiene. Sie gilt als Teil des Erscheinungsbilds und der Gesundheitsvorsorge. 85 Prozent achten gewissenhaft auf ihre Zahnpflege, 73 Prozent gehen mindestens einmal jährlich zur Kontrolle.
Dennoch haben sich 40 Prozent schon einmal gegen eine Behandlung entschieden, weil sie zu teuer war. Der Befund der Studie ist eindeutig: Es fehlt nicht am Bewusstsein für gesunde Zähne, sondern an finanzieller Planbarkeit.
Die Studie zeigt auch einen Zusammenhang mit dem Einkommen: Bei Haushalten mit bis zu 1.999 Euro pflegen 78 Prozent ihre Zähne gewissenhaft. Bei Haushalten mit 5.000 bis 5.999 Euro sind es 92 Prozent.
Vorsorge motiviert am stärksten
Warum pflegen Österreicherinnen und Österreicher ihre Zähne? Den stärksten Antrieb liefert die Vorsorge: 36 Prozent wollen spätere Zahnprobleme vermeiden. Danach folgen mit 26 Prozent ästhetische Gründe – für Frauen spielen diese eine deutlich größere Rolle als für Männer (32 zu 21 Prozent).
Warum Ästhetik so wichtig ist, zeigt die Wirkung, die gepflegten Zähnen zugeschrieben wird: Rund neun von zehn sagen, sie prägen das äußere Erscheinungsbild maßgeblich. Fast ebenso viele verbinden damit einen besseren ersten Eindruck. Vier von fünf sehen zudem Vorteile im Berufsleben.
Generationenwandel: Von Reparatur zu Prävention
Sechs von zehn Österreicherinnen und Österreichern sind mit ihren Zähnen insgesamt zufrieden. Mit der Zahnfarbe ist jedoch nur die Hälfte glücklich – Bleaching führt daher die Wunschliste an.
Die Generation Z zeigt sich besonders offen für ästhetische und präventive Behandlungen wie Bleaching, Kieferregulierung oder professionelle Mundhygiene. Bei den Babyboomern sind es hingegen häufiger Implantate und Prothesen, die die Zufriedenheit steigern würden.
Fachliche Kompetenz überzeugt – Kosten-Leistungs-Verhältnis weniger
71 Prozent halten die zahnmedizinische Versorgung in Österreich für sehr gut oder eher gut. Die beste Note erhält die fachliche Kompetenz mit 81 Prozent. Beratung und das Angebot moderner Behandlungsmethoden liegen gleichauf bei 70 Prozent.
Deutlich kritischer werden die Wartezeiten bewertet: Nur 42 Prozent sind damit zufrieden. Das größte Sorgenkind ist jedoch das Kosten-Leistungs-Verhältnis. Gerade einmal 28 Prozent bewerten dieses als sehr gut oder eher gut.
Die Rechnung schreckt mehr ab als der Bohrer
47 Prozent nennen Kosten als Hinderungsgrund für Behandlungen – Frauen häufiger als Männer (53 zu 41 Prozent). Die Angst vor der Behandlung selbst liegt mit 19 Prozent weit dahinter.
Mehr als drei Viertel (77 Prozent) kennen Personen, die mit hohen Behandlungskosten konfrontiert waren. Am teuersten empfinden die Österreicherinnen und Österreicher den Zahnersatz (87 Prozent), gefolgt von Zahnkorrekturen (80 Prozent) und ästhetischen Eingriffen (75 Prozent).
Der finanzielle Druck verändert das Verhalten konkret: 40 Prozent haben eine Zahnbehandlung aus Kostengründen ganz ausgelassen, 38 Prozent haben sie verschoben.
Bei Kostenübernahme steigt die Behandlungsbereitschaft sprunghaft
Wie stark der Preis die Entscheidung dominiert, zeigt sich, wenn man ihn hypothetisch ausblendet. Bei vollständiger Kostenübernahme – etwa durch eine private Zahnversicherung – würde die Bereitschaft zur Behandlung in den nächsten fünf Jahren deutlich steigen:
- Zahnspangen und Korrekturen: von 29 auf 71 Prozent
- Bleaching: von 31 auf 75 Prozent
- Veneers: von 28 auf 69 Prozent
- Implantate: von 47 auf 81 Prozent
- Zahnfleischbehandlungen: von 63 auf 86 Prozent
Wenig Wissen über Kosten und Kassenleistungen
Nur 36 Prozent fühlen sich über Behandlungskosten gut informiert. Ebenso wenige kennen die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ausreichend.
Privatversicherte sind deutlich besser im Bild: 53 Prozent fühlen sich bei den Behandlungskosten gut informiert, 51 Prozent bei den Kassenleistungen.
Privatversicherte nutzen mehr Leistungen
Aktuell besitzen 5 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher eine private Zahnzusatzversicherung. Das Interesse ist jedoch höher: 38 Prozent können sich vorstellen, ihre Zähne zu versichern.
Dass eine Absicherung das Behandlungsverhalten konkret verändert, zeigt der Vergleich: Privatversicherte nutzen aufwendigere Leistungen deutlich häufiger. Bei Zahnfleischbehandlungen sind es 31 Prozent gegenüber 15 Prozent bei Kassenpatientinnen und -patienten. Bei kieferchirurgischen Eingriffen 37 zu 22 Prozent, bei Kronen 34 zu 25 Prozent, bei Bleaching 11 zu 4 Prozent.
Ohne Zusatzversicherung überwiegen hingegen Basisbehandlungen wie Füllungen (74 zu 58 Prozent) und Zahnziehen (54 zu 43 Prozent).
Wissenslücken bei Mund- und Allgemeingesundheit
59 Prozent halten sich für informiert über den Zusammenhang von Mund- und Allgemeingesundheit. Im Detail zeigen sich jedoch erhebliche Lücken:
Knapp zwei Dritteln (65 Prozent) ist nicht bekannt, dass Karies eine Infektionskrankheit ist. Mehr als die Hälfte kennt die möglichen Risiken von Zahnfleischerkrankungen in der Schwangerschaft nicht. 49 Prozent wissen nicht, dass Kariesbakterien Allgemeinerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes begünstigen können.
Der Wissensstand variiert stark nach Alter: Bei den Auswirkungen von Zahnfleischproblemen auf den Körper sind Babyboomer mit 58 Prozent deutlich besser im Bild als die Generation Z mit 37 Prozent. Auch den Zusammenhang zwischen Kariesbakterien und Allgemeinerkrankungen kennen 65 Prozent der Babyboomer, aber nur 36 Prozent der Generation Z.