Branchenmeldungen 02.09.2026
Erhöhtes Kariesrisiko bei eingeschränkter Mundhygiene
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Im Fokus steht die individuell angepasste unterstützende Prophylaxe- und Erhaltungstherapie mit dem Ziel, die orale Situation langfristig zu stabilisieren und die Erhaltung der natürlichen Dentition zu fördern.
Der 45-jährige Patient leidet aufgrund einer Zerebralparese seit Geburt an einer Tetraspastik. Er wird seit 17 Jahren zahnmedizinisch in unserer Praxis versorgt und dabei seit vier Jahren von mir betreut. Alle drei Monate findet eine Professionelle Zahnreinigung mit Entfernung aller supra- und subgingivaler Beläge statt, um eine langfristige Erhaltungstherapie zu gewährleisten. Der Patient hat ein massives Attritionsgebiss und die UK-Front wurde aufgrund Lockerungsgrad 2 geschient.
Anamnesen
Allgemeinmedizinische Anamnese
Aufgrund der Spastik ist der Patient in seiner Bewegung und Motorik massiv eingeschränkt. Er nimmt bei Bedarf krampflösende Medikamente, ist ansonsten aber allgemeinmedizinisch gesund. Er wohnt allein in seiner Wohnung und arbeitet als Softwareentwickler. Unterstützung in alltäglichen Dingen bekommt er von seiner Schwester, die ihren Job als Zahnmedizinische Angestellte damals für seine Pflege aufgegeben hat. Der Patient wird in allen Belangen von seiner Schwester unterstützt.
Zahnmedizinische Anamnese
Der Patient ist seit 17 Jahren Patient in dieser Praxis und kommt seit vier Jahren regelmäßig alle drei Monate zu einer professionellen mechanischen Plaqueentfernung (PMPR). Komplikationen oder weiteren Behandlungsbedarf im Sinne der konservierenden Zahnheilkunde gab es seit der letzten zahnärztlichen Kontrolluntersuchung nicht.
Mundhygieneanamnese/ Fluoridanamnese
Für die tägliche Mundhygiene benutzt der Patient zwei Mal täglich fluoridierte Zahnpasta unbestimmter Marke, eine elektrische Zahnbürste Pro Series der Marke Oral-B (Procter & Gamble) und, bei Bedarf, Mundspülung unbestimmter Marke. Die Anwendung von Interdentalbürstchen oder Zahnseide ist dem Patienten aufgrund seiner unkontrollierbaren Motorik nicht möglich.
Befunde
Extraoraler Befund
Es sind keine außergewöhnlichen, klinischen Auffälligkeiten vorhanden.
Intraoraler Befund
Der Patient hat ein massives Attritionsgebiss. Ein bis zwei Drittel der Zahnsubstanz ist durch Bruxismus schon verlorengegangen. Die Mundschleimhaut und die marginale Gingiva zeigen keine Entzündungszeichen. Harter und weicher Gaumen sind unauffällig.
Dentaler Fotostatus
Auf dem Fotostatus ist deutlich der Verschleiß der Zähne aufgrund der Attritionen zu erkennen. Auch erkennt man den massiven Substanzverlust in der UK-Front. Bei diesem Patienten findet eine reine Erhaltungsmaßnahme statt.
Diagnose/Ätiologie
Bei dem Patienten liegt aufgrund der eingeschränkten Mundhygienefähigkeit eine etablierte Gingivitis im parodontal vorgeschädigten Gebiss sowie ein erhöhtes Kariesrisiko vor. Die Situation soll durch eine regelmäßige PMPR in der Erhaltungstherapie stabil gehalten werden. Durch Bruxismus verursachte Attritionen mit massivem Substanzverlust.
Epikrise

Behandlungsablauf
- Zu Anfang der Behandlung spült der Patient mit Chlorhexidin. Mit Unterstützung in der Zwei-Becher-Methode, da der Patient das Speibecken schlecht erreicht.
- Anfärben der Plaque mittels Mira-2-Ton (Hager & Werken).
- Eine Mundhygieneunterweisung mit Optimierungsvorschlägen, an die Möglichkeiten des Patienten angepasst, wird durchgeführt.
- Anschließend folgt die supra- und subgingivale Reinigung nach dem GBT-Konzept, mittels Airflow Max (EMS Electro Medical Systems GmbH) in generalisierter und lokalisierter Perio Flow subgingival in lokalisierter Anwendung statt. Piezo und Handinstrumente sind lokalisiert zum Einsatz gekommen.
- Eine Fluoridierung, um thermische Empfindlichkeiten und Kariesrisiko an den freiliegenden Wurzeloberflächen zu minimieren, wurde aufgetragen. Ein Rezept für medelmex Duraphat® Zahnpasta (CP GABA GmbH) zur nachhaltigen Kariesprophylaxe wurde ausgestellt und dem Patienten eine Anwendung von 1x täglich, vorzugsweise am Abend erklärt.
Prognose und Recall
Aufgrund des hohen Kariesrisikos wurde in Absprache mit dem Patienten und seiner Schwester eine Erhaltungstherapie vereinbart. Ein Folgetermin in 12-14 Wochen wird vereinbart. Durch die regelmäßige PMPR soll eine Erhaltung des Gebisses so lange wie möglich gewährleistet werden.