Branchenmeldungen 11.07.2012
Keine neuen Zähne mehr über 80!
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Trotz der Milliardenüberschüsse der Krankenkassen überschlagen sich die Kassenmanager beider Provenienzen, gesetzlich wie privat, und die Politiker in öffentlichen Anklagen der „Kostentreibenden“ und vom „Pfusch“ profitierenden Abzocker aus dem Stand der Ärzte und Zahnärzte. Den Höhepunkt der Schlagzeilenträchtigkeit in den Medien schaffte der FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr mit seiner Forderung, die „Zahl der Hüft- und Knie-OPs“ drastisch einzudämmen, die Fallzahlen zur Kasseneinsparung zu reduzieren. Ein CDU-Jugendpolitiker brachte es auf den Punkt: „Keine künstliche Hüfte mehr auf Kosten der Kasse für 80-Jährige.“ Wann kommt die Jungpopulisten-Forderung „Keine neuen Zähne mehr über 80, es macht doch auch die alte Schlappe“. Gott sei Dank, so weit versteigen sich Funktionäre und Politiker noch nicht. Wenn auch die Angriffe, alle bereits der Strategieplanung für die nächste Bundestagswahl dienend, einer Generalmobilmachung gegen die Freiheiten, die sich die Zahnärzte in den letzten Jahren schaffen konnten – Stichwort Festzuschüsse, Mehrkostenvereinbarungen – gleichkommen.
Die Kassen wollen mit ihren Vorwürfen, medial bestens verbreitet, von der Tatsache ablenken, dass die Versicherten zu erkennen beginnen, dass sie die Rundumversorgung versprechen, aber nichts Ausreichendes dafür bieten. Dem Versicherten wird die Chance zu Eigenverantwortung und Therapiefreiheit bestritten, die Kassenbürokratie will Herr über das private Leistungsgeschehen werden. „Patientenschutz“ lautet die PR-Erfolgsformel der GKVen und PKVen im Kampf gegen die sogenannten „Zahnärzte-Privilegien“, indem alle klassischen Klischees bedient werden. Kampagnen gehen auch wieder vorüber, denken viele, nächste Woche wird eine andere Sau durchs Mediengeschehen getrieben. Ja, aber hier wurden von den Kassen mit Forderungen nach mehr „Transparenz“, nach „Sicherung von mehr Qualität“, nach „Schutz vor Abzocke“ Fakten in der politischen Diskussion geschaffen, die eine böse Folge für die Zahnärzteschaft in der Gesundheitspolitik der nächsten Bundesregierung zeitigen werden.
Leider müssen wir davon ausgehen, dass – in welcher Regierungskonstellation auch immer – der Weg in die Einheitsversicherung weiter vorangeschritten wird, – die FDP fällt als Regulativ, ob im nächsten Bundestag oder nicht, so oder so aus – und die Zahnarztfunktionäre werden wie bisher gegen diese Tendenzen machtlos bleiben. So bleibt nur eines, Pflege der Patienten als wichtigstes Gut,
toi, toi, toi,
Ihr J. Pischel