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Branchenmeldungen 21.02.2011

Sicher in der Luft – sicher im Mund

Sicher in der Luft – sicher im Mund

Was hat die Fliegerei mit der Zahnmedizin zu tun? Antworten darauf erhielten die Gäste von Thommen Medical zum After Work Apéro am 13. Januar in Zürich.

Die Entscheidung, ziehe ich den Zahn oder starte ich die Maschine durch, Zahnarzt und Pilot treffen ihre Entscheidung aufgrund von Expertise - darin waren sich die Referenten des Abends, Dr. Rino Burkhardt, Zürich und Daniel W. Knecht, Leiter a. i. des Büros für Flugunfalluntersuchungen (BFU) einig.


Jürg Stocker, Geschäftsführer Thommen Medical AG (Schweiz) zeigte sich in seiner Begrüssung sehr erfreut, dass der überraschende Themenmix von Mal zu Mal mehr Gäste anzieht. Rund zwei Stunden kurzweilige Fortbildung mit dentaler und ausserdentaler Horizonterweiterung begeistern. Freudig informierte er, dass die PRE-Launchphase für die neuen APLIQUIQ® / INICELL® -Implantate nun abgeschlossen ist und dass diese ab sofort in der Originalverpackung erhältlich seien. Die Innovation liege in der Konditionierung der Oberfläche. Dadurch werde eine höhere Implantatstabilität in der frühen Einheilphase und noch mehr Sicherheit als bisher erreicht.

„Irren ist menschlich – im Cockpit und in der Implantatchirurgie“, der Titel hielt, was er versprach: Es macht schon einen Unterschied, in der Zeitung über einen „Flugunfall“ zu lesen oder von einem Fachmann erklärt zu bekommen, warum es zum Unglück kam und mit welchen Mitteln Unfälle reduziert werden können.

Erfahrung macht noch keinen Experten


Dr. Burkhardt fragte: „Warum entscheiden wir so und nicht anders?“ und zitierte zum Einstieg aus einer Studie von Zaher et al. 2005 mit dem Röntgenbild eines parodontal stark geschädigten Zahnes. Extrahiert hätten danach knapp zwei Drittel der befragten Zahnärzte, etwa ein Drittel hatte keine Idee und nur knapp vier Prozent hätten den Zahn therapiert. Nach einer umfangreichen parodontalen, endodontischen und prothetischen Behandlung befindet sich dieser Zahn nach 15 Jahren immer noch in Situ. Mit diesem Beispiel demonstrierte Dr. Burkhardt, wie wichtig eine sorgfältige Abklärung vor einem Entscheid ist. Mehr denn je, sollte auch der Patient in die Entscheidungsfindung einbezogen werden. Dabei spielen in der Kommunikation mit dem Patienten medizinische, ethische und ökonomische Aspekte eine Rolle. Damit kam Dr. Burkhardt zu einem weiteren Thema: Was ist Expertise? Für ihn ist Expertise eine Geisteshaltung. Jahrelange Erfahrung macht noch keinen Experten. Nur ständiges Lernen, Akkumulation von „stillem Wissen“ und Lernen aus Fehlern, lassen einen zum Experten reifen. Gemäss Curriculumskomission Zahnmedizin verfügt ein Experte in der Theorie über solide Literaturkenntnisse in seinem Fachgebiet und beherrscht in der Praxis Variationen der Prozesse, die beträchtlich von der Norm abweichen.

Seit der Mensch denken konnte, wollte er fliegen!


„Flugangst ist eine sehr vernünftige Haltung“ mit diesen Worten begann Daniel Knecht, Pilot und stellv. Leiter des Büros für Flugunfalluntersuchungen (BFU) seinen Vortrag „Lernen aus der Realität“. In kaum einer Branche wird aus Fehlern mehr gelernt und eine „positive“ Fehlerkultur so gepflegt, wie in der Luftfahrt. Die Technik ist deshalb heute kaum noch Ursache für einen Flugunfall. Menschliches Versagen rückt stärker in den Vordergrund, die Umwelteinflüsse als Ursache nur leicht verringert haben. Soweit die Statistik. Nach der „Dupont-Pyramide“ führen viele kleine Vorfälle zu schwereren Vorfällen und schlussendlich zum Unfall. Daraus hat die Flugindustrie gelernt: Vorfälle werden schon an der Basis untersucht, der tägliche Betrieb wird möglichst umfassend überwacht, Flug- und Radardaten werden systematisch ausgewertet, Fehler müssen offen kommuniziert und dürfen nicht bestraft werden!! Dieser Gedanke setzt sich auch in der Medizin langsam durch.

Die Checkliste ist ein probates Mittel zur Fehlervermeidung und dient gleichzeitig dem Qualitätsmanagement. Sie wurde eingeführt als die Flugzeuge nicht mehr intuitiv fliegbar waren. Nach den Unfällen mit der De Havilland Comet vor fast 60 Jahren wurde der Flugschreiber geboren. Die Naturgesetze sind ehrlich: „Wenn Du einen Fehler machst, wird er dich töten“. Darum ist die systematische Suche nach Fehlern in der Fliegerei entscheidend zur Prävention. Zum Abschluss formulierte es D. Knecht positiv: „Das Wissen um die Begrenztheit des Menschen hat in der Aviatik allgemein zu grossen Sicherheitsmargen geführt: Meistens kann man sehr viele Fehler machen, bis es ernst wird“. Das klingt doch tröstlich und senkt die Flugangst.

Autor: Johannes Eschmann






Foto: © Johannes Eschmann
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