Branchenmeldungen 18.03.2026
Ein Tag als Zahnärztin: „Social Media ist mein zweiter Job“
share
Marlene, Sie zeigen auf Instagram Tools, Abläufe und Einblicke hinter die Praxiskulissen. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Inhalte aus?
Ich wähle Themen danach aus, was ich im Alltag ständig erklären muss, das heißt, wo ich die meisten Fragezeichen bei Patient/-innen, aber auch bei Freunden oder der Familie sehe. Natürlich gibt es zu den Behandlungen Aufklärungsgespräche und Beratungen, aber manchmal fällt es Patienten schwer, in solchen Momenten alles zu verstehen. Deshalb finde ich es so wichtig, Abläufe, moderne Technik und auch Basics in Reels transparent zu erklären, gerade wenn Ängste oder Mythen im Spiel sind. So entsteht Klarheit darüber, was wir tun, wie es funktioniert und auch, warum bestimmte Behandlungen sinnvoll sind.
Social Media bedeutet viel Arbeit hinter den Kulissen. Wie schaffen Sie das?
Social Media ist für mich schon zum zweiten Job neben der Praxis geworden. Ich habe damit angefangen, als ich noch 40 Stunden gearbeitet habe, und mache es auch jetzt parallel zu 33 bis 35 Stunden weiter. Es ist wie eine Medaille mit zwei Seiten: Ich sehe darin total viel Sinn und Freude, gerade wegen der Aufklärung und dem direkten Feedback, aber gleichzeitig gibt es auch diesen kontinuierlichen „Bringedruck“, immer wieder neuen Content zu liefern.
Damit es mich nicht überrollt, integriere ich es in meinen Alltag: auf dem Weg zur Arbeit Nachrichten und Kommentare beantworten, Ideen sofort notieren, und Content dann in die Zeitfenster legen, die sich wirklich ergeben. Und für Kolleg/-innen, die überlegen zu starten: Man muss das nicht komplett allein stemmen. Es gibt Agenturen und Services, die von Contentplanung über Dreh und Schnitt bis hin zum Community-Management vieles übernehmen können. Ich mache es persönlich gern selbst, aber delegieren ist absolut eine realistische Option, solange die Authentizität nicht verloren geht.
Viele Ihrer Reels transportieren einen Mix aus Leichtigkeit, Empowerment und Fachexpertise. Was möchten Sie jungen Zahnärztinnen vorleben, die zwischen Professionalität und Lifestyle vielleicht hin- und hergerissen sind?
Ich bin mit berufstätigen Eltern aufgewachsen, beide sind Ärzte, und mit drei Geschwistern, zwei Schwestern und einem Bruder. Für uns war es ganz selbstverständlich, dass Mädchen genauso ambitioniert sind, ernst genommen werden und ihren Weg gehen. Umso härter war der Realitätscheck nach der Uni: In meinen ersten Berufsjahren habe ich gemerkt, dass im medizinischen Alltag leider doch noch viel Schubladendenken existiert. Das reicht von sexistischen Kommentaren in Bewerbungsgesprächen bis hin zu unangebrachtem Verhalten einzelner Vorgesetzter und auch dieser subtilen Kleinrederei, wenn man sich fachlich positioniert oder Ansprüche formuliert. Und ja: Auch Patient/-innen reagieren manchmal anders auf Frauen! Das ist eine Realität, die man erst mal verarbeiten muss. Genau deshalb ist mir dieses Thema so wichtig: Man muss erst einmal Stärke aufbauen, um Grenzen zu setzen, nicht alles persönlich zu nehmen und trotzdem bei sich zu bleiben. Dazu gehört auch ein Punkt, über den viel zu wenig gesprochen wird: Viele Frauen trauen sich nicht, Gehälter selbstbewusst zu verhandeln oder einzufordern, obwohl sie fachlich genauso liefern. Ich finde, das ist ein ganz großes Thema, gerade in den ersten Berufsjahren, und es hat viel mit dem zu tun, wie wir sozialisiert werden und wie man uns teilweise begegnet. Gleichzeitig möchte ich zeigen, dass Professionalität nicht bedeutet, sich selbst zu neutralisieren: Ich will fachlich ernst genommen werden und gleichzeitig in meiner Weiblichkeit bleiben dürfen – ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen. Es muss möglich sein, sich gerne zu schminken, feminin aufzutreten, freundlich zu sein und trotzdem klar, souverän und intellektuell ernst genommen und nicht unterschätzt und auf Äußerlichkeiten reduziert zu werden. Und das passt auch zur Entwicklung unseres Berufs: Zahnmedizin wird immer weiblicher, und es studieren inzwischen mehr Frauen als Männer. Umso wichtiger finde ich es, diese Erfahrungen zu teilen, damit sich andere stärker fühlen, ihren Platz einnehmen und den Weg ein Stück leichter haben als wir am Anfang.