Branchenmeldungen 10.06.2013

Symposium zum 85. Geburtstag von Prof. Wilfried Schilli

Dr. Georg Bach
Dr. Georg Bach
E-Mail:
Symposium zum 85. Geburtstag von Prof. Wilfried Schilli

Foto: © Dr. Georg Bach

Wer es vermag, zu seinem 85. Geburtstag und fast 20 Jahre nach Ausscheiden aus dem aktiven Universitätsdienst einen Hörsaal bis auf den letzten Platz zu füllen, ja mehr noch, einigen Symposiumsteilnehmern sogar zu einem ungewollten Stehplatz zu verhelfen, ja der muss in der Tat über ein gehöriges Maß an Strahlkraft und die Fähigkeit besitzen, Menschen zu beeindrucken und für sich einzunehmen. Professor Wilfried Schilli gehört ganz zweifellos zu dieser besonderen Gattung Mensch und so war die außergewöhnliche Resonanz, welche das Symposium anlässlich seines 85. Geburtstages erfuhr, auch mehr als erklärlich.

Weggefährten, Habilitanden, ehemalige Mitarbeiter und Freunde des kieferchirurgischen Urgesteins, wie er im Rahmen der Veranstaltung liebevoll bezeichnet wurde, feierten Professor Schilli als herausragenden Wissenschaftler – und als besonderen Menschen. In idealer Weise ergänzten sich Grußworte und wissenschaftliche Beiträge, zeigten doch beide die Facetten auf, die Wilfried Schilli so besonders machen – den Menschen und den Wissenschaftler bzw. den Chirurgen.

Der Mensch Wilfried Schilli
Wilfried Schilli ist ein Kind der südbadischen Raumschaft. In Offenburg geboren und in Freiburg lebend und wirkend, ist er seiner Heimat stets treu und verbunden geblieben. Diese Bodenständigkeit und sein – in der Bezeichnung dem Zeitgeist folgend – authentisches Wirken sind eine Facette Wilfried Schillis.

Zugleich zeichneten und zeichnen ihn, dies eine andere Facette, die Fähigkeit, Visionen zu entwickeln und auch zu realisieren, aus, zudem die Fähigkeit stets über den eigenen Tellerrand zu schauen. So war ihm nicht nur die Entwicklung und das Prosperieren seiner Abteilung für Kieferchirurgie der Universitätszahnklinik Freiburg, die er in Nachfolge des damals sehr überraschend verstorbenen Professor Eschler übernahm, ein Herzensanliegen, nein, Schilli wollte sein Wissen und seine Fähigkeit auch an künftige Generationen weitergeben. Diese positive und nicht immer alltägliche Fähigkeit wurde ihm von allen Referenten, die meisten hatten dereinst bei ihm habilitiert, dankbar bescheinigt.

Einer seiner Habilitanden, Professor Jörg-Elard Otten, vermochte in launiger Weise und unterstützt von der Präsentation zahlreicher Schnappschüsse aus früheren Zeiten die Dankbarkeit aller ehemaligen Mitarbeiter Schillis auszudrücken, aber auch wie sehr der Mensch Schilli Spuren bei diesen hinterlassen hat. Wie sehr die ihm anvertraute Kieferchirurgie in der Ägide Schilli prosperierte, wurde ihm Rahmen des Symposiums mehrfach durch die Beiträge der Referenten dargestellt, wie sehr ihm aber auch das Wohl der gesamten Medizinischen Fakultät am Herzen lag, dies darzustellen war Aufgabe von Professor Jörg Rüdiger Siewert, Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums, welcher Schilli nicht nur für seine langjährige Arbeit u.a. als Dekan und Vorsitzender der Baukommisssion dankte, sondern auch betonte, dass die herausragenden Leistungen des Klinikums, die aktuell mehrfach Niederschlag in überaus positiven Bewertungen fanden, auf der überaus erfolgreichen Arbeit der „Generation Schilli“ fußen. In idealer Weise knüpfte Professor Elmar Hellwig, der zum Wirken Schillis in der Zahnklinik sprach, an die Ausführungen Siewerts an. Elmar Hellwig ging es aber um mehr, als um die Darstellung einer zweifellos hervorragenden Leistungsbilanz, ihm war es Anliegen, den Menschen Schilli und sein Wirken in der Zahnklinik darzustellen, seine Fähigkeit, auch schwierige Situationen im Rahmen eines guten Gespräches und mitunter auch eines „Vierteles“ badischen Gutedels zu lösen.

Wilfried Schilli wollte aber darüber hinaus mehr, er wollte stets Grenzen überwinden und Brücken schlagen – so gingen auch hier seine Aktivitäten weit über das übliche Maß der Tätigkeiten eines Hochschullehrers hinaus. Herzensanliegen waren ihm beste Verbindungen zu den zahnärztlichen Körperschaften, zu den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen und zu denen der anliegenden Gebiete des Dreiländerecks Schweiz-Frankreich-Deutschland. Viele dieser Weggefährten waren zum Symposium gekommen, aus dem Baselbiet, aus Baselstadt und aus dem Elsass. Für die Oberrheinische Zahnärztegesellschaft sprach deren Past-Präsidentin Professor Corinne Tadei Grußworte, auch der amtierende Präsident Professor Lambrecht war aus der Schweiz angereist. Die südbadische Gruppierung der Oberrheinischen Zahnärztegesellschaft wurde durch Dr. Jochen Schwalber vertreten, der seinen Vorgänger im Amt für sein einzigartiges Engagement würdigte.

Der Wissenschaftler und Kieferchirurg
Zumeist haben Ärztliche Direktoren einen Schwerpunkt ihrer Arbeit und Tätigkeit, und diesen „Stempel“ drücken sie dann ihren Abteilungen und indirekt auch ihren Mitarbeitern auf. Bei Wilfried Schilli hingegen war dies anders, er war auf vielen Gebieten der Zahnheilkunde und der Zahn-, Mund- und Kieferchirurgie erfolgreich als Chirurg und Wissenschaftler tätig. So erklärt sich nicht nur die beeindruckende Zahl von Habilitanden, sondern auch die Vielfalt der Themen, mit denen sich seine Mitarbeiter habilitieren konnten.

Professor Rolf Ewers (Wien) war es vorbehalten, den Startschuss zu dieser „Schilli-Leistungsschau“ zu geben. Ewers referierte über Osteosynthesen im Mittelgesicht und würdigte nicht nur den Mut Schillis, sich dereinst diesem Thema zu widmen – auch gegen teilweise enorme Widerstände –, sondern auch für den Erfolg seines Wirkens für die Patienten. Die von Schilli mitentwickelten Osteosyntheseplatten zur Versorgung von Kiefer-, Gesichtsfrakturen haben unzähligen Patienten viel Leid, extrem belastende konventionelle Verfahren und viel Zeit bis zur Genesung ge- und erspart. Hier kann mit Fug und Recht von einem Quantensprung in der Frakturversorgung, durch die erfolgreiche Arbeit Schillis und seines Teams, gesprochen werden.

Kein eigentliches kieferchirurgisches Thema war indes die Implantologie zur aktiven Zeit Schillis, diese wurde eher in den Praxen niedergelassener Kolleginnen und Kollegen forciert und zum öffentlichen Thema gemacht. Auch hier tickte Wilfried Schilli anders: Während zahlreiche kieferchirurgische Ordinarien der Implantologie eher abweisend gegenüberstanden, gründete Wilfried Schilli bereits 1980 mit Kollegen und Freunden zusammen das Internationale Team für Implantologie (ITI), heute die führende wissenschaftliche Gesellschaft auf dem Gebiet der oralen Implantologie. Das Amt des ITI-Präsidenten hatte Schilli über sechs Jahre inne und hat zudem auch den Weg der Implantologie hin zum wurzelanalogen Vollkörperimplantat aus Titan, wie dieses heute zum ganz überwiegenden Teil zum Einsatz kommt, forciert. Einer seiner Nachfolger im Amt des ITI-Präsidenten war Professor Dieter Weingart (Stuttgart), der zugleich auch ehemaliger Mitarbeiter Schillis ist und sich bei ihm habilitiert hatte. Er beschrieb den „Freiburger Weg“ der Implantologie und würdigte seinen akademischen Lehrvater als einen der Wegbereiter der Implantologie in Deutschland und im Ausland.

„Professor Schilli ist auch Radiologe“, mit dieser überraschenden Aussage zog Professor Jürgen Düker spontan die ungeteilte Aufmerksamkeit des Auditoriums auf sich, um dann mit einem leichten Augenzwinkern hinzuzufügen: „zumindest theoretisch.“ Er würdigte in seinen Ausführungen die vielen Ideen und Bemühungen Schillis, die Qualität der bildgebenden Verfahren in der zahnärztlich-kieferchirurgischen Diagnostik zu verbessern. Ein Beispiel sei hier erwähnt: Unzufrieden mit der Schärfe der damals verfügbaren Orthopantomographen, wurde auf Betreiben Schillis und Dükers ein konfektioniertes Gerät mit einem neuen Strahler so umgerüstet, dass dieses bereits Mitte der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts die Bildqualität lieferte, die mit heutigen 0,5 mm-Brennfleck-Orthopantomographen möglich ist. Die vielfältigen Aktivitäten der Schilli-Abteilung in nahezu allen kieferchirurgischen Disziplinen befruchtet naturgemäß auch die damals neugeschaffene Sektion Röntgen der Zahnklinik Freiburg, die Düker nach Abschluss seiner kieferchirurgischen Ausbildung bei Schilli übernahm und drei Jahrzehnte lang leitete. Sein Nachfolger im Amt, Dr. Christian Scheifele, rundete den Dükerschen Beitrag mit einem Ausflug in die neueste Dimension der zahnärztlichen Bildgebung, das dentale Volumentomogramm, ab.

Dank gilt den Organisatoren und Unterstützern des gelungenen Symposiums, hier sei an erster Stelle Professor Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen und sein Team genannt, denen eine engagierte, liebevolle und perfekte Durchführung der Veranstaltung bescheinigt werden kann, die allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zweifellos in bester Erinnerung bleiben wird. Schließen soll dieser Beitrag mit dem Wunsch, den zahlreiche Referenten dieses Abends an Professor Wilfried Schilli richteten: Ad multos annos!

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper