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Branchenmeldungen 04.10.2019

Studium im Ausland: „Es war meine einzige Chance“

Studium im Ausland: „Es war meine einzige Chance“

Dass man alles schaffen kann, man muss es nur wirklich wollen, ist eine alte Küchenweisheit, die sich spätestens in Bezug auf das Studium der Zahnmedizin leicht widerlegen lässt. Denn Zahnmedizin in Deutschland studieren zu wollen und es auch zu dürfen, sind, bei deutlich mehr Bewerberzahlen als vorhandenen Studienplätzen, eindeutig zwei Paar Stiefel! Oder anders gesagt: Für viele bleibt das Studium der Zahnmedizin an einer deutschen Universität ein unerfüllter Wunsch und jahrelanger Warteprozess ohne garantiertes Happy End, wie es uns der Zahnmedizinstudent Konstantin Schrader schildert.

Konstantin, du studierst zurzeit in Bulgarien Zahnmedizin. Warum hast du dich für ein Studium im Ausland entschieden?

Ich studiere jetzt genau ein Jahr an der Medizinischen Universität Sofia in Bulgarien, weil es meine einzige Chance war, das Zahnmedizinstudium zu beginnen. Mein NC war nicht gut genug, um über Hochschulstart in Deutschland anzufangen, deshalb entschied ich mich für die Alternative im Ausland. Ich habe mich vier Jahre lang regelmäßig in Deutschland beworben und trotz Ablehnungsbescheiden blieb und wuchs in mir das Verlangen, Zahnmedizin studieren zu wollen. Jetzt habe ich die ersten zwei Semester überstanden und bereue es nicht. In den vier „Warte“-Jahren habe ich in einem Zahntechniklabor gearbeitet und festgestellt, dass ich die praktischen Voraussetzungen eines Zahnarztes erfülle, weshalb ich jetzt viele Vorteile in der Vorklinik genieße.

Wie läuft das Studium an der MU Sofia genau ab?

Das Studium ist auf Englisch, was anfänglich für Verwirrung sorgt, aber damit ist man ja nicht alleine. Ich studiere in einer Gruppe von zehn Leuten. Darunter sind hauptsächlich Deutsche, ein paar Italiener und eine Griechin. Es gibt hier etwa 100 Zahnmedizinstudierende, die in Gruppen aufgeteilt sind, vornehmlich Griechen und auch viele Engländer. Die Griechen haben es nicht weit bis Bulgarien, und den Engländern fällt es wegen der Sprache wohl etwas leichter. Inhaltlich nimmt es sich nicht viel vom deutschen Studium, wir haben naturwissenschaftliche Praktika, Prothetik und Werkstoffkunde. Da es ein privater Studiengang ist, fallen pro Semester 4.000 Euro Studiengebühren an, was mich inzwischen aber weniger abschreckt, da ich sehr kostengünstig wohne. Lebensmittel und Freizeit sind in Bulgarien im Schnitt wesentlich günstiger als in Deutschland. Es kommt natürlich darauf an, wie man leben möchte, aber ich zahle für eine helle saubere Wohnung neben der Zahnklinik 250 € Miete in einer WG mit meinem italienischen Mitbewohner, der auch gleichzeitig ein Kommilitone von mir ist.

Daumen hoch, Daumen runter: Was ist deine Sichtweise auf das Prozedere der Studienvergabe in Deutschland?

Ich sehe es aufgrund meiner persönlichen Betroffenheit dementsprechend kritisch. Ich habe viel probiert, um in Deutschland Zahnmedizin studieren zu können, doch wurde letztlich woanders fündig.

Wartesemester waren keine Option für mich, weil ich nicht sechs Jahre warten wollte, um dann noch mal sechs Jahre zu studieren. Ich habe es über den Umweg eines Physikstudiums und den Quereinstieg versucht, doch wurde von allen Universitäten abgelehnt, da die Restplatzvergabe den Hochschulwechslern vorbehalten blieb. Inzwischen ist es aus meiner Sicht so gut wie unmöglich, erfolgreich zu klagen, da die Universitäten geschickt mit ihren Restplätzen umgehen. Man läuft Gefahr, hohe Rechtsanwaltskosten zu tragen, ohne die Sicherheit eines Erfolges.

Wie sieht es mit Tauschaktionen von Studienplätzen unter Studierenden aus – gibt es sie und wird das einfach von den Universitäten gestattet?

Mir sind da Gruppen bei Facebook ein Begriff. Dort können innerhalb Deutschlands Studierende im selben Semester wechseln. Ich habe mitbekommen, dass viele nach dem Physikum wechseln. Wenn man als Münchner nur einen Platz in Greifswald bekommen hat, will man vielleicht zurück in die Heimat und umgekehrt, so profitieren beide Seiten von einem Tausch.

Es liegt aber in der eigenen Verantwortung, einen Tauschpartner zu finden, auf den Verlass ist. Die meisten Unis machen wohl keine Anstalten, so einen Tausch zu blockieren, solange der Aufwand aufseiten der Wechsler ist.

Hegst du nach wie vor den Wunsch, in Deutschland (weiter)zustudieren?

Das kann ich jetzt noch nicht genau beantworten. Nach meinem ersten Jahr hier habe ich das Land ein bisschen kennengelernt, und jetzt schon wieder ans Zelteabbrechen zu denken, käme mir sprunghaft vor. Ich werde mir auf jeden Fall bis zum Physikum Zeit lassen, weil das hier ein wenig anders abläuft. Es gibt in dem Sinne kein Physikum wie in Deutschland, denn geprüft wird während der Semester. Ich habe schon vielen Kommilitonen gratulieren dürfen, weil sie als Hochschulwechsler nach Deutschland gegangen sind. Man läuft zwar Gefahr, vielleicht ein Semester zu verlieren, aber die Option „Deutschland“ ist in Sofia immer gegeben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Beitrag ist in der dentalfresh erschienen.

Foto: Patrick Daxenbichler – stock.adobe.com

 

Studienplatzklagen: Drei Fragen an Rechtsanwaltsexperte Ralf Bergert

Wie hoch liegt derzeit die Zahl der Studienplatzklagen in der Zahnmedizin?

Die Zahl der Studienplatzkläger ist je nach verklagter Universität unterschiedlich hoch und lag im Wintersemester 2018/19 zwischen einigen wenigen und 52. Nachdem es in den letzten Jahren einen leichten Trend hin zu weniger Studienplatzklägern gab, zeichnet sich wegen der Unwägbarkeiten bezüglich des ab dem Sommersemester 2020 neuen Hochschulstart-Studienplatzvergabeverfahrens ein zunehmendes Interesse an einer Studienplatzklage ab.

Lohnt sich Ihrer Meinung nach eine Studienplatzklage in der Zahnmedizin überhaupt? Wie sehen die durchschnittlichen Erfolgschancen aus?

Die Studienplatzklage ist und bleibt neben der regulären Bewerbung eine zusätzliche Chance. Zum Wintersemester 2018/19 konnten 14 Zahnmedizin-Studienplätze, 1. Fachsemester, unter in den erfolgreichen Studienplatzklageverfahren durchschnittlich 29 Antragstellern erstritten werden.

Was sollte man unbedingt im Vorfeld einer Klage beachten?

Zwei vorbereitende Maßnahmen sind wichtig. Erstens: Die Erfolgsaussichten von Studienplatzklagen im Studiengang Zahnmedizin, 1. Fachsemester, sind deutlich höher, wenn die Hochschulstart-Bewerbung durch einen auf Hochschulzulassungsrecht spezialisierten Anwalt optimiert wurde. Aufgrund rechtlicher Vorgaben müssen manche Universitäten in der Hochschulstart-Bewerbung an bestimmter Stelle angegeben werden, um diese überhaupt verklagen zu können. Hierzu sollten sich Altabiturienten rechtzeitig vor dem 31.5. und Neuabiturienten vor dem 15.7. für ein Wintersemester beraten lassen. Für ein Sommersemester gilt der 15.1. Zweitens: An Universitäten in einigen Bundesländern ist es erforderlich, bereits bis zum 15.7. für ein Wintersemester bzw. bis zum 15.1. für ein Sommersemester Sonderanträge auf Zuweisung eines Studienplatzes außerhalb der festgesetzten Kapazität zu stellen. Wird ein Anwalt hiermit nicht beauftragt, kann in diesen Bundesländern keine Studienplatzklage erfolgen.

 

Numerus Clausus Studiengang Zahnmedizin

Zum Sommersemester 2019 musste man, um im Rahmen der Abiturbestenquote einen Studienplatz im Studiengang Zahnmedizin zu erhalten, als Abiturient aus den jeweiligen Bundesländern folgende Durchschnittsnoten erreicht haben:

 

  • 1,1 mit Abitur in: Rheinland-Pfalz
  • 1,2 mit Abitur in: Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg und Bremen
  • 1,3 mit Abitur in: Hessen, MecklenburgVorpommern, Nordrhein-Westfalen
  • 1,4 mit Abitur in: Berlin (+ 11 Wartesemester) und Thüringen
  • 1,5 mit Abitur in: Sachsen und Schleswig-Holstein
  • 1,6 mit Abitur in: Hamburg, Niedersachsen, Saarland und Sachsen-Anhalt

 

Im Rahmen der Wartezeitquote liegt die erforderliche Wartezeit bei 13 Wartesemestern. Bei gleicher Anzahl an Wartesemestern benötigte man eine Abiturnote von mindestens 2,7 als nachrangiges Kriterium, welches gegenüber dem Sommersemester 2018 mit noch 2,9 angestiegen ist.

 

Quelle: www.studienplatz-klage.de

 

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