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Branchenmeldungen 15.08.2019

Das Zahnmedizin-Studium bei der Bundeswehr

Das Zahnmedizin-Studium bei der Bundeswehr

Was fällt Ihnen spontan zur Bundeswehr ein? Bestimmt Kasernen, Soldaten in Uniform und vielleicht noch unsere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Doch dass die Bundeswehr auch zivile Karrieren ermöglicht und Ausbildungsplätze für vielerlei Berufszweige, unter anderem auch für die Zahnheilkunde, bietet, ist weit weniger bekannt. dentalfresh hat mit Dr. Andreas Simka, Zahnarzt bei der Bundeswehr, hinter die Kulissen geschaut und seinen Werdegang nachverfolgt.

Herr Dr. Simka, Sie sind im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg tätig – wie sind Sie zu Bundeswehr und Zahnmedizin gekommen?

Aufgrund der damals noch bestehenden Wehrpflicht habe ich mich 2002 zunächst dazu entschlossen, meinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr abzuleisten. Den Gedanken, dort zu studieren, hatte ich bereits im Hinterkopf, da mein ältester Bruder auch schon bei der Bundeswehr studiert hatte. Ich habe mir dann gezielt den Bereich des Sanitätsdienstes für meinen Grundwehrdienst ausgesucht, weil ich mir so die Strukturen genauer ansehen und mich mit dem Gedanken „Soldat auf Zeit“ auseinandersetzen konnte. Nach der dreimonatigen Grundausbildung kam ich dann in meine eigentliche Verwendung, und damit in die Zahnarztgruppe Walldürn. Eigentlich wollte ich Humanmedizin studieren, doch der Zahnarzt in Walldürn empfahl mir die Zahnmedizin und ermutigte mich zur Bewerbung bei der Bundeswehr. Dafür musste ich in der Offiziersprüfzentrale in Köln drei Tage lang vielerlei Tests durchlaufen, von Sportprüfungen über verschiedene schriftliche und mündliche Prüfungen bis hin zum Gespräch mit einem Psychologen. Danach ging alles ziemlich schnell. Nachdem ich angenommen wurde, fuhr ich zurück nach Walldürn, packte meine Sachen und wurde nach München zur Offiziersausbildung versetzt. Sechs Monate nach meiner Eignungsprüfung startete ich mit dem Studium an der Universität Ulm.

Wie genau läuft das Studium ab und welche Vor- wie Nachteile ergeben sich aus der Anbindung an die Bundeswehr?

Das Ganze läuft eigentlich ganz unauffällig ab. Für die Zeit des Studiums wird man beurlaubt und kann sich komplett auf das Lernen konzentrieren. Die Bundeswehr hat bei verschiedenen Hochschulen in Deutschland ein Kontingent an Studienplätzen, die sie in Eigenregie vergeben können. Das heißt, man studiert dort, wo jeder andere Student auch studiert. Zu Anfang und Ende eines jeden Semesters trifft man sich mit seinem Betreuungsoffizier und den Studenten der anderen Semester zum Austausch. Verschiedene Leistungen, wie das Deutsche Sportabzeichen oder einen Leistungsmarsch zu absolvieren, gehören zum Soldatsein auch dazu. Sehr vorteilhaft ist sicherlich, dass man weiterhin Ausbildungsgeld erhält, von dem man sich das Leben und das Studium finanzieren kann. Den fehlenden finanziellen Druck nach dem Examen habe ich persönlich in der Praxis als vorteilhaft empfunden. Auch, dass man sich zu Anfang etwas mehr Zeit für die Behandlung lassen konnte, war ein großes Benefit. Man hatte die Möglichkeit, seine Fähigkeiten zu verbessern und erst mit der Zeit dabei auch schneller zu werden. In Bezug auf die Nachteile – natürlich möchte die Bundeswehr, dass man das Studium zügig abschließt. Nach jedem Semester muss man daher seine erworbenen Scheine nachweisen und bei einem Zusatzsemester dieses begründen. Ein gewisser zusätzlicher Druck entsteht dadurch schon.

Sie haben sich durch das Studium der Zahnmedizin bei der Bundeswehr automatisch für einen Zeitraum von mindestens 17 Jahren verpflichtet – das bürgt Sicherheit wie Einschränkungen. Wie gehen Sie damit um?

Ich denke jeder, der sich für eine so lange Zeit verpflichtet, hat sich bereits im Vorfeld seine Gedanken darüber gemacht. Der vorgegebene Weg ist zwar gerade, aber nicht so eng wie er womöglich erscheint. Es bleibt jedem selber überlassen, wie er sich innerhalb der Vorgaben entfaltet. Nicht immer mitentscheiden kann man jedoch bei der Wahl des Arbeitsplatzes. Wie im zivilen Leben gibt es für jeden attraktivere und weniger attraktive Orte. Auch ist immer etwas Eigeninitiative bei Fort- und Weiterbildung gefragt. Einzelne Fachbereiche wie die KFO und die Kinderzahnheilkunde werden nicht gefördert, da diese Behandlungen innerhalb der Bundeswehr nicht durchgeführt werden. Auch werden Implantate nur durch unsere Oralchirurgen und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen gesetzt. Für mich persönlich gehört gerade das Setzen von Implantaten zum Repertoire eines Zahnarztes und sollte bei Nachweis der Befähigung (z. B. Curriculum Implantologie plus ausreichende chirurgische Kenntnisse) möglich gemacht werden. Diese Limitationen waren mir allerdings vorher bereits bewusst.

Ist es für Sie möglich, sich innerhalb der Zahnmedizin zu spezialisieren und was haben Sie zukünftig vor?

Die Bundeswehr bietet intern in Zusammenarbeit mit der DG Paro ein Curriculum Parodontologie an. Auch im Bereich Funktionsanalytik und Funktionstherapie kann man sich curricular fortbilden. Mindestens zwei Jahre Berufserfahrung sollte man jedoch haben, um die Zusage zu diesen Fortbildungen über die Bundeswehr zu erhalten. Auch für die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Oralchirurgie kann man sich bewerben oder durch ein zusätzliches Studium der Humanmedizin zum Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen ausbilden lassen. Neben den genannten curricularen Fortbildungen habe ich letztes Jahr zivil den Masterstudiengang Endodontologie begonnen, um mich in diesem Bereich zu spezialisieren.

Was die Zukunft angeht: Für mich endet Mitte nächsten Jahres meine Dienstzeit bei der Bundeswehr. Nach 18 Jahren Anstellung möchte ich nun mein eigener Chef sein und mir meine Praxis nach meinen Vorstellungen gestalten. Ich freue mich auf neue Herausforderungen und auf die Selbstständigkeit.

Der Beitrag ist in der dentalfresh erschienen.

Foto: Photoshooter – stock.adobe.com

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