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Branchenmeldungen 13.03.2018

Implantologie-Pionier Prof. Dr. Dr. h.c. Hans L. Grafelmann verstorben

Implantologie-Pionier Prof. Dr. Dr. h.c. Hans L. Grafelmann verstorben

Am vergangenen Wochenende, kurz nach Vollendung seines 93. Lebensjahres verstarb in Bremen der Implantologie-Pionier und Gründungspräsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie e.V. (DGZI) – Prof. Dr. Dr. h.c. Hans L. Grafelmann. Ein Nachruf von Jürgen Isbaner, Chefredakteur des Implantologie Journal und Vorstand der OEMUS MEDIA AG.

Traditionell werden solche traurigen Ereignisse genutzt, um in chronologischer Reihenfolge die unzweifelhaften Verdienste des Verstorbenen aufzuzählen und entsprechend zu würdigen, was weiter unten auch noch in gebührender Weise geschehen soll.

Ich möchte an dieser Stelle einen sehr persönlichen Rückblick auf einen Mann liefern, den ich seit gut 25 Jahren aus meiner Arbeit als Chefredakteur und Organisator von diversen implantologischen Kongressen kenne.

Als die OEMUS MEDIA AG 1994 mit dem 1. IEC Implantologie-Einsteiger-Congress (findet 2018 in Mainz als IMPLANTOLOGY START UP zum 25. Mal statt) erstmals einen eigenen Implantologiekongress veranstaltete, steckte die Implantologie in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Dies obwohl bereits 1970 einige Enthusiasten um den damals 45-jährigen Bremer Zahnarzt Hans L. Grafelmann mit der DGZI die erste europäische Fachgesellschaft für Zahnärztliche Implantologie gegründet hatten.

Heute gibt es allein in Deutschland neben der DGZI noch drei weitere große Fachgesellschaften bzw. Berufsverbände der implantologisch tätigen Zahnärzte mit mehreren Tausend Mitgliedern. Auch ist aus einer Hand voll weltweit existierender Implantatsysteme ein schier unüberschaubarer Implantologie-Markt mit deutlich mehr als einer Million allein in Deutschland pro Jahr gesetzter Implantate geworden. Das einstige „Rotlichtmilieu der Zahnheilkunde“ ist heute nicht nur in der „Mitte“ angekommen, sondern es ist im Zuge der Digitalisierung zu einer zentralen Schnittstelle der modernen Zahnmedizin geworden. Der Erfolg hat bekanntlich viele Väter und so blickten folgende Generationen von Implantologen, vor allem auch in den implantologischen Fachgesellschaften, mitunter sehr abschätzig auf jene Praktiker herab, die mit sehr viel persönlichem Einsatz, privat finanzierten Studienaufenthalten in den USA und gegen erheblichen Widerstand – auch aus den Universitäten – letztlich der Implantologie in Deutschland den Weg geebnet haben, die die Chancen erkannt und natürlich auch genutzt haben, um eigene erfolgreiche Unternehmen aufzubauen. Von Beginn an waren sie aber auch bemüht, ihren empirischen Erfahrungen eine wissenschaftliche Basis zu geben.

1970 veranstaltete Hans L. Grafelmann gemeinsam mit dem New Yorker Implantologie-Pionier Leonard I. Linkow sowie 85 interessierten Kollegen im Parkhotel Bremen seinen ersten Implantologiekongress, der schließlich in die bereits erwähnte Gründung der ersten europäischen Gesellschaft für Zahnärztliche Implantologie – der DGZI – mündete. In der Folge wurden dann die sogenannten Bremer Implantologie-Seminare veranstaltet, die eine erste permanente Fortbildungsmöglichkeit auf dem Gebiet der Implantologie boten. Mit der Oralen Implantologie gab die DGZI bereits seit 1970 eine eigene wissenschaftliche Publikation heraus, in der Case Reports und Studien publiziert wurden – sozusagen der Urahn des heutigen Implantologie Journal. Eine erste Statistik der DGZI über 3.341 in einem Zeitraum von fünf Jahren (1970–75) gesetzten Blattimplantaten ergab z.B. schon damals eine Erfolgsquote von 92,9 Prozent, wobei die Misserfolge, so Grafelmann, damals wie heute vorrangig durch Fehler der Indikationsstellung für atrophierte Kiefer und auch bei der Insertionstechnik sowie unter anderem durch ungeeignete prothetische Versorgung entstanden waren.

Blattimplante sind längst hochmodernen Implantaten gewichen. In den Händen von Hans L. Grafelmann und seinen Mitstreitern waren sie – wie es der ehemalige DGZI-Präsident Gyula Takacs mal in einem Beitrag für das Implantologie Journal in Bezug auf den Implantologiepionier Ernst Bauer und seine Bauerschraube formulierte – wie die Hummel, die nach den Gesetzen der Physik eigentlich nicht fliegen kann, aber in den Händen von Ernst Bauer funktionierte es.

Nach seiner aktiven Zeit als DGZI-Präsident und praktizierender Implantologe unterstützte Prof. Dr. Dr. h.c. Grafelmann die Arbeit der DGZI u.a. mit Hilfe der von ihm mitgegründeten „Prof. Dr. Grafelmann Stiftung“. So überreichte er noch vor wenigen Jahren zum 42. DGZI-Jahreskongress in Hamburg einen Spendenscheck zur Förderung der Forschungs-, Weiterentwicklungs- und Fortbildungsaktivitäten der Fachgesellschaft. Er verband damit die Hoffnung, dass das Ziel der DGZI weiterverfolgt wird, jedem Menschen auch im Alter eine verbesserte Lebensqualität zu ermöglichen.

Ich habe Hans L. Grafelmann zusammen mit seiner Ehefrau Barbara – langjährige Geschäftsführerin der von ihm gegründeten Fa. Oraltronics – als einen charmanten und humorvollen Zeitgenossen erleben dürfen.

Ich erinnere mich gern an Zeiten zurück, wo wir bei unseren Einsteigerkongressen ihn aufgrund seiner nicht enden wollenden Vorträge als letzten Referenten platziert haben, damit er die Veranstaltung nicht „sprengt“. Ich habe erlebt und für das Implantologie Journal darüber berichtet, welche ehrliche Wertschätzung und fachliche Aufmerksamkeit ihm bei einem Kongress in Shanghai (1997) oder auch auf den Weltkongressen des ICOI zuteilwurde. Er hat frühe Generationen von Implantologen durchaus geprägt und hat auch uns als junge Leute in unseren verlegerischen Aktivitäten von Anfang an unterstützt und auch moralisch gefördert – auch dafür gilt unser Dank!

An der Wall of Fame der Implantologie der NYU war Prof. Dr. Dr. Hans L. Grafelmann schon zu Lebzeiten verewigt. Ich denke, dass alle, die ihn kannten, in Hochachtung an den Implantologen der ersten Stunde aus Bremen zurückdenken werden.

Jürgen Isbaner
Chefredakteur ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis
Chefredakteur Implantologie Journal

Foto: privat
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