Kieferorthopädie 11.08.2026

Die „Mini-Mausefalle“ zur präprothetischen Molarenintrusion



Elongierte Antagonistenzähne können die Versorgung dentaler Implantate mit prothetischen Suprakonstruktionen erschweren, da eine ausreichende Materialstärke zur Gewährleistung einer zufriedenstellenden Frakturresistenz häufig nicht erreicht wird.1

Die „Mini-Mausefalle“ zur präprothetischen Molarenintrusion

Foto: Dr. Lukas Droste, Prof. Dr. Benedict Wilmes

Um eine okklusale Reduktion oder sogar die Extraktion von Antagonistenzähnen zu vermeiden, kann der vertikale Raum für die prothetischen Suprakonstruktionen mithilfe kieferorthopädischer Maßnahmen vergrößert werden. Es ist jedoch zu beachten, dass die Intrusion elongierter Oberkiefermolaren eine kieferorthopädisch anspruchsvolle Therapie darstellt. Bei Verwendung konventioneller Apparaturen, wie Multibracket-Systemen, können unerwünschte Nebeneffekte wie die Extrusion benachbarter Zähne auftreten.2 Zudem wird die Brackettierung multipler Verankerungszähne von vielen Patienten als unästhetisch und belastend empfunden. Zur Vermeidung dieser Effekte hat sich die sogenannte „Mini-Mausefalle“-Apparatur (MM, Abb. 1) als geeignete Mechanik zur Intrusion von Oberkiefermolaren ohne unerwünschte Nebeneffekte auf die Nachbarzähne erwiesen.3,4

Die MM besteht aus zwei Miniimplantaten im anterioren Gaumen zur Verankerung, einer verbindenden Beneplate sowie einem daran befestigten Hebelarm zur Molarenintrusion (Abb. 1+2): Die Miniimplantate werden bevorzugt in der sogenannten T-Zone des anterioren Gaumens median oder paramedian (Abb. 4) inseriert.5–7 Zwei Fixierschrauben verbinden die Beneplate mit den Miniimplantaten. Ein an der Beneplate befestigter 0,8-mm-Edelstahldraht (oder TMA-Draht) fungiert als Hebelarm und muss an die Position der Miniimplantate, die Gaumenkrümmung sowie die okklusale Oberfläche des Molars angepasst werden. Durch Aktivierung des Hebelarms nach kranial wird eine konstante Intrusionskraft erzeugt.7 Zur Vermeidung von Kippbewegungen kann ein Transpalatinalbogen (TPA) eingesetzt werden, dann wird die Mechanik als klassische „Mausefalle“ bezeichnet.3,4 Wird wie bei der MM auf einen TPA verzichtet, ist eine engmaschige Kontrolle der Molarenbewegung erforderlich, um eine unerwünschte transversale Bewegung des Molars zu überwachen.

Behandlungsablauf

Eine 21-jährige Patientin benötigte ein dentales Implantat im Bereich des zweiten Unterkiefermolars rechts. Aufgrund unzureichenden vertikalen Platzes für eine prothetische Suprakonstruktion mit ausreichender Materialstärke wurde sie zur Intrusion des elongierten oberen rechten zweiten Molars in die kieferorthopädische Therapie überwiesen (Abb. 3). Die Röntgenaufnahme zeigte einen nah an Zahn 17 liegenden oberen Weisheitszahn.

Im Anschluss wurden zwei Miniimplantate mit einem Durchmesser von 2 mm und einer Länge von 9 mm paramedian in der T-Zone des anterioren Gaumens inseriert (Abb. 4), um daran eine Beneplate mit einem 0,8-mm-Edelstahldraht als Hebelarm zu befestigen. Nach der Extraktion von Zahn 18 wurde eine Intrusionskraft von etwa 100 g aktiviert (Abb. 5).

Eine erfolgreiche Intrusion des Molars war nach vier Monaten deutlich zu erkennen (Abb. 5). Durch die kieferorthopädische Behandlung konnte ausreichend vertikaler Raum für die prothetische Rehabilitation Regio 47 geschaffen werden (Abb. 6+7).

Schlussfolgerung

Die MM erwies sich als geeignetes Instrument zur Intrusion elongierter Oberkiefermolaren. Im Vergleich zur ursprünglichen Mausefalle-Apparatur, die zusätzlich einen Transpalatinalbogen umfasst, ist die MM kleiner dimensioniert. Dies führte zu einer höheren Patientenakzeptanz und erleichterte die Mundhygiene. Allerdings erfordert die Behandlung eine engmaschigere Kontrolle der Molarenbewegung sowie eine präzise Anpassung des Hebelarms an die gewünschte Zahnbewegungsrichtung. Die Verankerung im anterioren Gaumen erweist sich als überaus zuverlässig und ermöglichte einen komfortablen Zugang während der Therapie.

Weiterer Autor: Dr. Lukas Droste

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KN Kieferorthopädie Nachrichten 07/26

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Dieser Beitrag ist in der KN Kieferorthopädie Nachrichten erschienen.

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