Wissenschaft und Forschung 27.04.2026
Weniger Biss, mehr Gewicht? Zahnverlust erhöht Risiko für Gewichtszunahme im Alter
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In die Analyse flossen 903 Personen im Alter von 70 bis 79 Jahren ein, die über vier Jahre begleitet wurden. Als klinisch relevante Veränderung galt eine Zu- oder Abnahme des Körpergewichts von mindestens fünf Prozent. Während 25,6 Prozent der Teilnehmenden Gewicht verloren, kam es bei 11,5 Prozent zu einer Gewichtszunahme. Für Gewichtsverlust ließ sich kein Zusammenhang mit oralen Parametern nachweisen. Dagegen war eine Gewichtszunahme signifikant assoziiert mit einer geringeren Zahnzahl, einer eingeschränkten Kaufunktion und einem fortgeschrittenen parodontalen Attachmentverlust.
Besonders deutlich zeigte sich der Effekt im Seitenzahnbereich. Der Verlust posteriorer Okklusionskontakte, vor allem von Molarenpaaren, ging mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Gewichtszunahme einher. Umgekehrt nahm das Risiko mit jedem zusätzlichen Zahn sowie mit jeder funktionellen Okklusionseinheit ab. Als mögliche Erklärung diskutieren die Autoren eine verminderte Kaufunktion. Diese kann die Lebensmittelauswahl beeinflussen und dazu führen, dass häufiger weichere, stärker verarbeitete und energiedichtere Lebensmittel konsumiert werden. Eine direkte Analyse des Ernährungsverhaltens war jedoch nicht Bestandteil der Untersuchung.
1 Muñoz MS, Pola NM, Hilgert JB, et al. Functional tooth unit, periodontal status, and association with weight change in older adults. J Periodontol. 2026;1-12. https://doi.org/10.1002/jper.70100