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Statements 22.08.2017

Die Präsenz der Endodontie

Die Präsenz der Endodontie

Vor dem Hintergrund der weltweiten gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen – beispielsweise die Eska­lation der Auseinandersetzung auf den Straßen Hamburgs im Rahmen des G20-Gipfels, die unsicherer gewordenen Entwicklungen der Klimapolitik, die bisweilen als ungewiss empfundene Rolle des neuen Präsidenten der USA, die Diskussionen um Europa und nicht zuletzt die Entwicklungen in der Türkei, um nur ein paar Punkte zu nennen –, die manch einem von uns auf eine gewisse Art und Weise Sorgen bereiten, möchte ich dennoch einen Gedanken, der uns und mich persönlich in der Endodontie seit geraumer Zeit umtreibt, näher beleuchten.

Die Endodontie hat sich als elemen­tarer Bestandteil einer modernen Zahnerhaltungskunde in den letzten etwa 15 Jahren als Fachgebiet etabliert und sehr gut weiterentwickelt. Die Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie e.V. (DGET) verzeichnet Mitgliederzuwächse im zweistelligen Prozentbereich und die Nachfrage nach Tagungen, qualifizierter Weiterbildung und Kursen ist bei allen Anbietern weiterhin ungebremst. Die Zahl der von uns und auch den Zahn­ärztekammern angebotenen, meist ausgebuchten Curricula und Master­studiengänge zeigt dies deutlich. Das Engagement der DGET beschränkt sich dabei nicht nur auf Fragen der post­gradualen Ausbildung. In der Vergangenheit hatten wir auch bei Fragen der universitären Lehre die Möglichkeit, ein Beispiel wäre der Lernzielkatalog Zahnmedizin, uns konstruktiv einzu­bringen. Jedoch sollten wir bei allen positiven Entwicklungen der Endo­dontie – wie von Prof. Schäfer in einem Editorial erst kürzlich beleuchtet – einen Sachverhalt nicht aus den Augen ver­lieren: Diese positiven Entwicklungen spiegeln sich leider derzeit immer we­niger an den Universitäten wider. Es gibt kaum noch junge Kollegen, die sich im universitären Bereich der Endo­-dontie zuwenden. Dies mag auch an den fehlenden Perspektiven liegen – es gibt kaum noch endodontisch geprägte Lehrstühle, und eine Sektion für Endodontie ist an den meisten Standorten wie beschrieben, ebenfalls nicht mehr vorgesehen. Damit die Endo­dontie auch in Zukunft eine nachhal­tige Entwicklung nehmen kann, sollten wir in Zukunft auch als Fachgesell­-schaft gemeinsam mit den Universi­-täten daran arbeiten, diesen Trend umzukehren und wachsam sein. Die Präsenz der Endodontie an den un­terschiedlichen Universitäten schafft Nachhaltigkeit, sichert den wissenschaftlichen Nachwuchs und ist daher wichtig für die Entwicklung des ge­samten Faches.

Bei aller Kritik möchte ich jedoch hier wieder den Bogen zu den internatio­nalen Entwicklungen spannen. Gerade mit Blick auf die Entwicklungen in der Türkei – erst kürzlich wurden dort wie­­-der viele Professoren und Angehörige der Universitäten aufgrund von poli­tischen Gründen entlassen oder be­urlaubt – können wir in Deutschland die Möglichkeiten an den Universitäten gar nicht hoch genug einschätzen. Wir können unabhängig von Religion, politischer Ansicht und Geschlecht frei forschen, lehren, internationale Kooperationen eingehen und an den Ent­wicklungen unseres Fachgebiets mit­arbeiten. Dies ist in der heutigen Zeit ein großes Gut, und dass wir dies in einem seit vielen Jahrzehnten friedlichem Europa in Kooperation mit vielen Partnern tun können, ist sicherlich angesichts der heutigen Entwicklungen nicht mehr nur selbstverständlich. Dies sollten wir bei aller Kritik an den universitären Entwicklungen und Einrichtungen in unserem Land immer auch respektvoll und dankbar vor Augen haben und mit aller Kraft dafür Sorge tragen, dass dies auch in Zukunft nicht aufs Spiel gesetzt wird und weiterhin mög­­-lich bleibt oder gar ausgebaut wird.

Ich freue mich, Sie auch im Namen des gesam­ten Vorstands der DGZ und DGET zur 3. Gemeinsamen Jahrestagung der DGZ/DGET vom 23. bis 25. November 2017 nach Berlin einladen zu dürfen (www.dget.de).

Das Editorial ist in der aktuellen Ausgabe der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis – 7+8/2017 erschienen.

Foto: Privat
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