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Implantologie 05.09.2012

Implantologie bei osteoplastischer ­Rekonstruktion des Unterkiefers

Implantologie bei osteoplastischer ­Rekonstruktion des Unterkiefers

Ein entscheidender Grund für die Zunahme von Implantatversorgungen ist der Fortschritt auf dem Gebiet der Augmentationstechniken. Dabei lassen sich mittlerweile auch größere knöcherne Substanzverluste durch Knochentransplantate ersetzen. Somit können enossale Implantate zunehmend auch im Rahmen osteoplastischer Rekonstruktionsverfahren  eingesetzt werden.

Die Implantologie ist heutzutage als wichtige und komplexe Behandlungsmethode in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde fest integriert und als solche nicht mehr wegzudenken. Durch den mittlerweile stark gewachsenen Indikationsbereich erfährt die moderne Implantologie ein stetiges Wachstum. Ein entscheidender Grund für die Zunahme von Implantatversorgungen ist der Fortschritt auf dem Gebiet der Augmentationstechniken. Bis Ende der 1980er-Jahre stellten horizontale und/oder vertikale Knochendefizite eine Kontraindikation für eine Implantatbehandlung dar. Heute stehen dem Behandler zuverlässige Operationstechniken zur Korrektur lokaler Knochendefizite zur Verfügung.2,5–7 Dabei kommen in der klinischen Praxis häufiger erworbene Gewebedefekte als angeborene Gewebedefizite vor. Diese erworbenen Defekte treten vor allem als erste, unvermeidbare Konsequenz nach ausgedehnten chi­rurgischen Behandlungen von Tumoren und Entzündungen auf, seltener resultieren sie aus schweren Gesichtsverletzungen. Unabhängig von ihrer Ätiologie können Weichgewebsdefekte oder -defizite sowie Knochendefekte oder -defizite und Nichtanlagen oder Verlust von Zähnen isoliert oder kombiniert vorliegen.3 Auch das Ausmaß des Gewebemangels ist individuell verschieden und erfordert vor dem Beginn rekonstruktiver Maßnahmen immer eine auf den Einzelfall abgestimmte Planung. Hierbei ist die enge Kooperation von Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und Prothetik gefordert. Mit modernen chirurgischen und prothetischen Verfahren lassen sich Gewebedefekte behandeln, wobei der Einsatz zahnärztlicher Implantate nicht in allen Fällen unabdingbar notwendig ist. Ihre Verwendung trägt aber oftmals erheblich zur Verbesserung der Rehabilitation und damit zur Lebensqualität der Patienten bei.3

Klinik


Durch den Fortschritt auf dem Gebiet der Augmentationstechniken lassen sich mittlerweile auch größere knöcherne Substanzverluste, insbesondere im Unterkiefer, durch Knochentransplantate ersetzen. Somit können enossale Implantate zunehmend auch im Rahmen osteoplastischer Rekonstruktionsverfahren eingesetzt werden. Zur Wiederherstellung von Knochendefekten des Unterkiefers gelten die an A. und V. circumflexa ilium profunda gestielten Beckenkammtransplantate als rekonstruktive Maßnahme der Wahl. Das große Spongiosavolumen erlaubt die Aufnahme osseointegrierter Implantate (siehe Fallbeispiel 1) und damit eine spätere Wiederherstellung der Kaufunktion. Für posteriore Abschnitte des Unterkiefers lassen sich auch vaskularisierte Transplantate vom seitlichen Schulterblattrand gewinnen (Skapula-Lappen). Für die Wiederherstellung längerer Strecken von Unterkieferanteilen bis zum Ersatz eines ge­samten Unterkiefers haben sich Fibulatransplantate ­bewährt, die bis zu einer Länge von 25cm gewonnen werden können und an der A. und V. fibularis gestielt sind. Diese vorwiegend aus Kompakta bestehenden Transplantate erlauben die Wiederherstellung einer ausreichenden Unterkieferhöhe von ca. 2cm und sind auch für die Aufnahme osseointegrierter Implantate (siehe Fallbeispiel 2) geeignet.4

Fallbeispiel 1

Bei einem 44-jährigen Patienten wurde aufgrund eines Ameloblastoms (Abb. 1) eine Unterkieferkontinuitätsresektion von Regio 42 bis 47 durchgeführt. Die plastische Rekonstruktion des Defektes erfolgte mit einem gefäßgestielten Beckenkammtransplantat (Abb. 2). Für die spätere prothetische Versorgung wurden enossale Implantate inseriert (Abb. 3).

Fallbeispiel 2

Ebenfalls wegen der histologisch gesicherten Diagnose eines Ameloblastoms (Abb. 4) wurde bei einem 55-jährigen Patienten der anteriore Unterkiefer reseziert. Zur plastischen Rekonstruktion wurde ein gefäßgestieltes Fibulatransplantat eingebracht (Abb. 5), welches in einem zweiten Schritt mit Implantaten versorgt wurde (Abb. 6).

Diskussion


Die Implantologie hat mittlerweile einen festen Platz in der Zahnheilkunde eingenommen. Sie ist dem Versuchsstadium entwachsen, Risiken und Prognosen sind kalkulierbar geworden. Dank weiterentwickelter diag­nostischer und therapeutischer Methoden ist eine moderne Zahnheilkunde ohne Implantologie gegenwärtig nicht mehr denkbar.1,8 Dies gilt insbesondere im Rahmen der Versorgung von komplexen chirurgischen Situationen wie beispielsweise nach Rekonstruktionen im Unterkiefer. Dabei müssen natürlich im Vorfeld die Vor- und Nachteile kritisch betrachtet werden. So kann bei den chirurgisch rekonstruktiven Maßnahmen unter anderem beim Beckenkammtransplantat die eventuelle Beeinträchtigung des Patienten an der Entnahmestelle durch das Ablösen der am Beckenkamm inserierenden Muskulatur von Nachteil sein. Beim Skapula-Lappen sind der relativ kürzere Gefäßstiel und die geringe Dicke des Schulterblattes, insbesondere in medialen Anteilen, problematisch.4 Abhängig von der Anzahl und der Lokalisation der Implantate lassen sich dann bei der prothetischen Versorgung dieser chirurgisch komplexen Situationen drei Arten von Suprastrukturen unterscheiden: Neben der Versorgung mit festsitzendem Zahnersatz kann in zahlreichen Fällen auch bedingt abnehmbarer Zahnersatz oder herausnehmbarer Zahnersatz angezeigt sein. Dies gilt insbesondere in den Situationen, wenn nicht jeder fehlende Zahn ersetzt werden soll oder kann. Auch ist eine einfache Abnehmbarkeit der Suprakonstruktion bei der regelmäßigen Kontrolle des Operationsgebietes z.B. nach Tumorentfernung von großem Vorteil.

Resümee


Zur Versorgung von komplexen Situationen existieren geeignete bewährte chirurgische und prothetische ­Lösungen. Dabei basieren die Konzepte zur Gestaltung der implantatgetragenen Suprastrukturen weitgehend auf Techniken und Methoden, die der herkömmlichen Prothetik entliehen sind. Damit verbunden sind allerdings auch die bekannten Vor- und Nachteile der jeweiligen Versorgungsart.

Die Literaturliste finden Sie hier.

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