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Implantologie 09.03.2021

Zweiteilige Keramikimplantate bei kompromittiertem Knochen

Zweiteilige Keramikimplantate bei kompromittiertem Knochen

Keramikimplantate werden in der Literatur mittlerweile seit mehr als 30 Jahren beschrieben. Verwendet werden sie vor allem für den Ersatz von Wurzeln in zahnlosen Bereichen. Klinische Studien haben gezeigt, dass sich mit Keramikimplantaten Behandlungsergebnisse erzielen lassen, die mit denen von Titanimplantaten vergleichbar sind. Während der letzten zehn Jahre haben Zirko­niumdioxid-Implantate zunehmend ihren Weg in die Behandlungspläne von Implantologen gefunden.

Neben den ästhetischen Vorteilen schätzen Behandler Keramikimplantate für ihr überlegenes Weichgewebsverhalten. Das Material scheint von dem menschlichen Körper biologisch besser angenommen zu werden. Dies hat nicht zuletzt mit Blick auf die wachsende Anzahl an Periimplantitisfällen große Bedeutung. Um diese Hypothese zu untermauern, bedarf es jedoch ­weiterer Forschung. Um mechanische Hürden zu überwinden, wurden Keramikimplantate der ersten Generation als einteilige Implantate entwickelt. Allerdings war diese Form eher ungeeignet für die Behandlung von Fällen mit Knochenschäden und Knochen­resorption, für Sofortimplantationen, für Fälle mit geringem Knochenangebot oder niedriger Primärstabilität und im Allgemeinen für Fälle ohne eine Indikation für eine Sofortbelastung mit einteiligen Implantaten. In den vergangenen Jahren rückte allerdings die zweiteilige Konfiguration stärker ins Rampenlicht, da diese eine Behandlung von Fällen mit defizitärem Knochen möglich machte und es erlaubte, Heilungsphasen ohne Belastung zu durchlaufen. Im Folgenden werden mehrere klinische Fälle, in denen zweiteilige Keramik­implantate (TAV Dental) zum Einsatz kamen, präsentiert.

Fall 1 – Implantation und simultaner lateraler ­Knochenaufbau (GBR)

Der Knochenkamm im unteren molaren Bereich erwies sich als äußerst schmal, was die Vorhersagbarkeit des Implantationsergebnisses erschwerte. Die beiden zweiteiligen Zirkoniumdioxid-Implantate wurden simultan inseriert und laterale Knochenaugmentationsmaßnahmen mittels allogenem Knochenersatzmaterial und einer resorbierbaren Kollagenmembran wurden ergriffen (Abb. 1–10).

Fall 2 – Implantation im ­molaren Bereich und Guided Tissue Regeneration (GTR)

Der Patient verlangte ausdrücklich nach einem Keramikimplantat im molaren Bereich mit einem intraossären Defekt. Es wurden zwei zweiteilige Zirkondioxid-Implantate gesetzt. Simultan dazu wurde der intraossäre Defekt mit allogenem Knochenersatzmaterial und Emdogain versorgt. Von einer Sofortbelastung wurde abge­sehen (Abb. 11–20).

Fall 3 – Sofortimplantation und Osseodensification

Eine Trifurkation der Wurzel kompromittierte die Prognose für einen oberen Molaren. Die Prognose für einen zweiten oberen Molaren war aufgrund eines interradikulären Risses ebenfalls kompromittiert. Der Zahn wurde schonend extrahiert, um das interradikuläre Knochenseptum, in welches das spätere Implantat zu setzen war, intakt zu halten. Die Technik der Osseodensification unter Verwendung von Versah-­Bohrern erlaubte eine gute Stabilisierung des Implantats auf Tissue Level. Allogenes Knochenersatzmaterial und Calciumsulfat wurden verwendet, um die Alveole zu erhalten. Acht Wochen später konnten sich Behandler und Patient gleichermaßen über die erfolgreiche Integration des Keramikimplantats mit dem umliegenden Gewebe freuen (Abb. 21–31).

Zwei weitere Fallbeispiele sind durch Scannen des QR-Codes mit Abbildungen dokumentiert. Fall 4 beschäftigt sich mit einer Implantation in regeneriertem Knochen (zweistufiger Ansatz). Als Konsequenz einer fehlgeschlagenen Wurzelbehandlung wurde in einem ersten Behandlungsschritt der Zahn extrahiert und die Alveole anschließend im Sinne der „Socket Preservation“-Technik mit allogenem Knochenersatz­material und einer Kollagenmembran versorgt. Sechs Monate später wurde in einem zweiten Schritt ein zweiteiliges Keramikimplantat in den regenerierten Knochen inseriert (Abb. 32–42).

Im fünften Fall wird eine Sofortimplan­tation dargestellt. Ein frakturierter Prämolar wurde zunächst atraumatisch extrahiert. Anschließend wurde eine Sofortimplantation mit einem zweiteiligen Keramikimplantat auf Tissue Level durchgeführt. Als weitere Maßnahme kam die „Socket Preservation“-Technik mit allogenem Knochenmaterial und einer resorbierbaren Kollagenmembran zum Einsatz. Es erfolgte keine Sofort­belastung (Abb. 43–55).

Fazit

Keramikimplantate finden dieser Tage zunehmend ihren Weg in das Behandlungsarsenal von Implantologen. Einteilige Implantate scheinen gut als Indikation für die Behandlung von Fällen mit positiven, günstigen Knochensituationen geeignet. Das hier verwendete zweiteilige Keramikimplantat (TAV Dental) hingegen stellt eine gute Indikation für die Behandlung von Fällen mit kompromittiertem Knochen dar.

Weitere Fallbeispiele finden Interessierte hier.

Autor: Dr. Bernhard Dahan

Der Beitrag ist im Implantologie Journal erschienen.

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