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Kieferorthopädie 28.02.2011

Erneut wenige Besucher beim AAO

Erneut wenige Besucher beim AAO

Fünf Tage lang präsentierten in Washington D.C. über 200 Referenten jüngste Ergebnisse aus Klinik und Forschung und stellten rund 300 Aussteller ihre Produktneuheiten vor. Ein Bericht von Cornelia Pasold.

Am Wetter konnte es dieses Mal nicht gelegen haben, dass die American Association of Orthodontists erneut lediglich 16.000 Besucher bei ihrem Jahreskongress verzeichnete. Denn Washington empfing seine internationalen Gäste – bis auf wenige Ausnahmen – mit blauem Himmel und drückenden 30°.

Wissenschaftsprogramm


Trotz der wie stets hohen Anzahl an Referenten, waren viele Vorträge des wissenschaftlichen Programms weniger neu, ja teils sogar unter fast identischem Titel in vorherigen AAO-Meetings gehalten worden. Dennoch gab es einige interessante Redebeiträge, von denen an dieser Stelle eine kleine Auswahl Erwähnung finden soll.

Prof. Robert L. Boyd demons­trierte gleich am ersten Tag, inwieweit Minischrauben auch bei der Alignertherapie ein hilfreiches Behandlungsinstrument darstellen können. Anhand klinischer Beispiele zeigte er deren Einsatz zur stationären Verankerung in Klasse I-Fällen mit bimaxillärer Protrusion, bei denen eine maximale Retraktion der anterioren Zähne erforderlich ist, oder in Klasse II-Fällen maxillärer Protrusion und Intrusion der Molaren zum Schließen skelettal offener Bisse. Zudem verwies er mittels beeindruckender Aufnahmen auf die erweiterten Möglichkeiten bei Einsatz dreidimensionaler Diagnostik in der Therapie mit Alignern.

Die Professoren Giuseppe Scuzzo und Kyoto Takemoto gewährten einen Blick in die Zukunft und stellten im Rahmen eines Workshops und Vortrags eine „New Lingual Straight Wire Method“ bzw. die Vorteile des neuen STbTM-Bracketsystems LSW vor. Un­ter anderem präsentierten sie Studienergebnisse hinsichtlich Bogenformen (z.B. Un­tersuchungen anatomischer Bogenformen, Vergleich Mush­room – LSW der 90er-Jahre – neues LSW) mit dem Resümee: Nie wieder Mushroom-Bögen! Stattdessen könne die neue LSW-Form ohne Einschränkung bei allen Indi­kationen eingesetzt werden. Zudem wurden Designdetails der modifizierten STb-Brackets sowie erste Fallbeispiele vorgestellt.

Inwieweit Miniimplantate die linguale Orthodontie verändert haben, machte Dr. Pablo Echarri deutlich. Anhand klinischer Fälle erläuterte er verschiedene Indikationen für skelettale Verankerungen bei Anwendung der Lingualtechnik wie offener Biss, Tiefbiss oder asymmetrische Expansion. Des Weiteren nannte er geeignete sowie ungeeignete Insertionsregionen und ging auf Verlustraten in Abhängigkeit zum Insertionsort ein.

Interessant wie beeindruckend beim diesjährigen Meeting waren auch die Live-Demonstrationen von Prof. Sebastian Baumgärtel sowie Dr. Louis G. Chmura. Beide behandelten Patienten live im Washington Hospital Center, wobei die Bilder per Video­leinwand in die Vortragsräume übertragen wurden. Während Prof. Baumgärtel Minischrauben inserierte, demonstrierte Dr. Chmura anhand zweier Fälle (Freilegen nicht durchgebrochener Eckzähne, gingivales Recontouring im OK für bessere Ästhetik) den Einsatz von Weichgewebslasern in der KFO.

Industriemesse


Brackets
Im Bereich Brackets warteten gleich mehrere Firmen mit neuen Systemen auf. Leone (Vertrieb DE über Dentalline) z.B. stellte mit F 1000 ein passives selbstligierendes Bracket vor, welches u.a. über ein flaches Profil sowie einen NiTi-Verschlussclip mit Schiebemechanismus verfügt. Im Vergleich zu anderen Systemen weist dieses Bracket eine fünfeckige Basis (mit FDI-Kennzeichnung) auf. Mithilfe eines speziellen Instruments kann das Einlegen des Bogens sowie Schließen des Clips einhändig erfolgen. Von American Orthodontics wird mit EmpowerTM ein SL-System angeboten, welches zwei Bracketdesigns in einem System vereint. Diese unterscheiden sich durch einen variierenden Clip – interaktiv 5-5 OK/UK bzw. passiv 4-5 OK/UK – und ermöglichen dem Anwender somit deren gezielten Einsatz (Kraftniveau, Torque- und Rotationskontrolle) je nach Phase der Behandlung.

Ormco stellte mit Damon
ClearTM nun die komplett ästhetische Variante seines bekannten passiven SL-Bracketsystems vor, welche ab Juni dann auch in Deutschland erhältlich sein wird. Zunächst von 3-3 im OK zu haben (ab 10/2010 von 5-5 OK und 3-3 UK), entspricht dieses 1:1 dem Damon QTM-Design und bietet laut Hersteller die gleichen biomechanischen Vorteile wie die Metallversion. Eine Neuerung gibt es bei den Positionierungshilfen von Damon Q und Damon Clear. So bieten diese jetzt eine kleine Einkerbung (in Höhe des Slots) zur bes­seren Bracketpositionierung mittels Scaler. Seit gut einem Monat ist zudem das Damon Q-Bracket in der komplett individualisierten Variante als InsigniaTM SL erhältlich.

OrthoQuest (Vertrieb für DE: Dentalline, Ortho Organizers [EasyClick SLBTM]) präsentierte mit Sidus ein transparentes SL-Bracket aus biokompatib­len Acryl-Copolymer. Besonderheit hier sind der im Bracketkörper integrierte Clip sowie das wellenförmige Slotdesign. Das als selbstligierend kon­zipierte Bracket ist aufgrund seines Twindesigns ebenso für den Einsatz von Ligaturen geeignet.

Ebenfalls ästhetische Brackets wurden einerseits mit evrclearTM (Fa. Ortho Classic) – einem transparenten monokristallinen Bracket, erhältlich als Roth- oder MBT-Version – und andererseits mit dem polykristallinen Keramikbracket FLITM Signature Clear (RMO) (als Roth- oder Ricketts-Technik) vorgestellt.

Mit BioQuick® stellte FORESTADENT die nunmehr dritte Generation seines selbstligierenden Quick®-Systems vor. Die modifizierte Bracketversion verfügt über eine neue, der anatomischen Wölbung von Zahnkronen angepasste Basis, einen umlaufenden Padrand zur Minimierung des Überfließens von Kleber sowie einen modifizierten Verschlussclip mit Fangfunktion. Des Weiteren wurden u.a. die ebenfalls seit Anfang des Jahres erhältlichen MiniAnts®, eine breitenreduzierte Bracketvariante innerhalb des 2D®-Lingual-Systems, sowie die erstmals in 2009 präsentierten ästhetischen Quic­Klear®-Brackets gezeigt.

Ortho Technology hat sein passives SL-System überarbeitet und mit Lotus® Plus ein vom Design her verkleinertes Bracket mit optimiertem Clip vorgestellt. Das zum letztjährigen AAO-Kongress präsentierte SPEED Rhomboid-Bracket (Strite Industries) ist ab sofort von 7-7 OK/UK verfügbar. Zudem wur­de das Bracket für den oberen zweiten Prämolaren mit einer größeren Basis ausgestattet.

Neue Bukkal-Tubes zeigten u.a. die Firmen RMO (im Rahmen der FLITM-Serie) sowie Ortho Organizers mit MaestroTM (für 1. Molaren).

Bei den Lingualbrackets wird Ormco Ende des Jahres das neue STbTM-System Lingual Straight Wire (LSW) auf den Markt bringen. Dieses erstmals in den 1990er-Jahren vorgestellte und nun wiederum mit den Dres. Giuseppe Scuzzo und Kyoto Takemoto (weiter-)entwickelte System ermöglicht aufgrund seines überar­beiteten Designs u.a. erheblich größere Interbracketabstände sowie zahlreiche weitere Vorteile (re­duzierter Bite-plane-Effekt, leichteres Einligieren, weniger Bogen-Bending etc.), welche von genannten Herren im Rahmen eines parallelen Vortrags vorgestellt wurden. Im April 2011 soll dann beim WSLO-Kongress in Osaka die SL-Variante mit Vierkantslot präsentiert werden.

GAC präsentierte sein bereits seit einiger Zeit erhältliches, jedoch deshalb nicht minder interessantes Lingualbracketsystem In-Ovation LMTM im komplett neuen Marketinggewand – MTM® No Trace (wobei MTM nach wie vor für Minor Tooth Movement steht).

Aligner
Innerhalb dieses Minor-Tooth-Movement-Tools von DENTS­PLY GAC wird es Mitte des Jahres (zunächst nur in den USA) dann auch ein MTM® Clear-Aligner-System geben. Dieses ist für kleinere, eher kosmetische Korrekturen von 3-3 gedacht, wobei die Schienen aus ACE-Essix-Folien gefertigt werden.

TP Orthodontics präsentierte mit dem OriginatorTM auch ein neues Clear-Aligner-System mit jeweils fünf Schienen für OK/UK, welches ebenfalls für leichtere Korrekturen (Klasse I-Fälle mit leichtem bis mitt­lerem Engstand oder Lückenschluss bzw. Relapse-Fälle) geeignet ist. Des Weiteren stellte Great Lakes ein neues (Hard/Soft) Aligner-System namens Smart MovesTM für gleiche Indika­tionen vor.

Bögen/Federn
ODS präsentierte unter dem Namen LoFrix neue NiTi- sowie β-Titan-Drähte, bei denen durch ein neu entwickeltes Verfahren zur Oberflächenvergütung Reibungsverluste signifikant reduziert werden. Unerwünschte Kraftverluste und Nebenwirkungen aufgrund von Friktion werden somit erheblich vermindert. An den Universitäten Bonn und Köln wurden Untersuchungen durchgeführt, die zeigen, dass dabei die übrigen physikalischen Eigenschaften dieser Drähte nahezu unverändert bleiben.

Eine neue, von Dr. Richard McLaughlin (RPMTM-Technik) entwickelte Bogenform ist ab sofort mit den VIATM-Bögen von Opal Orthodontics (in Kürze Direktvertrieb über europäische Zentrale in Köln) erhältlich. Diese soll laut Herstellerangaben sowohl in der Front als auch im Molarenbereich eine hohe Passgenauigkeit aufweisen, da man sich bei der Entwicklung stark an der natürlichen Vorgabe der Zahnbogenform orientiert hat. VIATM-Bögen sind als Stahl-, β-Titan-, thermo-aktive NiTi- sowie als superelastische Variante in insgesamt drei Formen (ovoid, square, tapered) beziehbar.

Von Masel wurde ein neuer thermo-aktiver NiTi-Bogen na­mens CV SuperForceTM vorgestellt, der in den Dimensionen rund (.014'', .016'', .018''), quadratisch (.016'' x .016'') sowie rechteckig (.016'' x .022'', .017'' x .025'', .018'' x .025'', .019'' x .025'', .021'' x .025'') angeboten wird.

Bei DENTSPLY GAC ist die Bogenpalette um Sentalloy-Bögen für MTM®-Lingualbrackets erweitert worden. Neue Lingualbögen gibt es zudem von Highland Metals.

Eine Feder zum Torquen von Einzelzähnen stellte die Ortho Arch Company mit ETS (Excellent Torquing Spring) vor. Diese in zwei Größen erhältliche Feder sei laut Herstellerangaben überall an Bögen mit quadratischem oder rechteckigem Querschnitt der Dimensionen .016'' x .022'' bis .021'' x .025'' fixierbar.

Kleben
Primer und Versiegler in einem sind ab sofort unter dem Namen Opal®Seal bei Opal Orthodontics erhältlich. Genanntes Produkt gibt hierbei nicht nur Fluorid ab, sondern „lädt“ den Fluoridgehalt bei Verwendung fluoridhal­tiger Zahnpasta gleichzeitig wieder. Aufgrund der fluoreszierenden Bestandteile von Opal®Seal kann zudem beim Recalltermin bzw. Bogenwechsel per UV-Schwarzlicht geprüft werden, inwieweit der Demineralisierungsschutz noch gewährleistet ist bzw. erneut versiegelt werden muss.

Gleiche Firma präsentierte zudem eine neue LED-Lampe namens VALO. Dieses formschöne, aus einem Stück gefertigte Lichthärtegerät ist mit allen Adhäsiven kom­patibel und bietet u.a. einen äußerst flachen Gerätekopf für hohen Patientenkomfort.

Von der Firma Reliance wird mit RescueTM All Surface Bonding Kit ab sofort ein Klebe-Kit für alle Oberflächen (Zahnschmelz, Komposit, Porzellan, Kunststoff und Metall) angeboten. Zudem gibt es neu vom gleichen Hersteller ein Aligner Attachment Kit.

Instrumente
Einen komplett kabellosen Diodenlaser stellte Biolase Technology mit iLaseTM vor. Dieser bietet zehn verschiedene Programme, mit denen Weichgewebe bearbeitet werden kann (z.B. Freilegen nicht durchgebrochener Zähne, Kro­nenverlängerung etc.). Nicht mehr ganz brandneu war NV OrthoTM – das Pendant der Firma Discus Dental.

Leone zeigte mehrere neue Zangen und Cutter der Reihe ClassixTM (u.a. Omega-Loop-Formzange, Ligaturen-Cutter, Distal-End-Cutter etc.). Auch von der Firma Ortho Classic wurde mit PhantomTM eine neue Zangen- und Cutter-Serie vorgestellt.

Minischrauben
Neben den bislang angebotenen selbstschneidenden KFO-Miniimplantaten bietet Leone nun auch Pins an, die selbstbohrend sind (ø 1,75mm, Län­ge 8mm, niedrige oder hohe Kopfhöhe).

Weitere Neuheiten
Opalescence Trèswhite Ortho wird nun auch für den Bereich KFO angeboten. Das heißt, die Schienen sind hierbei hinsichtlich Größe so gestaltet worden, dass sie problemlos über Brackets passen und damit parallel zur Multibandbehandlung mit 8%igem Hydrogen-Peroxid gebleacht werden können. Da das aktive Material von innen aus dem Zahn he­raus wirke, sei es möglich, Zähne auch unter den Brackets aufzuhellen, wobei die mit Brackets beklebten Flächen genauso gleichmäßig aufgehellt würden wie die unbeklebten Zahnoberflächen.

Von Ortho Technology wird der verstellbare Platzmanager EZ Space MaintainerTM angeboten. Dieser wird direkt auf den Zahn geklebt (kein Abdruck, kein Labor) und ist als feste (Platzhalter) oder verstellbare Variante (aktivierbare NiTi-Feder) erhältlich.

Azure Ortho zeigte die leicht modifizierte GNE-Apparatur VECSTM, welche 2009 erstmals vorgestellt wurde.

Ausblick


Im nächsten Jahr findet der AAO-Jahreskongress in Chicago statt, und zwar vom 13. bis 17. Mai.

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