Anzeige
Zahntechnik 16.08.2011

„Jahrelange Erfahrungen bei Tarifverhandlungen“

Georg Isbaner
E-Mail:
„Jahrelange Erfahrungen bei Tarifverhandlungen“

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. vertritt seit 2010 auch angestellte Zahntechniker/-innen. Die ZT Zahntechnik Zeitung sprach anlässlich des im September stattfindenden 25. Bundeskongresses des Verbandes mit Hannelore König, der 1. Vorsitzenden des geschäftsführenden Vorstandes, über die berufspolitischen Herausforderungen im Zahntechniker-Handwerk und wie der VMF damit umgeht.

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V. hat seinen Hauptsitz in Dortmund

Der Verband medizinischer Fachberufe e.V.
hat seinen Hauptsitz in Dortmund. 

 

 ZT  Frau König, der Vorläufer des heutigen Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. (VMF) wurde bereits 1963 gegründet. Seit Sommer 2010 vertritt der Verband nun auch die angestellten Zahntechniker/-innen in Deutschland. Was bewog ihren Verband, sich den Zahntechnikern anzunehmen?

Der neue Verbandsname wurde 2006 bewusst mit der Perspektive einer Öffnung für andere Fachberufe im Gesundheitswesen gewählt. Bei dem Beruf des Zahntechnikers handelt es sich wie auch bei den Medizinischen, Zahnmedizinischen und Tier-medizinischen Fachangestellten um eine duale Ausbildung und eine Beschäftigung in überwiegend kleineren Unternehmen. Aufgrund diverser Schnittstellen zu den Zahnmedizinischen Fachangestellten wurde der Wunsch auf Mitgliedschaft in unserem Verband bzw. die Öffnung immer wieder an uns herangetragen.

 ZT  Worin besteht Ihr zahntechnisches Engagement?

Unser Engagement ist in erster Linie gewerkschaftliche Interessenvertretung der Beschäftigten. Diese wollen wir in allen medizinischen Zweigen so zuverlässig und kompetent  wie möglich vertreten. Gleichzeitig wird es natürlich auch darum gehen, unser breites Netzwerk aus fachlich versierten Kollegen/-innen auch im Bereich Zahntechnik zu nutzen und auszubauen.

 ZT  Ist der Verband bundesweit für die Zahntechnik tätig?

Der Verband ist bundesweit aktiv und besteht aus den vier Landesverbänden mit insgesamt 120 Bezirksstellen. Dort finden Fortbildungsveranstaltungen, Infotreffen, Stammtische und Qualitätszirkel für die Mitglieder statt.

 ZT  Das zahntechnische Handwerk in Deutschland wird auf der berufspolitischen Ebene in der Regel von freien zahntechnischen Verbänden, den jeweiligen Landesinnungen und dem Verband Deutscher Zahntechniker-Innung vertreten. Welche Vorteile bietet die VMF-Mitgliedschaft für Zahntechniker gegenüber einer rein zahntechnischen Interessenvertretung?

Als unabhängige Gewerkschaft konzentrieren wir unsere Arbeit und unser Engagement bewusst auf die Angestellten der Berufsgruppen. Mit unseren 25.000 Mitgliedern kämpfen wir für die gesellschaftliche Anerkennung dieser Berufe und die Sicherung der qualifizierten Arbeitsplätze, setzen uns für die zeitgerechte Aus-, Fort- und Weiterbildung in diesen Berufen ein und vertreten diese Berufe in der breiten Öffentlichkeit. Für Mitglieder bieten wir ein bundesweites Netzwerk, das es ihnen vor Ort ermöglicht, ihre beruflichen Probleme mit Gleichgesinnten zu diskutieren und sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren.

Außerdem bietet der Verband seinen Mitgliedern Rechtsberatung in allen beruflichen und sozialrechtlichen Fragen ab dem ersten Tag der Mitgliedschaft. Wenn die Mitgliedschaft bereits seit mindestens 12 Monaten besteht (bei Auszubildenden seit mind. 6 Monaten), vertreten wir unsere Mitglieder diesbezüglich auch vor Gericht.

Ich möchte an dieser Stelle be-  tonen, dass wir uns nicht als  Konkurrenz zum VDZI und zum Beispiel zum Freien Verband Zahntechnischer Laboratorien e.V. (FVZL) sehen, sondern hier den Dialog als Sozialpartner suchen. Als Berufsverband mit gewerkschaftlicher Zwecksetzung können wir im Übrigen nur angestellte Zahntechniker/-innen vertreten und stellen somit keine Konkurrenz zu Arbeitgeberorganisationen dar.

 ZT  In Anbetracht der, mit Verlaub, sehr bescheidenen Einstiegsgehälter für Zahnmedizinische Fachangestellte im Allgemeinen und für Zahntechniker/-innen im Besonderen – können Ihre gewerkschaftlichen Anstrengungen da überhaupt etwas ausrichten?

Dies ist sicherlich keine einfache Aufgabe, die nur mit einem langen Atem, viel Überzeugungskraft und der entsprechenden Lobbyarbeit gelöst werden kann. Als alleiniger Tarifpartner auf Arbeitnehmerseite bringen wir bei den Tarifverhandlungen jahrelange Erfahrungen mit. So haben wir für die MFA und TFA eine tarifvertragliche Gleichstellung von Ost und West erreicht. Tarifabschlüsse von ca. 5 Prozent im zurückliegenden Jahr sowie jährliche Verhandlungen bringen unsere Einstiegsgehälter Schritt für Schritt aus dem Niedriglohnbereich. Auch in  diesem Jahr konnten die Einstiegsgehälter bei den Medizinischen Fachangestellten um ca. 5 Prozent und bei den Zahnmedizinischen Fachangestellten um 6 Prozent erhöht werden. Mit dem im Tarifvertrag zur betrieblichen Altersvorsorge geregelten Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge wurde eine attraktive Vergütungskomponente für Arbeitnehmer und Arbeitgeber entwickelt, von der alle Beteiligten profitieren.

 ZT  Wie können die strukturellen Herausforderungen, wie z.B. die strikte Kostenanbindung an den § 71 SGB V (wodurch die bundeseinheitlichen durchschnittlichen Preise für zahntechnische Leistungen von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abgekoppelt worden sind, Anm. d. Red.), Ihrer Ansicht nach gelöst werden?

Da die Entscheidung im gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) getroffen wurde, könnten Gespräche sowohl mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen als auch mit den zahnärztlichen Vertretern und den anderen Vertretern im G-BA zielführend sein. Außerdem sollten die gesundheitspolitischen Sprecher der Parteien kontaktiert und eingebunden werden. Im Bereich der gerechten Entlohnung der Mitarbeiter/-innen in den zahntechnischen Laboren könnten auch andere politische Vertreter aktiviert werden. Sicherlich sind weitere strategische Partnerschaften, ggf. auch mit dem VDZI, sinnvoll.

 ZT  Welche Rolle spielt dabei Ihre Erfahrung mit den anderen medizinischen Fachberufen?

Ich denke, dass uns unsere Kontakte, z.B. zu den zahnärztlichen Vertretern, ins Bundesministerium für Gesundheit und zu gesundheitspolitischen Sprechern der Parteien dabei sehr nützlich sein können.

 ZT  Wer sind Ihre Partner bei der Aus- und Weiterbildung von Zahntechnikern?

Unsere Partner sind die Sozialpartner auf Arbeitgeberseite, somit die jeweiligen Landesinnungen des Zahntechniker-Handwerks. Bei den Medizinischen, Zahnmedizinischen und Tier-medizinischen Fachangestellten ist der Verband in allen Ländern mit mehreren Mitgliedern in den Berufsbildungsausschüssen der Landeskammern vertreten und übt bereits seit vielen Jahren sein Vorschlagsrecht auch für die Prüfungsausschussmitglieder aus.

Mit unseren Sozialpartnern aus diesem Bereich haben wir schon mehrere Neuordnungsverfahren unserer Ausbildungsordnungen im Konsens abgeschlossen und auch diverse Fortbildungscurricula sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene entwickelt. Wir pflegen einen lösungsorientierten und partnerschaftlichen Umgang mit den ärztlichen Arbeitgebern. Tragfähige tarifliche Vereinbarungen für  unsere Berufsangehörigen zeigen den Erfolg unserer Verbandsstrategie.

 ZT  Bildet der VMF selbst aus?

Der Verband bildet seit vielen Jahren im Beruf der Bürokauffrau/Bürokaufmann aus. Es ist für uns selbstverständlich, dass die verantwortliche Mitarbeiterin die Anforderungen der Ausbildungseignungsverordnung erfüllt.

 ZT  Was bieten Sie Ihren Zahntechnikern in der Ausbildung?

Gemeinsam mit unserem Bildungswerk für Gesundheitsberufe e.V. werden wir spezielle Seminare für auszubildende Zahntechniker/-innen organisieren. Bei unseren beliebten Azubi-Tagen in allen vier Landesverbänden werden wir spezielle Themen für Auszubildende aus der Zahntechnik integrieren, ebenso bei unserem jährlichen Bundeskongress im September.

Vom 9. bis 11. September findet in Dortmund der 25. Bundeskongress des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. statt. Was hat es mit dieser Veranstaltung auf sich?

Der Bundeskongress wurde vor 30 Jahren ins Leben gerufen und ist die zentrale Weiterbildungsveranstaltung unseres Verbandes. Hier können sich unsere Kolleginnen und Kollegen aus 90 Seminaren ihr Programm zusammenstellen, die Industrieausstellung besuchen, miteinander ins Gespräch kommen und auch berufspolitisch bestimmte Themen diskutieren.

Ganz nach unserem Motto wollen wir „DenkAnstöße aus der Praxis – Know-how für den Alltag“ geben. Dabei geht es sowohl um Soft Skills, wie wertschätzende Kommunikation und der gute Ton am Telefon, als auch um berufsspezifische Themen. Am Freitag starten wir mit einem Vorprogramm für Auszubildende, während am Sonntag Qualitätsmanagement und Führungskompetenz im Vordergrund stehen. Den Samstag beginnen wir mit einer interdisziplinären Fachdiskussion über verschiedene Aspekte von Gewalt und Vernachlässigung bei Kindern. Hier kommen Referenten von der Polizei, aus der Zahn- und der Humanmedizin zu Wort.

 

Vom 9. bis 11. September findet in der Dortmunder Westfalenhalle der 25. VMF-Bundeskongress statt

Vom 9. bis 11. September findet in der Dortmunder Westfalenhalle der 25. VMF- Bundeskongress statt.

 

 ZT    Worin besteht das zahntechnische Programm?

Am Freitag stehen Themen wie Arbeitssicherheit im Laboralltag, körpergerechtes Arbeiten als Zahntechniker/-in, Umgang mit Defibrillator bei Notfällen, das Verkaufsgespräch und rationelle Arbeitsvorbereitung in der Zahntechnik auf dem Programm. Am Samstag geht es um die Optimierung der Kommunikation im zahntechnischen Labor und die Kommunikation mit Kunden und Patienten. Für den Sonntag ist es uns gelungen, ZTM Thomas Jobst für die Seminare zum navigierten Implantieren und zum Thema „Von der Abformung bis zur Fertigstellung – digitale Prothetik“ zu gewinnen. Außerdem geht es um das Thema Arbeitssicherheit unter QM-Gesichtspunkten in der Zahntechnik. In einem interdisziplinären Seminar „Von der Diagnostik über die Implantation bis hin zur Suprakonstruktion“ wird Thomas Cosler einen Behandlungsfall darstellen. Weitere spezielle interdisziplinäre Themen sind die Traumata im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich, Abgrenzung von Essstörungen mit den Diätassistenten oder das neue Konzept für pflegende Angehörige mit den Physiotherapeuten.

Unserem Verband ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr wichtig, daher können alle Teilnehmer/-innen auch die Seminare der anderen Berufsgruppen besuchen. Für Kurzentschlossene noch der Hinweis: Anmeldungen sind auch direkt an den Kongresstagen vor Ort noch möglich.

Frau König, vielen Dank für das Gespräch.

Mehr Fachartikel aus Zahntechnik

ePaper

Anzeige