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Branchenmeldungen 19.05.2011

3. Zahnärztinnenkongress: Praxisnahe Fortbildung – muntere Gespräche

3. Zahnärztinnenkongress: Praxisnahe Fortbildung – muntere Gespräche

Ein sehr vielfältiges Programm gab es beim 3. Zahnärztinnenkongress des BZÄK-Ausschusses unter Vorsitz von Dr. Brita Petersen - alles in einer sehr entspannten Athmosphäre und mit vielen interessierten Nachfragen und Beiträgen aus dem Auditorium.

Angesprochen waren diesmal explizit die jungen Kolleginnen, wie „Gastgeberin“ Dr. Brita Petersen, Vorsitzende des BZÄK-Ausschusses für die Belange der Zahnärztinnen, im Einladungsflyer betont hatte. Gekommen waren dann zum 3. Zahnärztinnenkongress am 13. und 14. Mai in Frankfurt schließlich Zahnärztinnen aller Praxisjahre. Sie taten gut daran, denn das Programm, das das Organisationsteam der Hessischen Landeszahnärztekammer rund um Dr. Cornelia Panthen zusammengestellt hatte, übermittelte viel Interessantes und Nützliches aus Wissenschaft, Praxis und Management.

„Infos und Anregungen vermitteln ist eines der Ziele des Zahnärztinnen-Ausschusses“, sagte Dr. Petersen in ihren Eröffnungsgrußworten. Sie betonte die Bedeutung der Kolleginnen für die Zukunft des Berufsstandes. Es gehe nicht an, dass hochqualifizierte Zahnärztinnen aus familientechnischen Gründen nicht im Berufsstand bleiben, sich zu selten in der Standespolitik engagierten oder halbtags arbeiteten: „Wir brauchen eine lebensphasengerechte Berufsgestaltung!“ Dieser in die Diskussion gegebene Begriff stieß auf große Zustimmung und wurde in den Pausengesprächen vielfach zitiert. Aufgegriffen wurde er auch von Petra Knödler/apoBank, die als eine der Referenten aus dem Sponsorenkreis die Notwendigkeit flexibler Finanzierungsmodelle für Zahnärztinnen an Alltagsbeispielen untermauerte.

Fachprogramm mit Hirn und Herz

Regelrecht mitreißend war der Beitrag von Prof. Dr. Stefan Kopp/Frankfurt zum Thema Okklusion und Wirbelsäule. Verbunden mit einem kaum zu fassenden Überblick über schier hunderte von verschiedenen kleineren und größeren Muskeln wurde eindrucksvoll deutlich, dass selbst Schuheinlagen mit der Kieferposition in Verbindung stehen – und andere Körperregionen: „Bei manchen Patienten sollte man sich auch fragen: Muss ich erst ein Problem an der Hüfte lösen, ehe ich mich um die Zähne kümmern kann?“ Warum mehr als bisher ganzheitlich gedacht werden muss, brachte er auf einen klaren Punkt: „Man muss ja nicht pausenlos seinem Rezidiv hinterherlaufen...“. Hochanspruchsvoll war auch der Vortrag von Oralchirurgin OÄ Dr. Doris Seiz/Frankfurt, der anschließend enormen Beifall und hohes Lob erhielt: Sie berichtete über die wachsende Bedeutung der wiederholten Anamnese in der Zahnarztpraxis und schilderte eine enorme Anzahl an Wirkungen, Nebenwirkungen und Auswirkungen von Medikamenten und Erkrankungen auf das orofaziale System: „Ganzheitliches Betrachten des Patienten ist notwendig – es kann schließlich auch zu Implantatverlust kommen, weil der Patient eine Niereninsuffizienz hat!“ Grund sei die damit einhergehende Auslösung von Calcium aus den Knochen. Ihre Warnung: „Viele Patienten bekommen Sedativa und wissen das gar nicht.“ Spannend wurde es auch im Beitrag von Dr. Bettina Dannewitz, die über „aggressive Parodontitis“ berichtete und vielfältige Unterschiede im Vergleich zur chronischen Parodontitis auflistete – mit Konsequenz auf das Vorgehen. Hier spielten auch biologische Geschlechterunterschiede mit hinein. Ihre Warnung: „Aggressive Parodontitis ist keine Blickdiagnose!“ Die Erkrankung werde oft zu spät erkannt.

Praxismanagement: Sitzen, Reden, Rechnen

Praktisch wurde es bei Physiotherapeut Wolfgang Stelzenmüller/Neu-Isenburg und Zahnärztin Dr. Annekathrin Behrend/Gießen. Während es im physiotherapeutischen Beitrag unter anderem um den „Damensitz auf dem Stuhl ohne abgeklemmte Nerven“ ging sowie die richtige Sitzhöhe („die meisten Zahnärztinnen und Zahnärzte sitzen zu hoch“) und kleine Ausgleichsübungen zwischendurch, machte Dr. Behrendt Kommunikation „fühlbar“. Sie nahm das Auditorium mit in die gefühlte Welt rund um das Zuhören und die verschiedenen Ebenen des Reagierens auf eine gegebene Situation: „Es ist friedensstiftend, wenn Sie die Mechanismen des ‚aktiven Zuhörens’ in der Kommunikation mit den Patienten nutzen“, sagte sie und demonstrierte anhand praktischer Alltagssituationen, wie beide Seiten weitgehend unverletzt aus einer kritischen Situation herauskommen können. Welche nachhaltigen Veränderungen die steigenden Zahlen an Zahnärztinnen für den Berufsstand mit sich bringen, wurde beim Beitrag von Stephen Allroggen/Vorstandsvorsitzender der KZV Hessen spürbar: Nicht nur in Hessen steige die Anzahl der Angestellten unter den Zahnärztinnen prozentual erheblich schneller als die Zahl der Niedergelassenen. Er schilderte heute mögliche Niederlassungsformen, die auch Teilzeitbedürfnissen von Zahnärztinnen entgegenkämen. Nicht helfen könne die Körperschaft bei dem Wunsch nach mehr Unterstützung im Bereich Kinderbetreuung. In der anschließenden Diskussion wurden auch kritische Aspekte laut, unter anderem wurde nach dem Grund für die gleich hohen Beiträge für Niedergelassene und Angestellte gefragt. Der KZV-Vorsitzende erklärte verschiedene Zusammenhänge und regte an: „Wenn Sie an den Beiträgen etwas verändern wollen, dann bringen Sie das doch ein in die Vertreterversammlung.“ Um Zahlen ging es auch im Vortrag von Petra Knödler/apoBank („Ich möchte am liebsten alle angestellten Zahnärztinnen in die Niederlassung mitnehmen – da wollten Sie ursprünglich doch auch einmal hin!“) und seitens Peter Wittmann/Deutsche Ärzteversicherung, der beispielhaft den unterschiedlichen Versicherungsbedarf einer angestellten und einer niedergelassenen Zahnärztin erklärte.

Themen mit „Gender“-Aspekten

Einen für weiterbildungsinteressierte Zahnärztinnen interessanten Punkt übermittelte Dr. Giesbert Schulz-Freywaldt, Vizepräsident der Landeszahnärztekammer Hessen, in seinem Grußwort im Namen des Kammervorstands: „Die bevorstehende neue Weiterbildungsordnung nimmt bereits Rücksicht auf den wachsenden Anteil an Zahnärztinnen: Anerkannt wird jetzt auch Weiterbildung in Halbtags-Zeit.“ Er empfahl, die geplante Musterweiterbildungsordnung mit Blick auf die Belange der Zahnärztinnen selbst einmal zu prüfen. Bewegend war der Vortrag von Kammervorstandsmitglied Dr. Antje Köster-Schmidt, die den erarbeiteten Dokumentationsbogen für Zahnärzte zu „interpersoneller Gewalt“ vorstellte und die derzeitige Ausrichtung auf Gewalt gegen Frauen als erste Stufe bezeichnete: Nach ausreichend Erfahrung werde es auch um Gewalt gegen Kinder und gegen Männer gehen. „Wir haben ein Wissensdefizit: Wie sollen wir mit solchen Situationen umgehen?“ fragte sie und betonte das Ziel des Dokumentationsbogens sowie der ergänzenden Dent-Doc-Card: „Gewalteinwirkung erkennen, Patienten richtig ansprechen und alles gerichtsfest dokumentieren.“ Ein junges Thema, das laut Dr. Petersen in ihrer Anmoderation große Zukunft haben werde, präsentierte PD Dr. Dr. Christiane Gleissner, Präsidentin der neuen Deutschen Gesellschaft für geschlechterspezifische Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, zudem Vizepräsidentin des Dentista Clubs: „Die Zahnmedizin wird durch die Geschlechterperspektive gewinnen“, sagte sie und präsentierte Beispiele aus der Medizin und der Zahnmedizin. In der Praxis eingesetzte Klassiker unter den Analgetika wirkten bei Männern und Frauen anders intensiv, so ein Beispiel, ein anderes: Bluthochdruck bei Männern korrespondiert offensichtlich mit erhöhtem Zahnverlust – eine Beobachtung, die bei Frauen nicht bestätigt werden konnte. Der Satz, mit dem Dr. Dr. Gleissner ihren Vortrag endete, war auch so etwas wie eine Summary, die Dr. Petersen gern aufnahm: „Nicht nur durch die Geschlechterperspektiv, auch von den vielen Frauen im Fach wird die Zahnmedizin gewinnen.“ Der 3. Zahnärztinnenkongress war insgesamt eine ansteckend gut gelaunte und zudem fachlich eindrucksvolle Veranstaltung, die das Statement von Dr. Dr. Gleissner ganz eindeutig bestätigte.

Quelle: Dentista Club

Foto: © Dentista Club

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