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Branchenmeldungen 12.06.2012

ADT und DGPro tagen erstmals seit 24 Jahren gemeinsam

Georg Isbaner
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ADT und DGPro tagen erstmals seit 24 Jahren gemeinsam

Am Donnerstag, dem 7. Juni, startete die 41. Auflage der Jahrestagung der ADT in Zusammenarbeit mit der DGPro. Zahlreiche Workshops und Podien standen bis Samstag den über 1.000 Teilnehmern zur Auswahl. Im Mittelpunkt dieser Tagung war die „Digitale Zahnmedizin – Innovationen in der Kooperation Zahnarzt/Zahntechniker“.

Nach 24 Jahren richteten die ADT – Arbeitsgemeinschaft Dentale Technologien e.V., und die DGPro – Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien e.V., dieser Tage eine gemeinsame Jahrestagung in Böblingen aus. Vom 7. bis 9. Juni versammelten sich über 1.000 Teilnehmer aus Zahnmedizin und Zahntechnik zur inzwischen 41. Auflage der ADT-Jahrestagung bzw. zur 61. Auflage der Jahrestagung der DGPro, ehemals DGZPW.

Intensive Diskussion zum Auftakt

Prof. Dr. Jürgen Setz (Halle/ Saale), 1. Vorsitzender der ADT, zeigte sich gegenüber der Presse in einer Diskussionsrunde zu Beginn der Veranstaltung zufrieden über die Kooperation: „Ich bin glücklich, dass wir erstmals seit 24 Jahren wieder gemeinsame Sache machen.“ Auf die Frage, warum so viel Zeit verstrichen sei, bis wieder gemeinsam getagt werden konnte, entgegnete ZA Uwe Diedrichs (Vaduz), Vizepräsident der DGPro: „Es gab immer einen Referentenaustausch zwischen den beiden Gesellschaften in den vergangenen Jahren. Also 24 Jahre bedeuten nicht 24 Jahre Trennung.“ Dennoch deutete Prof. Setz an, dass in der Vergangenheit durch manche persönliche Differenzen der Vorgänger die Kooperation nicht so eng war, wie man es sich hätte wünschen können. Umso froher sei man über die erneute Intensivierung der Zusammenarbeit. Fahrt nahm die Diskussion auf, als das Hauptthema der Tagung „Digitale Zahnmedizin – Innovationen in der Kooperation Zahnarzt/Zahntechniker“ angesprochen wurde. Tatsächlich scheint es in vielen Fällen in der professionellen Kommunikation zwischen Arzt und Techniker noch Nachholbedarf zu geben.

Schnittstelle neu definieren

Zugegen bei der Diskussion war auch ZTM Gerhard Stachulla, stellvertretender 2. Vorsitzender der ADT und seit vielen Jahren Verfechter und Anwender digitaler Verfahren im zahntechnischen Handwerk. Auf die Verständigung zwischen Zahnarzt und Zahntechniker angesprochen, meinte er lapidar: „Manche Zahnärzte wissen gar nicht, was wir Zahntechniker alles können.“ Es fehle in einigen Fällen einfach an Kenntnis auf ärztlicher Seite, was zahntechnisch alles möglich sei. Schließlich plädierte Stachulla dafür, den Techniker stärker in die Planung einzubinden: „Bei aller digitalen Technik: Der handwerkliche Aspekt wird in der Zahntechnik immer eine Rolle spielen.“ Dem entgegnete Prof. Dr. Peter Rammelsberg (Heidelberg), dass die Zahnärzte sich inzwischen mit größerer Ernsthaftigkeit auf die digitalen Techniken zubewegen. Doch auch er sei sich dem Be-darf bewusst, dass Zahnärzte und Zahntechniker die therapeutischen Konzepte in der Prothetik viel stärker gemeinsam angehen sollten. ZTM Andreas Klar, im Beirat der Arbeitsgemeinschaft, plädierte dafür, dass aufgrund der neuen Technologien die Schnittstellen zwischen Techniker und Behandler neu definiert werden sollten. Auch ZTM Stachulla kann sich für die Zukunft vorstellen, die Workflows zwischen Zahnmediziner und Zahntechniker stärker zu trainieren, um im Labor-Praxis-Alltag besser zusammenzuarbeiten. Kritisch sieht Zahntechnikobermeister Jochen Birk der Zahntechnikerinnung Württemberg die Entwicklung bei den Chair-side-Lösungen, die seitens der Industrie den Praxen angeboten werden. Allzu oft müsse der Techniker doch noch nacharbeiten. Der Aufwand stehe aber für den Techniker dann nicht mehr im Verhältnis zur abzurechnenden Position: „Ich finde es bedenklich, wenn die Techniker Arbeiten korrigieren und nacharbeiten sollen, die sie noch nicht einmal selber im eigenen Labor hergestellt haben.“ Prof. Rammelsberg sprach aber noch einen anderen Aspekt der sogenannten Chairside-Lösungen an. Die Planung kleinerer prothetischer Arbeiten mit solchen Geräten ist zeitaufwendig, sodass dem Arzt damit auch wertvolle Behandlungszeit verloren gehen könne. Die Anwesenden sprachen sich dafür aus, dass zahntechnische Arbeiten weiter-hin vom Techniker übernommen werden.

Auszubildende dringend gesucht

Auch die akuten Nachwuchssorgen im Zahntechniker-Handwerk sprach Obermeister Birk an. Vor allem in Baden-Württemberg herrsche eine solide Auftragslage, aber eben auch ein massiver Mangel an Nachwuchskräften. Nicht gelten lassen möchte Birk die geringen Verdienste der Auszubildenden als Grund für den Nachwuchsmangel: „Auf lange Sicht hat ein Auszubildender in der Zahntechnik gute Verdienstmöglichkeiten – vor allem aber eine sichere Jobperspektive in einer spannenden und modernen Branche. Das ist heutzutage nicht selbstverständlich.“ Er bemühe sich in intensiven Gesprächen mit den Arbeitsagenturen in der Region, dem Negativimage der Zahntechnik als altmodischen Ausbildungsberuf entgegenzuwirken. „Die guten Ausbildungsperspektiven müssen nachdrücklicher kommuniziert werden“, sagte Birk. Wie die Situation in den anderen Bundesländern aussieht, wurde nicht besprochen.

Workshops und Podien

Dass die Zahnmedizin und Zahntechnik im großen Maße eine Zukunftsbranche ist, be-wiesen nicht zuletzt die zahlreichen Workshops und Vorträge zu den neusten digitalen Verfahren. Schon lange geht es nicht mehr um die bloße Machbarkeit digitaler Prozesse. Vielmehr zeigen Workshopthemen zu digitaler Kieferrelationsvermessung, navigierter Implantologie mithilfe digitaler Daten, abdruckfreiem Arbeiten und digitalen Optionen für die Verbesserung der Ästhetik, dass die digitalen dentalen Technologien schon lange nicht mehr nur einen Teilaspekt der Therapie darstellen. Der digitale Workflow und die computergestützte Fertigung von Zahnersatz sind inzwischen bei vielen Indikationen soweit standardisiert, dass von bloßer „Zukunftsmusik“ keine Rede mehr sein kann. Hinzu kommt die neue Materialvielfalt, die den Prothetikern ermöglicht, den Zahnersatz noch besser auf die Patienten abzustimmen.

Am Donnerstagnachmittag eröffneten Prof. Setz und Prof. Rammelsberg dann das ADT-Vortragsprogramm. Prof. Dr. Daniel Edelhoff sprach zu innovativen Behandlungskonzepten unter Einsatz neuer Restaurationsmaterialien und CAD/CAM. Er zeigte, dass sich besonders Hochleistungspolymere aufgrund ihrer Langlebigkeit und Belastbarkeit als temporäre Restauration zur Ausdehnung der Vorbehandlungsphase eignen. Gerade bei der Rekonstruktion von Vertikaldimensionen könne hier eine hohe Vorhersagbarkeit für die definitive Rehabilitation gewonnen werden, so Edelhoff. ZTM German Bär zeigte in seinem Vortrag „2012 Zahnmedizin binär interdisziplinär vernetzt, Realität oder digitale Verblendung“, dass sich eine gleichbleibende Qualität zahntechnischer Leistungen dauerhaft nur mit digital gestützten Fertigungsprozessen wirtschaftlich realisieren lässt. ZTM Joseph Schweiger exerzierte die komplette digitale Prozesskette für vollanatomische Arbeiten durch – von der digitalen Abformung, über die digitale Modellherstellung bis hin zu computergestütztem Design und computergestützter Fertigung. Außerdem zeigte er, dass bestimmte digitale Verbundsysteme überragende Festigkeitswerte aufweisen. Prof. Dr. Joachim Tinschert sprach über intraorale Scanner-Technologien als „das Tor in die Zukunft der digitalen Zahnmedizin“. Gerade bei den Themen wie Qualitätssicherung und Dokumentation erwartet er große Auswirkungen im Praxisalltag. Dr. Christian Wegner gab Einblicke in seine Arbeit der digitalen Zahnmedizin. Vor allem in der zahnärztlichen Implantologie erweisen sich virtuelle Planung, dreidimensionale Simulation und schablonennavigierte Bohrungen als zuverlässige und sichere Methoden auch in der Praxis.

Zahlreiche weitere Vorträge renommierter Experten aus Wissenschaft, Praxis und Labor behandelten Themen von A wie Abformung bis Z wie Zirkoniumdioxid im Zeichen digitaler Technologien. Ein außergewöhnliches Vortragshighlight lieferte Flugkapität Manfred Müller mit seinem Vortrag „Der Mensch als Sicherheitsrisiko“. Dabei verdeutlichte er, dass Kritikfähigkeit und gesunde Teamarbeit entscheidend zum Erfolg beitragen. Als Fazit dieser Ver-anstaltung könnte man sagen: Es gibt viel zu tun, also packen wir es an – am besten: Behandler und Techniker gemeinsam!

Ein ausgiebiges Get-together am Donnerstagabend in der Industrieausstellung und eine große ADT-Party am Freitagabend in der Sindelfinger Stadthalle sorgten auch bei der diesjährigen Jahrestagung der ADT für ein rundum gelungenes Programm.

Die nächste ADT wird zur gleichen Jahreszeit, also vom 30. Mai bis 1. Juni 2013, in Böblingen stattfinden. Es wird eine „reine“ ADT-Tagung zum Thema „Regelversorgung: gleichartig/andersartig? – Wo bleibt die Okklusion?“

Foto: Quelle: OEMUS MEDIA AG
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