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Branchenmeldungen 21.02.2011

DGI-Kurs Implantologie versus Endodontie: „Ihr sollt ein schlechtes Gewissen haben!“

DGI-Kurs Implantologie versus Endodontie: „Ihr sollt ein schlechtes Gewissen haben!“

Ene Besonderheit im Curriculum der DGI / Deutsche Gesellschaft für Implantologie ist die per Diskurs vermittelte Grundsatz-Frage, ob Zähne besser endodontisch erhalten oder durch Implantate ersetzt werden.

Die Position der Endodontie vertritt dabei Dr. Josef Diemer/Meckenbeuren, diejenige der Implantologie Prof. Dr. Murat Yildirim/Düren, im DGI-Vorstand zuständig für Fortbildung. Ein besonderer Reiz dieser Konstellation sind die Innovationen: Da beide zahnmedizinischen Bereiche einer ständigen Aktualisierung in Wissenschaft und Technik unterliegen, werden auch die jeweiligen Pluspunkte beeinflusst, die beide Verfahren in der Gegenüberstellung für sich verbuchen können. Insofern wird es interessant werden, ob der Diskurs, der im August 2011 erneut im DGI-Programm steht, zu den gleichen Ergebnissen kommt wie das Modul vom Sommer 2010. „Wir wollen in unserem Curriculum nicht ‚Implantate um jeden Preis’ vermitteln, sondern unsere Kursteilnehmer zu kritischen Implantologen erziehen“, sagt Professor Yildirim, „und dazu laden wir gern und ganz bewusst mit Dr. Diemer einen der glühendsten Endodontie-Vertreter ein, den wir in Deutschland haben.“

Bilanz Kursmodul 2010: relativer Gleichstand


An sich, so wurde beim DGI-Kurs im Sommer 2010 in Frankfurt deutlich, scheint die Debatte entschieden – jedenfalls, wenn man allein auf die Kosten blickt. Eine sorgfältige Endodontie-Behandlung, wie sie Dr. Diemer den Kursteilnehmern präsentierte, hält eindeutig Augenhöhe mit den Kosten für eine Implantation oder geht sogar darüber hinaus. Dr. Diemer: „Ein endodontischer Eingriff verursacht mehr Aufwand und ist schwerer als eine Implantation – eigentlich müsste sie daher teurer sein.“ Hinsichtlich der Kosten ging die Gegenüberstellung im Sommer 2010 also annähernd 1:1 aus. Ob die bevorstehende IDS Innovationen bringt, die sich auf den Aufwand auswirken, wird sich zeigen.

Welche der beiden Verfahren ist nun besser für den Patienten und seine künftigen Lebensjahre? Dr. Diemer zu einem Fallbild: „Wenn Sie bei diesem 35jährigen einen Zahn ziehen, um ihn implantologisch zu versorgen - was bedeutet das für seine weitere Mundgesundheitsentwicklung?“ Nur eine Wurzelbehandlung könne die natürliche Situation erhalten. Ein Pluspunkt für die Endodontie. Gegenfrage Prof. Yildirim: „Und wie wäre die fachliche Prognose für diesen Zahn in einer normalen Praxis ohne Mikroskop?“ Die Frage lässt Dr. Diemer zu: „Man muss wirklich alle Kanäle finden. Da ist schon die Frage, wer das in der Endodontie kann...“ Auch hier also erst einmal Gleichstand im Vergleich.

Ein weiterer Aspekt: die Prognose. Wie viel Lebenszeit wird die Wurzelbehandlung bringen, und wie zeichnet sie sich ab bei einem Implantat? Dr. Diemer sieht die Erfolgsfrage nüchtern: „Nichts ist ‚ganz sicher’ – auch das Implantat nicht.“. Dazu übermittelt er gleich eine eindrückliche Warnung an die Kurteilnehmer: „Wenn Sie sich für eine Wurzelbehandlung entschieden haben, lassen Sie sich nicht zum Herumdoktern verleiten! An einem Patienten wird nicht ‚probiert’.“Während – „zugeben“ – die wissenschaftlichen Daten für die Prognosen in der Endodontie eher dünn seien, hätte die Implantologie hier recht gute Karten: „Wenn alle Vorraussetzungen und das Vorgehen perfekt sind, könnte ein Implantat eigentlich für immer drin bleiben.“ Das darf man auch als Konter zur Frage von Prof. Yildirim nach den Möglichkeiten einer normalen Praxis verstehen. In beiden Bereichen erfordert nachhaltiger Erfolg fachliches Können. Gleichstand erneut.

Bleibt die Frage nach genau diesem Aspekt, dem Können der Behandler: Es gebe zwar verschiedene Protokolle in der Implantologie – das Vorgehen an sich sei aber weitgehend geklärt und werde von einem großen Teil der Zahnärzteschaft auch erfolgreich angewendet, so Prof. Yildirim. Diesen Diskussions-Punkt gab Dr. Diemer bedauernd ab: „Es ist tragisch, dass Zahnärzte so wenig Ahnung von der Anatomie im Wurzelbereich haben, und auch bei der Aufbereitung sehe ich vielfach Verbesserungsbedarf.“ Immer wieder gebe es Kollegen, die beispielsweise meinten, die Feile reinige den Kanal – das sei aber Aufgabe für die Chemie. Übersehen („Man muss sie finden wollen, um sie zu erkennen...“) würden oft auch Mikrorisse und Längsfrakturen: Eindeutige Indikation für Extraktion und je nach Planung eine Implantat-Versorgung. Aber dann holte er den Punkt auch gleich wieder zurück: Er ließ einen ganzen Wirbel an Fällen Revue passieren mit klarer Indikation für eine endodontische Versorgung mit bester Prognose. Dr. Diemer: „Jetzt habt ihr hoffentlich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ihr einen Zahn zieht.“

Foto: © Birgit Dohlus
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