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Branchenmeldungen 28.03.2017

Dreimal Compliance im Fokus

Dreimal Compliance im Fokus

Fluoridierung, Anästhesie, orale Mukositis in der Onkologie

Wesentliche Orientierung zur Compliance in den Bereichen Fluoridierung, Lokalanästhesie und interdisziplinäre Zusammenarbeit/Onkologie bot die Pressekonferenz von Kreussler Pharma auf der Internationalen Dental-Schau 2017. Im Folgenden wird über die wissenschaftlichen Ergebnisse und ihre Konsequenzen für die zahnärztliche Praxis berichtet.

Ein breitgefächertes Feld stellten Prof. Dr. Till Dammaschke, Oberarzt an der Poliklinik für Zahnerhaltung der Universitätsklinik Münster, Priv.-Doz. Dr. Gregor Petersilka, niedergelassener Zahnarzt und Parodontologe aus Würzburg, und Dr. Steffen Wagner, Onkologische Schwerpunktpraxis/Brustzentrum Saar-Mitte und Vorstandsmitglied des Berufsverbands Niedergelassener Gynäkologischer Onkologen in Deutschland e.V. (BNGO) anlässlich der Pressekonferenz in Studien und Fallbeispielen vor. Daraus leiteten sie wertvolle Maßgaben für die zahnärztliche Praxis ab.

Vorteil für Aminfluoride wächst mit besserem Geschmack

Prof. Dr. Dammaschke griff das Thema „Fluoridierung“ auf. Er stellte zunächst einen Irrtum der Vergangenheit richtig: Früher dachten viele Wissenschaftler und Kliniker, dass eine systemische Fluoridierung den Zahnschmelz nachhaltig gegen die Säureangriffe durch kariogene Bakterien schütze. Als eine probate Quelle sah man fluoridiertes Trinkwasser oder die Tablettenfluoridierung an. Allerdings kann der Patient den vermeintlich für lange Zeit erworbenen Schutz verlieren – zum Beispiel wenn er in eine Gegend ohne Trinkwasserfluoridierung umzieht oder die Fluoridtabletten absetzt und keine adäquate Mundhygiene betrieben wird.

Inzwischen weiß man: Die bessere Alternative besteht darin, jeden Tag kleinere Mengen Fluorid lokal an die Zahnoberfläche zu bringen. Eine mögliche Fluorid-Quelle stellt die Zahnpasta dar. Als zusätzliche Maßnahme können einmal wöchentlich angewandte hochdosierte Fluoridgelées hinzutreten (üblicherweise 12.500 ppm Fluorid).

Eine Befragung unter Zahnärzten ergab, dass mehr als zwei Drittel der Patienten Dynexaminfluorid Gelée hinsichtlich Geschmack die Noten 1 und 2 auf der „Schulnoten-Skala“ gaben. Damit besteht die berechtigte Hoffnung, dass diese Alternative eine gute geschmackliche Akzeptanz findet und vergleichsweise gern und regelmäßig verwendet wird – verbunden mit einer nachhaltigen Schutz-Wirkung1, 2.

Vorteil für nadelfreies Lokalanästhetikum aus der Zylinderampulle

Das Thema „Compliance“ spielte auch im zweiten Vortrag der Pressekonferenz eine wesentliche Rolle. Priv.-Doz. Dr. Petersilka berichtete von der Akzeptanz eines lokal anästhesierenden Monopräparats mit dem Wirkstoff Lidocain (Dynexan Mundgel [Zylinderampulle], Kreussler) durch 385 Patienten in 68 Zahnarztpraxen in einem Beobachtungszeitraum von September 2015 bis Juli 2016.

Das Präparat wurde im Rahmen einer Parodontitis-Therapie (PA), einer unterstützenden Parodontitis-Therapie (UPT), einer Professionellen Zahnreinigung (PZR) und einer Taschentiefen-Messung appliziert (Abb. 1).

Die Patienten gaben auf einer visuellen analogen Skala an, wie sie einen etwaigen Rest-Schmerz empfanden. Dabei gaben insgesamt 95 Prozent „ausreichend schmerzfrei“ (10,4 %), „weitgehend schmerzfrei“ (46,6 %) oder „schmerzfrei“ (38,0 %) an. 92,4 Prozent der Befragten würden sich bei vergleichbaren zukünftigen Behandlungen wieder für diese Art der Anästhesie entscheiden. Über 95 Prozent der Behandler gaben für die Handhabung, den Wirkeintritt, die Wirkdauer und die Compliance des Patienten durchweg die Schulnoten 1, 2 oder 3, über 85 Prozent sogar die Bestnoten 1 oder 2. Besonders praktisch: Der Inhalt einer Ampulle wird Quadrant für Quadrant appliziert und reicht in der Regel für eine komplette Instrumentierung aus.

Das wesentliche Fazit des Referenten3: Das verwendete Monopräparat aus der Standard-Zylinderampulle stellt eine sichere und effektive Möglichkeit dar, Patienten eine schmerzfreie Parodontitis-Therapie (PA), unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT) oder Professionelle Zahnreinigung (PZR) zu bieten.

Vorteil in der onkologischen Therapie: Zahnarzt frühzeitig einbinden

Dasselbe Lokalanästhetikum erweist sich auch bei Patienten unter onkologischer Therapie als wirkungsvolles Mittel. „Wir schicken alle unsere Patienten zum Zahnarzt, weil im Zuge einer Chemo-, Strahlentherapie und bei anderen modernen Tumortherapeutika häufig Nebenwirkungen im oralen Bereich auftreten können. Eine gegebenenfalls gebotene Zahnsanierung und das frühzeitige Erkennen von Läsionen der Mukosa reduziert erfahrungsgemäß das Risiko einer Mukositis. Dies ist insbesondere vor einer häufig durchgeführten Therapie mit Bisphosphonaten oder Denosumab essentiell, um zusätzlich die Gefahr von Kieferosteonekrosen (BP-ONJ) zu minimieren“, erläuterte Dr. Wagner. „Eine chemotherapieinduzierte Mukositis tritt, je nach verwendeter Wirksubstanz, in 10 bis 66 Prozent der Fälle auf und ist häufig sehr schmerzhaft und belastend.“

Der Fokus beim Management dieser Nebenwirkungen lautet4: „Nahrungsaufnahme ermöglichen, Lebensqualität erhalten“. Das kann nicht selten sogar erfolgsentscheidend sein – so im Fall einer Patientin, die ihre Chemotherapie aufgrund des Leidensdrucks durch Schmerzen und Mukositis abbrechen wollte. „Dank der konsequenten Schmerzausschaltung und Mukositistherapie und nachfolgender Prophylaxe ist sie dann aber doch dabei geblieben“, zeigte sich Dr. Wagner erleichtert. Das Entscheidende dabei: Die ursprüngliche Überlebensprognose kann gehalten werden (Abb. 2).

Außerdem stellte Dr. Wagner zwei weitere Patientenfälle im Detail vor und resümierte: „Die Maßnahmen bestehen als zwingende Sofortmaßnahme in einer lokalen Betäubung durch das lidocainhaltige Präparat (Dynexan Mundgel, Kreussler), das der Patient zu Hause auf schmerzende Stellen im Mund aufträgt. Im Gegensatz zu lidocainhaltigen Spülungen kann das Gel gezielt auf die schmerzenden Läsionen aufgebracht werden und wird so verzögert durch den Speichel verdünnt und verteilt.“

Während bei manifester Mukositis ein Vorteil einer zusätzlichen Anwendung desinfizierender Mundspülungen zusätzlich zur Lidocainanwendung nicht nachgewiesen werden konnte und bei bestehenden Ulcera schmerzverstärkend wirkt, ist nach erfolgter Abheilung zur Prophylaxe weiterer Episoden und in Fällen von schlechter Mundhygiene eine Spülung zum Beispiel mit Chlorhexidin (Dynexidin Forte, Kreussler) häufig sinnvoll. Auf die herausragende Rolle der Mundhygiene zur Prävention von BP-ONJ sei nochmals hingewiesen.

Fazit

Die dargestellten Beispiele aus unterschiedlichen Bereichen zeigen, welch bedeutende Rolle die Compliance generell in der zahnmedizinischen Prophylaxe und Therapie sowie im Besonderen bei der interdisziplinären Zusammenarbeit spielt. So könnten Patienten durch Geschmacksverbesserung zu einer konsequenten wöchentlichen Anwendung von aminfluoridhaltigem Gelée motiviert werden, was wiederum ihr Kariesrisiko senken könnte. Im Bereich der professionellen Prophylaxe birgt die nadelfreie Lokalanästhesie ein vielversprechendes Potenzial: keine Angst vor der Spritze bei PA und PZR, gewissenhaftere Wahrnehmung von Recall-Terminen, steigende langfristige Erfolgschancen.

Bei akuter Mukositis unter Chemo- oder Strahlentherapie ist eine rasche lokale Schmerztherapie vorzugsweise mit Lidocain indiziert, um Nahrungsaufnahme und Lebensqualität zu erhalten. Patienten mit zytostatischer und antiresoptiver Therapie (v.a. Bisphosphonate) sollten in jedem Fall zahnärztlich mitbetreut werden und verlangen besondere mundhygienische Kautelen.

Literatur

  1. Marinho VC, Higgins JP, Logan S, Sheiham A. Fluoride gels for preventing dental caries in children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev. 2002;(2):CD002280
  2. Kolb AK, Schmied K, Fassheber P, Heinrich-Weltzien R. Preschool children's taste acceptance of highly concentrated fluoride compounds: effects on nonverbal behavior. J Clin Pediatr Dent 2013; 38: 31-37
  3. Petersilka, G. Nicht-interventionelle Studie zur Erhebung von Erkenntnissen bei der Anwendung von Dynexan Mundgel® Zylinderampullen im Rahmen von Parodontalbehandlung und professioneller Zahnreinigung. Vortrag anlässlich der Pressekonferenz von Kreussler Pharma, 21. März 2017, in Köln
  4. Lalla RV, Bowen J, Barasch A, Elting L, Epstein J, Keefe DM, McGuire DB, Migliorati C, Nicolatou-Galitis O, Peterson DE, Raber-Durlacher JE, Sonis ST, Elad S und The Mucositis Guidelines Leadership Group of the Multinational Association of Supportive Care in Cancer and International Society of Oral Oncology (MASCC=ISOO). MASCC=ISOO Clinical Practice Guidelines for the Management of Mucositis Secondary to Cancer Therapy. Cancer 2014; 15(5): 1453- 1461

Quelle: Kreussler Pharma

Foto: ZWEILUX – Deiters & Hagedorn GbR, Maxi Uellendahl
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