Branchenmeldungen 19.05.2025

Einsatzbericht: Mobile Zahnmedizin in Madagaskar mit PlanetAction e.V.

Die deutsche, zahnmedizinische Hilfsorganisation PlanetAction e.V. betreibt Hilfsprojekte in afrikanischen Ländern wie Madagaskar. Die Einsatzgruppe um Autor Severin Hackenberger bestehend aus Dr. Giovanna Castelfranchi, Louisa Lappel, Tanbibi Mohammed, Katja Perepadya, Dr. Fabian Schmittner, Maximilian Sander, Leonard Bleker und Sven Bingenheimer war im März 2025 vier Wochen dort unterwegs.

Einsatzbericht: Mobile Zahnmedizin in Madagaskar mit PlanetAction e.V.

Foto: Severin Hackenberger

Nach der Zusage im Frühjahr 2024 organisierten wir als Gruppe ab etwa September Materialien und Flüge in abendlichen Zoom-Meetings. Mitte Februar brachen wir auf nach Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, und flogen per Inlandsflug nach Fort Dauphin im Süden der Insel weiter. Dort gibt es das Collège St. Vincentien Marillac mit einem Behandlungsraum und ein gut ausgestattetes Materiallager, das die Einsatzgruppen immer wieder mit auffüllen. Wir sichteten das Material, luden von allem die Hälfte auf Jeeps und verstauten den Rest in Hartschalenkoffern, um schnelles Schimmeln zu vermeiden. Mit drei vollen Jeeps brachen wir danach auf nach Amboasary-Sud im Landesinneren, wo wir die nächsten zwei Wochen im Collège St. Joseph Michel wohnten und arbeiteten.

Täglich mussten wir unter viel Aufruhr und Geschrei Zettel unter den Patienten verteilen, da wir nicht immer alle behandeln konnten. Ohne zwei Englischlehrer, die von Englisch auf Malagassy übersetzten, wäre das Behandeln nicht möglich gewesen. Trotzdem blieben Missverständnisse nicht aus: mit der Kochplatte, auf der wir in Drucktöpfen die Instrumente abkochten, schmorte die Leitung im Behandlungsraum durch, sodass wir ein Verlängerungskabel („longer cable“) verlangten. Man präsentierte uns einige Zeit später stolz einen sehr langen Holztisch: einen „longer table“ halt.

Auch aus fachlicher Sicht staunten wir manchmal nicht schlecht: wir extrahierten Zähne, an denen 20mm große Zysten baumelten, oder hatten eine Patientin, die bereits eine extraorale Fistel durch ihre Weisheitszähne hatte, sodass wir sie dringlichst nach Antananarivo schickten, da es in Amboasary kein Röntgengerät gibt. Großartige Zwischenfälle blieben uns aber erspart: wir hatten nur einen Patienten mit einer starken Nachblutung im Oberkiefer, die stundenlang nicht enden wollte, sodass wir das Gefäß mit einem über einem Feuerzeug erhitzten Kugelstopfer verödeten.

Nach zwei Wochen fuhren wir zurück nach Fort Dauphin, wo wir im Collège St. Vincentien Marillac mit den zurückgelassenen Materialien die nächsten 14 Tage behandelten und wohnten. Dort erwischte uns ein Zyklon, sodass wir zwei Tage ohne Strom arbeiten mussten. Die Einheit konnten wir damit gar nicht mehr für Füllungen und Osteotomien nutzen, aber auch die Kochplatte war außer Kraft gesetzt. Deshalb stellten wir den Drucktopf jetzt auf das Lagerfeuer der Schule, auf dem auch gekocht wurde, wobei fast die Plastiköffnung des Überdruckventils schmolz. So überbrückten wir die nächste Zeit lieber mit einem geborgten Dieselgenerator, bis sich die Stromversorgung nach einigen Tagen wieder entspannte. 

Neben Extraktionen standen in Fort Dauphin auch mehr Füllungen auf dem Programm, was wir unter relativer Trockenlegung mit Watterollen und einer Fahrradluftpumpe meisterten. Dazu waren wir auch in den umliegenden Schulen unterwegs, führten Putzdemos durch, verteilten Zahnbürsten, Zahnpasta und Anziehsachen. Leider tauschten die Menschen auf der Straße diese Sachen mitunter direkt gegen Essen, denn Madagaskar zählt zu den ärmsten Ländern der Welt: die Menschen sind mit dem Überleben beschäftigt und haben leider wenig Kapazität für die Mundhygiene. Sichtbar wurde das vor allem im lokalen Gefängnis, in dem wir an drei Tagen 300 Insassen, die in drei großen Zellen zusammengepfercht unter unmenschlichen Umständen hausen, behandelten.

All das machte die vier Wochen zu einer sehr eindrucksvollen Zeit. An dieser Stelle möchten wir uns auch ganz herzlich bei allen Dentalfirmen, Praxen, Apotheken, Vereinen und Privatpersonen für die zahlreichen Material- und Geldspenden bedanken, die das ermöglicht haben.

Autor: Severin Hackenberger

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper