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Branchenmeldungen 27.03.2013

Erfahrungsaustausch unter Lingualexperten

Erfahrungsaustausch unter Lingualexperten

Zum 7. Mal fand die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Linguale Orthodontie statt – diesmal in Heidelberg. Dr. Andreas Hartmüller und Dr. Klaus Gerkhardt, die Tagungspräsidenten der diesjährigen Veranstaltung, konnten 180 Experten der Lingualtechnik begrüßen. Ein Bericht von Dr. Claudia Obijou-Kohlhas.

Hochinteressant war das von den Kollegen zusammengestellte, wissenschaftliche Programm, bei dem sich praxisnahe Vorträge mit klinisch-statistischen Beiträgen abwechselten. Das Besondere an der Tagung der DGLO waren wie immer die persönlichen Gespräche mit den Kollegen – bis in die Nacht hinein wurde bei den Abendveranstaltungen im Heidelberger Schloss und bei der Küchenparty im „Schwarz“ gefachsimpelt, gelacht und so manche Freundschaft geknüpft. Sehr zufrieden dürften auch die 16 Dentalaussteller gewesen sein, die in den Pausen hohen Andrang hatten und ihre große Auswahl an Lingualprodukten präsentierten.

Vorkongresskurs und Vorträge

Fast pünktlich zum 50. Jahres­tag der Deutsch-Französischen Freundschaft reiste der Kollege Dr. Christophe Gualano aus Toulouse an, um am Freitagvormittag zum Thema „Custom made lingual orthodontic treatment “ ein Vorkongressseminar abzuhalten. Der hochmotivierte Kollege verstand es, die Zuhörer mit seinem Vortrag über die Besonderheiten der Lingual Jet™ Appa­ratur in seinen Bann zu ziehen. Behandlungsmanagement und klinische Phasen stellte er eindrucksvoll dar.
 Praktische und klinische Anwendungen mit Patientenfällen rundeten schließlich seinen Vortrag ab. Am Freitagmittag eröffneten die Tagungspräsidenten Dr. Andreas Hartmüller und Dr. Klaus Gerk­hardt den Kongress feierlich und offiziell mit einem geschichtli­chen Überblick über die Entstehung der DGLO in Deutschland; anschließend präsentierte der Berliner Kollege Dr. Woo-Ttum Bittner in perfekter Manier kieferorthopädisch-kieferchirurgische Fälle mit dem SureSmile® QT System. Es scheint alles ganz einfach zu sein, vom digitalen Scan der Zähne bis hin zum virtuellen Set-up und zur computergesteuerten Bracketpositionierung und den von Robotern gebogenen Bögen. Und trotzdem verheimlich­te der Kollege dem Auditorium nicht, dass ein Positioner am Ende einer Lingualbehandlung durchaus die Ergebnisse noch verbessern kann. Wie gewohnt gab Dr. Thomas Banach aus Königstein seine zahlreichen Erfahrungen mit diversen Bracketsystemen anhand anschaulicher Fotos von seinen Patienten preis. Er plädierte für ei­ne Zukunft mit selbstligierbaren lingualen Brackets. Die Ergebnisse seiner Masterarbeit auf dem Gebiet der Lingualtechnik gab im Anschluss Dr. Stephan Pies aus Remscheid zum Besten. Sein Resümee war, dass die individuelle linguale Apparatur in Kombination mit einer Herbstapparatur weltweit die einzige ist, die eine vollständige Kontrolle der Unterkieferfrontzahninklination gewährleistet. Professor Dr. Dietmar Segner und Dr. Dagmar Ibe beschäftigten sich in ihrer Präsentation mit der gemessenen Häufigkeit von Bracketverlusten an 50 konsekutiven Lingualfällen in ihrer Praxis und stellten u.a. fest, dass sich bei manchen Patienten signifikant häufiger Brackets lösten als bei anderen. Anschließend hielt der von der griechischen Insel Kos stammende Kollege Dr. Eleftherios Kondylis einen Vortrag über seine VTE-Technik, was so viel bedeutet wie „Vorschau des therapeutischen Ergebnisses“ und ihm ermöglicht, anhand von fotografierten Patientenmodellen unter Nutzung von Adobe Photo­shop digitale Zahnbewegungen durchzuführen, um schrittweise die notwendigen Bögen für die 2D-Lingualtechnik herzustellen.

Anhand einer durchgeführten schriftlichen Umfrage an die Mitglieder der DGLO sowie an sämtliche Hochschulen konnte der 1. Vorsitzende der Fachgesellschaft, Dr. Peter Kohlhas, einen Überblick darüber geben, dass die Mehrheit der Kollegen sehr zufrieden mit ihren lingualen Behandlungsergebnissen sei, jedoch fast immer Finishingbiegungen durchführen müsse. Er schlussfolgerte, dass selbst die vorprogrammier­te, individualisierte Apparatur nur in die Hände von wei­terge­bil­deten Fachzahnärzten gehöre. Nachdem die noch junge Kollegin Dr. V. Hoffmann aus Mainz/ Essen eine kieferorthopädisch-kieferchirurgische Fallpräsentation eines Klasse III-Falles gezeigt hatte, ging es direkt weiter mit dem Vortrag aus der Kieferorthopädischen Abteilung der Uni Münster. Dr. Stefanie Flieger hatte in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ariane Hohoff et al. die Komplikationsraten bei der Behandlung mit einer vollständig individualisierten lingualen Apparatur gemessen und statistisch ausgewertet. Eine durchschnittliche Bracketverlustrate von 2,42 pro Jahr und Patient sowie zusätzliche Bogenreparaturen sollten bei Erstellung des Kostenplanes vorab einkalkuliert werden. Nichts für Langschläfer war der Vortrag der aus Freiburg angereisten, noch jungen Hochschullehrerin Prof. Dr. Britta Jung am Samstagmorgen. Unter Federführung von Prof. Dr. Dr. Wehrbein in Mainz erforschte sie die Verwendung von Gaumenimplantaten in der Kieferorthopädie und bewies, dass die Auswertung eines vorhandenen FRS zur Diag­nostik des Knochenlagers für das palatinale Verankerungsimplantat völlig ausreichend sei und es daher keines DVTs bedarf. Der als Oberarzt an der Uniklinik in Bonn tätige Kollege Dr. Nikolas Daratsianos analysierte in seinem Vortrag das Torquespiel in der Lingualtechnik und erkann­te, dass nur das Evolution SLT Bracket gefolgt von Incognito gar keinen bzw. einen geringen Torqueverlust bei der entsprechenden Bogenwahl aufweist. Als alter Hase in der Lingualtechnik bekannt, fesselte Dr. Jakob Karp aus Heimstetten seine Zuhörer mit diversen Fallpräsentationen, die die Zufriedenheit und Wünsche der von ihm behandelten Patienten wiederspiegelte, auch wenn er so manches Mal zu unkonventionellen Behandlungsansätzen greifen musste. Dr. Manuel Nienkemper aus Düsseldorf überzeugte in seinem Referat mit der hohen Stabilität und Variabilität der von ihm verwendeten BENEFIT-Palatinaltechnik. Zum Thema Splinttechnik meldete sich der 2. Vorsitzende der DGLO, Dr. Esfandiar Modjahepour, aus Krefeld zu Wort und erklärte, mit wie wenig Aufwand und Kosten eine einfache kiefer­orthopädische Lingualbehandlung durchgeführt werden kann.

Den mit 500 Euro dotierten Preis für den besten Vortrag erhielt der allen bekannte Kollege Dr. Björn Ludwig aus Traben-Trabach für seinen Beitrag: „Management nicht angelegter seitlicher Schneidezähne“. Der aus Baden-Baden stammende Kollege Dr. Hans-Jürgen Pauls gab einen Überblick über die von ihm verwendeten lingualen Bracketsysteme und zeigte anschaulich, wie sich Patienten- und Behandlerkomfort in der Lingualbehandlung bis heute verbessert haben. Beeindruckend waren die von Priv.-Doz. Dr. Benedict Wilmes aus Düsseldorf präsentierten Fallbeispiele, die die Entscheidung des Behandlers zwischen der Verwendung von einem oder zwei Gaumenimplantaten verdeutlichten. Im folgenden Vortrag zeigte Dr. Volker Breidenbach aus Castrop-Rauxel einen sogenannten Borderline Case mit skelettal offenem Biss, den er mit Intrusionsverankerungsimplantaten und Herbstscharnier erfolgreich lingual behandelte. Eine der erfahrensten Kolleginnen in der Lingualtechnik, Dr. Andrea Thalheim, erläuterte in ihrer Präsentation eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für eine gute Laboranfertigung der individualisierten Lingualapparatur: die perfekte Korrekturabformung. Anschließend warb die aus Österreich kommende Lingualexpertin DDr. Silvia Silli für eine virtuelle Behandlungsplanung durch jeden Behandler selbst. Dr. Michael Sostmann aus Hannover beschäftigte sich in seinem Beitrag mit dem Weichgewebsmanagement bei transversal und sagittal expansiven Zahnbewegungen. Insbesondere in der Unterkieferfront während Herbstbehandlung müsse bei „dünnem“ gingivalen Biotyp des Patienten schon vorzeitig über ein Bindegewebstransplantat zur Vorbeugung von parodontalen Rezessionen aufklärt werden. Als letzten Vortragenden der Veranstaltung sprach Dr. Martin Epple aus Augsburg über Grenzfälle in der Klasse II-Behandlung. Dentale Kompensation oder Chirurgie wurden anschaulich anhand mehrerer Fallbeispiele diskutiert.

Dr. Peter Kohlhas als 1. Vorsitzender im Amt bestätigt

Einstimmig wählten die DGLO-Mit­glieder in ihrer Jahresversammlung den 1. Vorsitzenden Dr. Peter Kohlhas und die Autorin dieses Artikels, Dr. Claudia Obijou-Kohlhas, als Schriftführerin für weitere zwei Jahre. Somit bleibt die Geschäftsstelle der DGLO in Baden-Baden. Nebenbei: Weiterbildungsassistenten dürfen sich weiterhin über eine kostenfreie Mitgliedschaft in der DGLO freuen.

Dank ans Team

Ganz besonderer Dank gilt dem Organisationsteam Dr. Andreas Hartmüller und Dr. Klaus Gerk­hardt für den gelungenen Kongress – ihre lockere, fröhliche Art hat sicherlich stark zu der guten Stimmung unter den Kongress­teilnehmern beigetragen.

DGLO-Tagung nächstes Jahr in Hamburg

Prof. Dr. Dietmar Segner und Dr. Dagmar Ibe gaben in Heidelberg bereits einen kleinen Ausblick auf die nächste Tagung der DGLO, die vom 17. bis 19. Januar 2014 in Hamburg stattfinden wird.

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