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Branchenmeldungen 05.05.2011

Grundlagenforschung: Erfolgreiche türkisch-deutsche Kooperation

Grundlagenforschung: Erfolgreiche türkisch-deutsche Kooperation
Forschungen zur Wirkung von Schmelzmatrixproteinen auf Zellen des Zahnhalteapparats – Abschluss-Symposium in Konya (Türkei) mit hochrangigen Referentinnen und Referenten – Drittmittelförderung ermöglicht engen wissenschaftlichen und personellen Austausch – Unterstützung durch Institut Straumann AG
 
Eine erfolgreiche bilaterale Kooperation auf dem Gebiet der zahnmedizinischen Grundlagenforschung zwischen den Zahnkliniken der Selçuk-Universität in Konya (Türkei) und der Universität Bonn wird im Juni mit einem zweitägigen Abschluss-Symposium zu Ende gehen. Frau Prof. Dr. Sema S. Hakkı, Oberärztin an der Abt. für Parodontologie der Universität Konya und Prof. Dr. Werner Götz, Leiter der Labors für Oralbiologische Grundlagenforschung an der Poliklinik für Kieferorthopädie in Bonn, kannten sich bereits von zahlreichen internationalen Kongressen und wurden durch ihr gemeinsames Interesse an der Biologie und Pathologie des Zahnhalteapparats und an regenerativen parodontalen Verfahren zusammengeführt. Ein gemeinsames deutsch-türkisches Forschungsprojekt lag deshalb nahe und wurde schließlich durch die Zusammenarbeit mit dem Institut Straumann AG angestoßen, die seit längerem an Untersuchungen zur Biologie der einzelnen Komponenten ihres Produktes Emdogain® interessiert war. Im Mittelpunkt der Forschungen sollte das Schmelzmatrixprotein Amelogenin stehen, dessen Wirkungen als natürliches und rekombinant hergestelltes Protein auf menschliche Parodontal-Ligament (PDL)-Zellen und Zementoblasten der Maus untersucht werden sollte, ein Projekt, das der Grundlagenforschung zuzuordnen ist, von dem man sich aber wichtige Hinweise auf ein besseres Verständnis für die Funktion dieses Proteins und damit auch von Emdogain® im Rahmen der parodontalen Therapie erhofft. Prof. Hakkı konnte erhebliche Fördermittel bei der türkischen Forschungsgemeinschaft TÜBITAK einwerben, die vor allem Sachmittel für die wissenschaftliche Forschung zur Verfügung stellt, Prof. Götz beim Internationalen Büro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen eines Programms zur Förderung von Projekten der internationalen Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, das vor allem den bilateralen Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern fördert. Das für zwei Jahre ausgelegte Projekt unter dem Titel „Vergleich der Wirkungen von natürlichem und rekombinantem Amelogenin auf Zementoblasten und Parodontalligament-Zellen“ startete im Januar 2009.
Frau Prof. Hakkı hat bereits an ihrer Universität in Konya ein modernes Forschungslabor in der Zahnklinik aufgebaut. Sie absolvierte ihr Studium der Zahnheilkunde und ihre weitere Ausbildung als Parodontologin an der Haçeteppe-Universität in Ankara und war nach einem Forschungsaufenthalt in den USA am Dept. of Periodontics der University of Michigan in Ann Arbor 2002 nach Konya gewechselt. Inzwischen gehört sie zu den angesehensten Forscherinnen in der türkischen Zahnmedizin mit internationalem Renomee. Ihre Forschungsschwerpunkte sind parodontale Biologie und biologische Aspekte in der Werkstoffkunde, klinisch konzentriert sie sich auf moderne Verfahren der parodontalen Regeneration und die Laserzahnheilkunde. Frau Prof. Hakkı repräsentiert die moderne türkische Zahnheilkunde, die in den vergangenen Jahren sowohl in der Forschung als auch in der Klinik ein sehr hohes Niveau erreicht hat. Prof. Götz, der sich schwerpunktmäßig neben der Biologie des Zahnhalteapparats auch mit dentalen Stammzellen, experimenteller Kieferorthopädie, Alterszahnheilkunde und Knochenersatzmaterialien beschäftigt, hat seit 2003 eine Professur für experimentelle Oralbiologie an der Universität Bonn inne, war die letzten zwei Jahre 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Grundlagenforschung (AfG) in der DGZMK und leitet ein Teilprojekt in der Klinischen Forschergruppe 208 an der Universität Bonn.
Die von der türkischen Seite eingeworbenen Sachmittel erlaubten für das Projekt ein großzügiges Programm zur Erforschung der Amelogeninwirkungen mit zell- und molekularbiologischen Methoden, die von der deutschen Seite eingeworbenen Reisemittel  häufige Aufenthalte in Konya und Bonn nicht nur der Projektleitung, sondern auch der am Projekt beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies ermöglichte über zwei Jahre hinweg einen intensiven personellen und wissenschaftlichen Austausch zwischen den Labors an den beiden Kliniken, ideale Voraussetzungen auch für den Aufbau persönlicher Kontakte und das gegenseitige Kennenlernen der türkischen und deutschen Kulturen.
Erste Ergebnisse der gemeinsamen Forschungsarbeit konnten bereits 2010 auf verschiedenen Kongressen vorgestellt werden, so auf der AADR-Tagung in Washington, dem türkischen Kongress für Parodontologie 2010 in Izmir oder der DGP-Tagung im Herbst 2010 in Bonn. Sie zeigen generell, dass auch rekombinant hergestelltes Amelogenin fördernd auf die Vermehrung und Mineralisationsfähigkeit von Zementoblasten und PDL-Zellen wirkt. Allerdings müsste seine therapeutische Anwendbarkeit im Vergleich zum „Goldstandard“ Emdogain® in weiteren Studien noch genauer untersucht werden. Weiterhin ergaben sich Hinweise darauf, dass sowohl Emdogain® als auch Amelogenin über spezielle Rezeptoren wirken, die im Zahnhalteapparat nachgewiesen wurden. Dies zeigten Untersuchungen des Mitarbeiters Emre Türkay an Zellkulturen und Gewebeschnitten. Er war zuerst als studentische Hilfskraft in dem Projekt tätig und ist jetzt als zahnärztlicher Mitarbeiter an der  Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffwissenschaften der Universität Bonn beschäftigt, wo er diese Forschungen im Rahmen seiner Dissertation weiter verfolgen wird. Seine Untersuchungen werden jetzt durch „Al Dente“, die Alumni-Organisation der Zahnklinik der Universität Bonn, gefördert.
Ein Symposium mit dem Titel „Periodontal Regeneration: Current and Future Aspects“ am 9. und 10. Juni an der Selçuk-Universität Konya wird das Projekt abschließen. Neben der Vorstellung der Projektergebnisse durch die Projektleiter und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten international renommierte Referentinnen und Referenten gewonnen werden, die über parodontale Forschung und Therapie sprechen werden, so aus den USA Frau Prof. Martha Somerman (University of Washington, School of Dentistry, Dept, of Periodontics), aus der Schweiz Prof. Michel Dard (Institut Straumann AG, Basel/New York University, USA), aus Deutschland Prof. James Deschner (Experimentelle Zahnheilkunde und Leiter der Klinischen Forschergruppe 208) und Prof. Andreas Jäger (Poliklinik für Kieferorthopädie), beide von der Universität Bonn, oder der dentale Stammzellforscher Priv.-Doz. Dr. Christian Morsczeck (Universität Regensburg, Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie), aus der Türkei die Parodontologen Prof. Dr. Selçuk Yilmaz (Yeditepe Universität Istanbul) oder Frau Prof. Rahime M. Nohuctu (Haçeteppe Universität Ankara), sowie andere. Die Kongress-Sprache wird Englisch sein. Die Universität Konya gehört zu den jüngeren türkischen Universitäten und wurde 1975 als Campus-Universität außerhalb der Stadt gegründet. An ihr sind zur Zeit ca. 60.000 Studierende eingeschrieben. Sie umfasst inzwischen alle Fakultäten, darunter eine zahnmedizinische Fakultät mit einer modern ausgestatteten Klinik. Alle näheren Informationen zu diesem Kongress findet man unter www.periosempozyumkonya.org.
Konya, auf der anatolischen Hochebene gelegen, ist über Istanbul durch einen Inlandsflug oder von Ankara aus über eine Autobahn bequem zu erreichen, und lohnt auch unter touristischen Aspekten. Die Stadt hat antike und seldschukische Wurzeln und ist Heimatort des Mevlana-Ordens mit seinen „tanzenden Derwischen“. Von Konya aus gelangt man schnell in die landschaftlich und kulturell imposante Region Kappadokien oder an die „türkische Riviera“ an der Südküste des Landes.
   
Bildlegenden
 
Abb.1
Prof. Hakkı (3. v. li.) und Prof. Götz (5. v. li.) mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zahnklinik der Universität Konya im Jahre 2009
 
Abb.2
Frau Prof. Dr. S. Hakkı
 
Abb.3
Prof. Dr. W. Götz
 
Abb.4
Ansicht der Zahnklinik der Universität Konya
 
Abb.5
Ansicht der Zahnklinik der Universität Konya
 
Foto: © Universität Konya
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